Mit Zisternen gegen die Folgen des Klimawandels

Mit Zisternen verbessern Kleinbauern in Bolivien ihre Erträge. Sie begegnen so den Folgen des Klimawandels: Die Regenzeiten verschieben sich. Das hat dramtische Auswirkungen.

Zwei Landwirte unter sich: Don Isidro und Johannes Zehfuß. Fotos: Kuhn

Etwas mehr als 2 Stunden benötigen wir, um von Cochabamba aus das Dorf Aramasi zu erreichen. Es geht zunächst auf der Hauptverbindungsstraße Richtung La Paz, dann auf der nicht geteerten früheren Route und schließlich auf einem schmalen Weg entlang der Berghänge in das Dorf. Mit dabei ist Johannes Zehfuß, selbst Landwirt in der Pfalz und Abgeordneter des rheinland-pfälzischen Landtags.

In Aramasi liegt das Zentrum des Projekts für die integrale Förderung der Campesinos, der Kleinbauern der dortigen Pfarrei. Ricardo Crespo, einer der drei Agrar-Ingenieure des Projekts führt uns durch das Bildungszentrum. Neben den Schulungsräumen und Schafsälen liegen die Baumschule, sehen wir Modellbeete für verschiedene Gemüsesorten, Kartoffeln und Mais. Neben Tomaten- und Artischocken stehen Pfirsich- und Apfelbäume – ein grünes Paradies auf 2.800 m Höhe.

Ein grünes Paradies auf 2800 Meter Höhe: Modellbeete im Bildungszentrum für
Campesinos in Armasi 

In der langjährigen Arbeit des Agrarteams sind der Schutz vor Erosion und die Verbesserung der Qualität der kargen Böden die ersten Schritte, um die Nahrungssicherheit in den Siedlungen zu stärken. Die Anregung, in den Terrassengärten auch Gemüse und Obstbäume zu pflanzen, brauchte Zeit bis sie angenommen wurde. Heute sind die im Projekt beteiligten Kleinbauern stolz, Kartoffeln, Äpfel und Gemüse in der Stadt verkaufen zu können und über die eigene Versorgung hinaus auch eine – bescheidene - Geldeinnahme erwirtschaften zu können. Trotzdem sind für Johannes Zehfuß die Anstrengungen der Campesinos in den kargen Böden und meist kleinsten Feldern, die Mühen der Feldarbeit  in der Höhe bis 3.800 m und die weiten Fußwege zu den Äckern eine Lebensrealität, die kaum nach zu vollziehen ist.

Einer dieser Kleinbauern ist Don Isidro. Das Land der Familie sind vielleicht 4 ha, die über das Tal und die steilen Hänge verstreut sind. Wir besuchen ihn am späten Vormittag. Sein Haus ist aus Adobe-Lehmziegeln errichtet mit zwei Stockwerken und einem Nebengebäude, so wie typischerweise die Häuser gebaut sind. Er ist gerade in seinem Garten neben dem Haus beschäftigt. Dort hat er Salat und Tomaten  gepflanzt. Am Rand stehen Setzlinge von Apfelbäumen, die in zwei Jahren, die ersten Früchte tragen werden und dazwischen Setzlinge regionaler Baumsorten.

Ohne diese Zisterne könnte ein Campesino wie Don Isidro nur wenig ernten.
Eine Folge des Klimawandels

Einige Hundert Meter entfernt hat er gemeinsam mit weiteren fünf Familien kürzlich eine Zisterne gebaut. Die 10.000 Liter werden über eine Leitung durch den kleinen Fluss gespeist. So können sie die Terrassen und die Ackerflächen im Tal bewässern. Die Kosten von etwa 1300 Euro neben der eigenen Arbeitsleistung wurden zur Hälfte durch die Kleinbauern selbst bezahlt und zur Hälfte durch das Projekt finanziert. Solche Initiativen des Agrarzentrums werden mit langjähriger Unterstützung durch Misereor und mit Projektmitteln der Trierer Bolivienpartnerschaft gefördert.

Auf seinem Acker baut Don Isidro Bohnen, Zwiebeln und vier verschiedenen Sorten Kartoffeln an. Ohne die Zisterne könnte er dieses Jahr wohl nur wenig ernten. Denn nach dem Säen, dauerte es noch 4 Wochen, bis es zu regnen begann. Die Veränderungen und Verschiebungen der Regenzeiten sind konkrete Folgen des Klimawandels in Bolivien. Bauerfamilien in den Anden sind Opfer, verlieren ihre Erträge, wenn der Regen nicht in der über Generationen vertrauten Zeit kommt. Don Isidro konnte mit der Zisterne die Setzlinge bewässern und den verspäteten Regen ausgleichen. Mit Stolz zeigt er den Ertrag seiner Ernte.

Ludwig Kuhn

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