Gott und das Gold – wie viel ist genug?

Der neue Goldrausch in Bolivien: Seit  der Präsidentschaft von Evo Morales 2006 werden in Bolivien die Minen wieder eröffnet . Die Regierung hat die Kontrolle über den wirtschaftlichen Schlüsselbereich zurück erlangt, den sie in den 1980er Jahren aufgegeben hatte. Seither erlebt Bolivien einen Mineralien- und Goldrausch.

Neben dem staatlichen Bergbausektor und privaten Firmen schürfen derzeit etwa 1700 Minenkooperativen mit 200 000 Menschen nach Mineralien. Jeden Tag werden es mehr. Und Gold spielt dabei eine wichtige Rolle.
Etwas vereinfacht gesagt, kann jeder eine Kooperative gründen und mit dem Schürfen beginnen. Die technische Ausrüstung ist meist sehr einfach, Muskelkraft und Ausdauer sind entscheidend.  Man braucht 25 Teilhaber und  einen „Claim“, den man bei der entsprechenden Stelle beim Bergbauministerium registrieren lässt. Und den Nachweis der Umweltverträglichkeit, der offensichtlich kein großes Hindernis darstellt.
Meist werden alte Minen wieder in Betrieb genommen, die von privaten Firmen aufgegeben wurden. Für die Kooperativen sind sie rentabel.
Es gibt zwei Formen des Goldabbaus: Flussgold wird mit Hilfe von Quecksilber aus dem Wasser gewaschen. Minengold wird mit Zyanid aus dem Gestein gelöst. Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen sind praktisch unbekannt.
Das Departement La Paz ist ein Zentrum des Goldabbaus. Die Menge des erwirtschafteten Goldes ist nur schwer zu ermitteln. Es gibt dafür zwei Faktoren: Zum einen den Verbrauch von Quecksilber. „Mercury Watch“ (bitte Quelle recherchieren) hat in Bolivien in den letzten beiden Jahren einen Einsatz von 120 Tonnen Quecksilber nachverfolgt . Für die Gewinnung von einer Tonne Gold braucht man drei Tonnen Quecksilber.
Das andere sind Verkaufs- und Exportzahlen, die die Kooperativen melden müssen. Während die offiziellen Exportzahlen 2014 bei 7 Tonnen liegen, haben Kooperativen in diesem Jahr 40 Tonnen erwirtschaftet. Das bedeutet  einen Schwund von 33 Tonnen.
Diesem Verlust geht Stiftung Jubileo in La Paz nach. Hector Córdoba, der als langjähriger Verantwortlicher der staatlichen Minengesellschaft COMIBOL den Bergbau kennt, vermutet illegale Exporte und Schmuggel v.a. nach Peru. Die Kooperativen verkaufen an Zwischenfirmen hinter denen, so die Vermutung, große internationale Bergbaufirmen stehen. Diese sparen so Steuern und Abgaben in Millionenhöhe..
Der Ausfall für den bolivianischen Staat ist erheblich. Für das Jahr 2014 lagen die Einnahmen aus dem Goldabbau bei 30 Mio US $, rechnerisch hätten es 2 Mrd. US $ sein müssen. Geld, das für wichtige öffentliche Aufgaben fehlt.
Gold ist nicht einfach ein Mineral, es beflügelt seit Jahrtausenden die Fantasie der Menschen, ihre Kreativität aber auch die Gier.
Gott oder das Gold – wie viel ist genug. Diese Frage stellt sich in Bolivien gerade neu.

Katharina Bosl von Papp

Noch keine Bewertungen vorhanden