Gastfreundschaft und Begegnung

Tag 8: Gastfreundschaft und Begegnung - zwei Reisen treffen aufeinander

Der Reisealltag hat die Delegation um Bischof Norbert Trelle wieder: Statt der fast menschenleeren Einsamkeit des Salar de Uyuni nun die Metropole La Paz, der Regierungssitz des Landes. Statt Stille und Entdeckungen in der Wüste des Salzsees wieder Termine, Gespräche, Begegnungen – gastfreundliche wie überraschende.

La Paz: der höchstgelegene Regierungssitz der Welt. Foto: Wala

Eines hat sich aber nur unwesentlich geändert: die Höhe. La Paz ist der höchstgelegene Regierungssitz der Welt. Die Stadt hat sich entlang eines Canyons am Rande der Hochebene des Altiplano entwickelt. Sie ist gewissermaßen einen Hang hinauf gewachsen und zieht sich von einer Höhe von 3200 Meter auf 4000 Meter. Durch den Talkessel ist das Klima in La Paz überraschend angenehm – so wie es in einer Stadt mit fast 800 000 Menschen sein kann.

Je höher die Lage, desto ärmer die Bewohner - egal ob in La Paz oder El Alto. Foto: Wala

 

Oberhalb von La Paz ist die Stadt El Alto entstanden – "die Höhe", wie der Name sagt. Bis 1985 war El Alto ein Stadtteil von La Paz und das Armenhaus. Viele Aymara sind von ihren Dörfern auf dem Altiplano in Richtung Großstadt gezogen. In der Hoffnung dort ein besseres Leben zu finden. Doch die soziale Not ist groß in El Alto. Trotz vieler Hilfsprogramme auch zahlloser kirchlicher Werke weltweit, lebt ein Großteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Trotzdem wächst die Stadt. Sie hat mittlerweile mehr Einwohner als La Paz. Und sie macht anschaulich, was auch für La Paz gilt: je höher die Lage, desto ärmer die Bewohner.

La Paz ist auch Sitz eines Erzbistums: 1605 gegründet und 1943 zum Erzbistum erhoben, hat es immer wieder Gebiete zur Gründung anderer Bistümer abgegeben. Zuletzt 1994: Da entstand das Bistum El Alto. Die politische Entwicklung der beiden Städte wurde kirchlich nachvollzogen. Heute zählen gut 1,4 Millionen Katholiken zum Bistum La Paz – ein Anteil von etwa 86 Prozent der Bevölkerung.

Erzbischof Edmundo Abastoflor (2 von links) empfängt die Delegation aus Hildesheim. Foto: Wala

Erzbischof Edmundo Abastoflor empfängt Bischof Norbert Trelle und die Hildesheimer Delegation. Wie fast immer in Bolivien ist es ein Treffen unter Freunden. Fast unscheinbar liegt das erzbischöfliche Ordinariat in einer Seitenstraße nahe der Plaza Murillo. Ein Gebäude mit dem Charme der 1950-er Jahre. Anders die Kathedrale Nuestra Señora de La Paz. Sie liegt direkt an der Plaza Murillo, schrägt dem Parlament von Bolivien gegenüber.

Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Bolivien ist seit angespannt. Das äußert sich immer wieder auch in bürokratischen Konflikten. Jüngstes Beispiel: Die Regierung drohte dem Erzbistum zwei Gebäude zu enteignen. Die Häuser, ebenfalls nahe der Plaza Murillo, waren unbewohnt und in keinen guten Zustand. So sammelte das Erzbistum Spenden und Zuwendungen, auch aus dem Bistum Hildesheim, brachte auch eigenen Reserven ein. Ein Parkhaus wurde gebaut und die Häuser saniert. Sie sollen jetzt an Gewerbetreibende, Geschäftsleute, Anwälte oder an Nichtregierungsorganisationen oder andere Einrichten vermietet werden: um die Baukosten wieder einzuholen und später weitere Mittel für den Bistumshaushalt zu haben. Kirchenfinanzierung auf bolivianisch.

Die Delegation um Bischof Norbert ist zu einem Treffen in der deutschen Botschaft eingeladen. Foto: Wala

Doch der nächste Termin drängt: ein Treffen in der deutschen Botschaft mit dem Ständigen Vertreter des Botschafters, Adrian Seufert. Der designierte deutsche Botschafter in Bolivien, Matthias Sonn, wartet noch auf seine Akkreditierung. Weiter dabei: Stefan Schnepp, zuständig für Kultur und Wirtschaft sowie Botschaftsmitarbeiterin Patricia Cuarita. Schnell kommt das Gespräch auf die Frage, wie die konkreten Beziehungen zwischen Menschen in Bolivien und Deutschland intensiviert werden können. Gerade hier treffen sich die Interessen der Botschaft und des Bistums.

Ein Ansatzpunkt dabei: die 2012 von den bolivianischen Bischöfen und Bischof Norbert Trelle ausgerufene "Allianz für die Schöpfung". Mit dieser Allianz besteht die Verpflichtung, einen konsequenten Weg der Bewahrung der Schöpfung zu gehen – angefangen bei kleinen Schritten gegen Umweltverschmutzung. "Als Kirche können wir zudem einen Akzent in der Bewusstseinbildung setzen", sagt Bischof Trelle. Ein Anliegen, das nach Worten von Adrian Seufert auch die Botschaft unterstützt.

Bischof Norbert Trelle im Gespräch mit dem ständigen Vertreter des deutschen Botschafters in Bolivien, Adrian Seufert. Foto: Wala

Zweiter Ansatzpunkt: Direktkontakte, sowohl zwischen Schulen wie zwischen Universitäten. Gerade der Aufbau einer Schulpartnerschaft ist ein Herzensanliegen von Bischof Trelle.  "Wir würden Sie gern mit unseren Kontakten unterstützen", betont Adrian Seufert. Über die Botschaft werden unter anderem Programme zum Deutschunterricht in bolivianischen Schulen unterstützt. Das würde den Aufbau einer Partnerschaft erleichtern. Universitätskontakte können ebenfalls mit Hilfe der Botschaft angebahnt werden. Zum Beispiel im Bereich Bergbau – eines der Schwerpunktthemen, dem sich insbesondere die bolivianische Stiftung Jubileo und die Hildesheimer Partnerstiftung Justitia et Participatio angenommen haben.

Bischof Norbert Trelle feiert in La Paz einen Gottesdienst mit den Teilnehmern der derzeit ebenfalls laufenden Begegnungsreise sowie Seminaristen des Erzbistums. Foto: Wala

Der Tag schließt mit einem Gottesdienst, der zwei Reisen zusammenführt. Seit dem 15. Juli ist einen 26-köpfige Gruppe aus den Bistümern Trier und Hildesheim im Partnerland unterwegs. Nach Einführungstagen in Cochabamba haben sie in Kleingruppen verschiedenste Projekte und Initiativen quer durch ganz Bolivien besucht. Auch hier steht die direkte Begegnung, der Kontakt, der Wunsch, einander kennenzulernen und etwas Gemeinsames für die Zukunft aufzubauen im Mittelpunkt.

Für Bischof Norbert Trelle haben diese Begegnungen eine weit größere Bedeutung als als touristisches Programm in einem faszinierenden Land wie Bolivien: "Gott ist bei diesen Begegnungen mit im Spiel", predigt er im Gottesdienst vor den Teilnehmern der Begegnungsreise und Seminaristen des Erzbistums La Paz. Gott strahlt aus der Gastfreundschaft, im "Abenteuer Begegnung", wie Trelle es nennt: "Lassen Sie uns weiter auf diesem Weg in der Spur Jesu Christi gehen."

Die Seminaristen des Erzbistums La Paz sorgen mit Musik nach dem Gottesdienst für Stimmung. Foto: Wala

Wie überraschend dieses Abenteuer Begegnung sein kann, zeigt das Essen nach dem Gottesdienst. Eine Gruppe von Seminaristen packt eine Gitarre und zwei Panflöten aus. Bolivianische Weisen erklingen, es wird getanzt. Spontan. Ungeplant. Unerwartet. Und unerhört gastfreundlich.

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