Ein Projekt mit Zukunft

Tag 1

Klimawandel, Allianz für die Schöpung und die Zukunft der Partnerschaft sind Themen, die Bischof Norbert Trelle bei seinem Besuch in Bolivien mit den Verantwortlichen aus Kirche und Gesellschaft diskutiert. 
 

Es herrscht Dürre!
Es herrscht Dürre in Bolivien. Fotos: Wala

Bolivien empfängt uns staubig, mit trockener Luft. Seit vielen Wochen hat es nicht geregnet. In einzelnen Landesteilen wird Wasser bereits rationiert. Dürre – die eine Seite von "El Niño", dem Christkind: Ein Wetterphänomen, bei dem abflachende Passatwinde eine Warmwasserblase vor der Küste Südamerikas verursachen. Das führt zu Klimakapriolen: Dürren, aber auf der anderen Seite auch Überschwemmungen durch unwetterartige Regenfälle. In Bolivien zuletzt im Dezember vergangenen Jahres.

Der Ursprung von El Niño ist natürlich, seine Intensität und Auswirkungen sind jedoch durch den Klimawandel und die weltweite Erderwärmung deutlich verschärft worden. Der Klimawandel ist eines der Themen, die Bischof Norbert Trelle bei seinem Bolivienbesuch erörtern wird. Denn vor vier Jahren hat er zusammen mit den Bischöfen Boliviens die "Allianz für die Schöpfung" gegründet. Darin verpflichtet sich das Bistum, konsequent einen Weg der Schöpfungsbewahrung zu gehen. Für die Diözese und ihre Pfarrgemeinden heißt das, den Verbrauch an Ressourcen und den Ausstoß an Treibhausgasen einzuschränken und sich auch politisch für den Umwelt- und Klimaschutz einzusetzen. Auch die Bischöfe Boliviens haben ihre Gemeinden zu ähnlichen Schritten aufgerufen.

Erzbischof Jesús Juárez von Sucre empfängt Bischof Norbert Trelle, Dr. Katharina Bosl von Papp und Bettina Stümpel

Eine zweite Frage, die im Mittelpunkt des noch bis zum 2. August währenden Besuches steht: Wie geht es weiter mit der Partnerschaft zwischen der Kirche von Bolivien und dem Bistum Hildesheim – im 30. Jahr ihres Bestehens? Wie wichtig diese Verbundenheit ist, wird schon beim ersten offiziellen Programmpunkt der Reise deutlich: einen Zusammentreffen mit Erzbischof Jesús Juárez von Sucre. Es ist eine Begegnung unter Freunden. Man kennt sich, man schätzt sich, man flachst – was sich zuweilen zu einem Quiz in Sachen Kenntnisse von Bibelversen ausweiten kann.

Doch es ist nicht nur persönliche Freundschaft, die in dieser Begegnung zu Tage tritt: "In meiner Zeit als Bischof von Hildesheim habe ich nichts anderes erlebt, was so viel Engagement freigesetzt hat wie die Bolivienpartnerschaft", ist Trelle überzeugt. Deshalb sei sie so wertvoll, deshalb sei sie auch ein Projekt für die Zukunft.

Pastorale Fragen sowie die soziale wie politische Situation Boliviens bilden weitere Schwerpunkte der Reise. Auch sie werden im Gespräch mit Erzbischof Juárez gestreift. Nicht zuletzt, weil sich die statistischen Zahlen der katholischen Kirche in Deutschland auch bis nach Bolivien herumgesprochen haben. Trelle wirbt für einen zweiten Blick, einen der über sinkenden Gottesdienstbesuch hinausgeht. Er erinnert an die große Bereitschaft in Deutschland Flüchtlinge aufzunehmen, sie zu begleiten und sie in die Gesellschaft einzugliedern: "Das machen viele Menschen aus ihrem christlichen Glauben heraus", betont Trelle – und darunter werden viele sein, die nicht in der Gottesdienststatistik auftauchen.

Sucre wächst: Baustellen prägen das Bild in der bolivianischen Stadt.

In der Stadt Sucre wächst die katholische Kirche. "Wir haben neue Pfarreien gegründet", berichtet Erzbischof Juárez. Nach wie vor strömen Menschen vom Land in die Stadt. So gleicht die Autofahrt vom neuen, gerade im Mai eröffneten Flughafen einem Weg durch eine einzige Baustelle. Zahllose Häuser werden gebaut. In diesem Tagen beginnt im Erzbistum ein Zukunftsgespräch über die Herausforderungen für die Seelsorge, die die Veränderungen mit sich bringen.

Doch in den größer werdenden Städten verschärfen sich soziale Probleme – Drogen sind eines davon. Anfang April hatte Boliviens Bischofskonferenz in einem Hirtenbrief über eine Ausweitung des Drogenhandels im Land berichtet. Dieser habe inzwischen auch staatliche Strukturen und Sicherheitskräfte durchdrungen. „Darauf mussten wir hinweisen, wir brauchen eine offene Debatte darüber“, betont Juárez.

Trotz aller Probleme herrscht abends bolivianische Gelassenheit auf dem zentralen Platz in Sucre. 

Überhaupt: Wie brüchig die politische Situation in Bolivien ist, zeigt wiederum die Fahrt vom Flughafen in die Stadt. An einem Abzweig steht Lastwagen an Lastwagen. Hintergrund: Transportunternehmer und die Regierung streiten – über Steuersätze, Konzessionen und Privilegien. Die Verhandlungen sind aufgeladen, zum Teil schon eskaliert. Die Unternehmen drohen mit Blockaden, die den Verkehr und Teile des Wirtschaftslebens lahmlegen. Die Regierung greift hart durch: Festnahmen sind erfolgt, Versammlungen wurden aufgelöst, es gab Verletzte. Unruhige Zeiten. Fast wie immer. Doch abends, auf dem zentralen Platz von Sucre, herrscht bolivianische Gelassenheit. Wie Immer.

Deine Bewertung: Keines Average: 2.3 (6 votes)