26.01.2018

Elektroautos sollen die Zukunft sein

„Wir sind nicht liegen geblieben!“

Elektroautos sollen die Zukunft sein – das verkünden Konzerne und die Politik. Aber jenseits von großen Auto-Gipfeln: Sind diese Fahrzeuge praxistauglich für immer größer werdende Pfarrgemeinden? In Wolfsburg wurde ein E-Golf drei Jahre getestet. 

Von der Montage …

Jetzt steht sie verwaist da, die Tankstelle auf dem Vorplatz des Bonifatiushauses der Pfarrei St. Christophorus in Wolfsburg. Drei Jahre parkte dort nicht nur ein weißer Golf, sondern wurde dort immer wieder mit seinem Treibstoff versorgt – mit Strom, nicht mit Benzin oder Diesel.

Über 30 000 Kilometer hat der E-Golf im pastoralen Raum Wolfsburg-Gifhorn zurückgelegt. Dieser Raum umfasst formal auf dem Papier nur drei Pfarreien – St. Christophorus und St. Michael in Wolfsburg sowie St. Altfrid im benachbarten Gifhorn. Dazu zählen aber elf Kirchen, zwei Kirchorte ohne Gotteshaus, neun Kindertagesstätten in Trägerschaft der Kirche und zwei Ortscaritasverbände. Oder in weiteren Zahlen: 31 000 und Entfernungen zwischen den Kirchenorten, die 17 oder auch 35 Kilometer betragen. Es ist der größte pastorale Raum im Bistum Hildesheim, der in Zukunft auch noch erweitert wird.

Eines stellt Dechant Thomas Hoffmann, auch Pfarrer der drei Gemeinden, gleich heraus: „Wir sind mit dem Auto kein einziges Mal liegen geblieben.“ Und dass obwohl die Reichweite des Golfs Baujahr 2014 lediglich 130 Kilometer betrug – ohne einen kleinen Tank für Benzin als Reserve.
 

… an die Zapfsäule für Strom: Drei Jahre lang wurde
im pastoralen Raum Wolfsburg-Gifhorn ein E-Golf
genutzt. | Fotos: Wala

Noch eines sagt Hoffmann mit Nachdruck: „Für unseren großen pastoralen Raum ist ein E-Mobil ideal.“ Die Leidenschaft für den Golf hat im übrigen nicht nur er geteilt, sondern das ganze Team im überpfarrlichen Einsatz.

Der E-Golf lief zwischen Wolfsburg und Gifhorn als Probetrieb des Bistums. Deshalb waren Hoffmann und sein Team auch mit „HI“ als Kennzeichen in der Stadt des VW-Konzerns unterwegs. Das Fahren mit ein E-Golf sei schon ein anderes als mit einem Benziner oder Diesel: „Ja, man fährt anders“, bestätigt Hoffmann. Vor allem habe man die Reichweitenanzeige automatisch im Blick: „Da entscheidet man schon sehr bewusst, ob man die Klimaanlage einschaltet.“ Denn das Pusten von gekühlter Luft ins Wageninnere verringert die Reichweite. Eine einfache Rechnung.
 

„Aber an Ampeln hängt man jeden Benziner ab“, berichtet Hoffmann – und lächelt. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Fahrzeugen sei die Leistung sofort da. Auch ein verändertes Fahrgefühl. Zudem achte man beim Fahren mehr auf den anderen Verkehr und insbesondere auf Fußgänger und Radfahrer. Schließlich verursacht ein E-Mobil keine Motorengeräusche: „Automatisch achtsamer zu sein tut auch dem eigenen Fahrstil gut“, findet Hoffmann.
 

ÜberschriDechant Thomas
Hoffmann: Nur gute Erfahrungen
mit E-Golf. | Foto: Archivft

Doch jetzt steht kein E-Golf mehr vor dem Bonifatiushaus. Die Projektphase ist vorbei.  „Das ist wirklich schade“, sagt Hoffmann. Schließlich habe die Gemeinde die Zapfsäule selbst angeschafft und dafür auch einen Extra-Parkplatz eingerichtet: „Wir hätten wieder gern so ein Fahrzeug, es passt zu dem, was wir an Mobilität brauchen und ist zudem ein kleiner Beitrag zu Bewahrung der Schöpfung.“

Vielleicht wird der Wunsch von Hoffmann erhört. Denn das Bistum Hildesheim hat sich in Sachen Klimaschutz ehrgeizige Ziele gesetzt. Mit einer entsprechenden Initiative will das Bistum perspektivisch deutlich an Energie und somit an Kohlendioxid-Emissionen einsparen. 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010, dem Start der Klimaschutzinitiative.

In der Zwischenzeit wurde viel erreicht, sagt der Projektleiter der Klimaschutzinitiative. Der Schwerpunkt liegt bisher auf zwei Bereichen.  Zum einen: Wie viel Energie verbrauchen kirchliche Gebäude, vor allem zum Heizen. Mehrere hundert Gebäude wurden energetisch untersucht, Förderprogramme für Thermostaten, Heizungspumpen oder thermische Abgleiche aufgelegt. Zum anderen: Welchen Strom nutzen Gemeinden? „Wir haben mit Anbietern von Ökostrom Rahmenverträge abgeschlossen“, erläutert Spatz. Mehr als die Hälfte der 119 Pfarrgemeinden im Bistum ist mittlerweile dabei. Dazu kommen noch Schulen und Einrichtungen der Caritas.

„Gebäude und Strom sind das eine, Mobilität ist das andere große Thema beim Klimaschutz“, betont Spatz. Ob Kohlendioxid nun zum Schornstein oder zum Auspuff herauskommt – wer die Schöpfung bewahren will, muss diese beiden großen Verbraucher von Energie in den Blick nehmen.

Umso besser, dass in einer großen, aber nicht untypischen Pfarrgemeinde für das Bistum gute Erfahrungen gemacht wurden, anders unterwegs zu sein. Ohne Sprit.

Rüdiger Wala