Zeichen der Verbundenheit

Tag 2

Wie steht es um das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Bolivien? Vor welchen Herausforderungen in der Seelsorge steht die Kirche zwischen Altiplano und Tiefland? Was bedeutet das für die Partnerschaft mit den Bistümern Trier und Hildesheim? Und wie geht es mit der 2012 gegründeten "Allianz für die Schöpfung" weiter? Viele Fragen, eine lange Liste von Themen – so beginnt der zweite Tag des Bolivienbesuchs von Bischof Norbert Trelle. 

Der Vorsitzende der bolivianischen Bischofskonferenz, Bischof Ricardo Centellas, im Gespräch mit Bischof Norbert Trelle. Foto: Wala

Ein Treffen steht an: mit der Partnerschaftskommission der bolivianischen Bischofskonferenz, zu der der Bischof von Potosí, Ricardo Centellas, der emeritierte Erzbischof von Sucre, Jesús Pérez und der Weihbischof von Santa Cruz, René Leige gehören. Centellas ist auch Vorsitzender der Bischofskonferenz.

Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Bolivien? Angespannt und widersprüchlich. Wie immer seit dem Amtsantritt von Präsident Evo Morales im Jahr 2006. Ein Rahmenvertrag zwischen Staat und Kirche ist seit fast einem Jahr ausgelaufen. Diese Übereinkunft regelt untern anderem das kirchliche Engagement in Sachen Bildung und Gesundheit. "Die Regierung zeigt aber keinerlei Interesse, über diesen Vertrag neu zu erhandeln", berichtet Centellas. Zudem hat auch in der Vergangenheit der Staat nicht immer seine Verpflichtungen erfüllt.

 

Bischof Norbert Trelle im Gespräch mit den Menschen. Fotos: Wala

Sorge bereitet Centellas zudem "die Entwicklung der Menschenrechte in Bolivien". Zuletzt haben vor allem Proteste von Behindertenverbänden auch weltweit Schlagzeilen gemacht. Die Verbände wollen eine Erhöhung ihrer staatliche Unterstützung durchsetzen – von 1000 Bolivianos im Jahr (umgerechnet etwa 125 Euro) auf 500 Bolivianos (gut 60 Euro) im Monat. Zum Vergleich: der staatliche Mindestlohn liegt bei 1800 Bolivianos (etwa 225 Euro) im Monat. "Auch hier hat die Regierung zunächst keinerlei Verhandlungsbereitschaft gezeigt", berichtet Centellas. Erst nach spektakulären Aktionen wurden Verhandlungen aufgenommen. So haben beispielsweise in Cochabamba Demonstranten ihre Rollstühle mit Seilen an einer Brücke festgebunden und sich stundenlang herabhängen lassen. "Es wird unsere Aufgabe sein, uns für die Menschenrechte einzusetzen", sagt Centellas.

Das Franziskanerkloster Santa Ana in Sucre besteht seit dem Jahr 1600. Foto: Wala

Intensiv ist die Bischofskonferenz zurzeit mit der Vorbereitung des 2018 in Bolivien stattfindenden fünften Amerikanischen Missionskongress befasst. Dabei geht es Centellas nicht nur um organisatorische Fragen: „Wir müssen uns dabei in unserem Land die Frage stellen, was es heute noch heißt, Jünger Jesu zu sein.“ Hier sehen Centellas und Trelle eine deutliche Verbindung zur Partnerschaft und zur Allianz für die Schöpfung. Über die Allianz könne versucht werden, die Schöpfungsverantwortung als Thema für den Kongress zu verankern. So wie die Option für die Armen zur Sendung der Kirche gehört, könnte es auch eine Option für die Schöpfung als Auftrag aller Christen geben. Auch könne durch die Partnerschaft ein deutlicherer Akzent auf die sich verändernde und bedeutsamer werdende Rolle der Laien in der (latein-)amerikanischen Kirche geben. Sowohl die Erfahrungen im Bistum Hildesheim mit der lokalen Kirchenentwicklung und einem vier Jahren währenden Dialogprozess als auch die Ergebnisse der vor kurzem beendeten Synode im Bistum Trier können hier einfließen. Auch ein Zeichen der Verbundenheit der Weltkirche.

Die Bischöfe pflanzen einen Baum als Zeichen für die Verbundenheit durch die Partnerschaft. Foto: Wala

Mit der Allianz für die Schöpfung wird im Anschluss des Gespräches noch ein weiteres dieser Zeichen gesetzt. Centellas, Pérez und Trelle pflanzen einen Baum in der Recoleta, einem der zentralen Plätze der Stadt – vor dem seit dem Jahr 1600 bestehendem Franziskanerkloster Santa Ana. "Ein Baum ist ein gutes Zeichen, für das was wir gemeinsam tun", sagt Bischof Trelle in der kurzen Feier: "Eine Gemeinschaft bilden, die Wurzeln schlägt, wächst und Frucht bringt zum Wohl der Menschen." Noch ist der zu pflanzende Baum, eine Akazie, klein. Doch das ist für Trelle ein Symbol: "Dieses Bäumchen erinnert uns daran, dass auch alle großen Dinge einmal klein angefangen haben." Auch die Partnerschaft der Kirche von Bolivien mit den Bistümern Trier und HIldesheim haben mit kleinen, vorsichtigen Schritten begonnen: "Gewachsen ist daraus eine Verbundenheit, die wir heute nur mit großer Dankbarkeit zur Kenntnis nehmen können."

Das Wasser ist wichtig - angesichts der derzeitigen Trockenheit in Bolivien. Foto: Wala

 

Der Tag endet mit einem besonderem Fest für das Erzbistum Sucre: Drei Diakone werden von Erzbischof Jesús Juárez zu Priestern geweiht. Auch Bischof Norbert Trelle legt den drei jungen Männer die Hand auf das Haupt. Diese Handauflegung hat zentrale Bedeutung für die Weihe, ja für den katholischen Glauben insgesamt. Ist sie doch Ausdruck der apostolischen Sukzession, der ungebrochenen Verbindung der Kirche zu den Jüngern Christi, die Jesus selbst zu Aposteln berufen hat. Und an diesem Abend ist die Handauflegung auch ein Zeichen der weltkirchlichen Verbundenheit.

Priesterweihe im Erzbistum Sucre

 

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