Ohne Frieden und Bewahrung der Schöpfung keine Gerechtigkeit

Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung: Dass diese drei Anliegen zusammengehören, zeigte sich auch bei der Veranstaltung der Fundación Jubileo und der Comisión de Hermandad zur Frage von Atomerergie und Energiealternativen in Bolivien.

Rohstoffausbeutung hat in Bolivien ein lange Geschichte: Angesichts der Überlegungen, wie in Zukunft weltweit Energie gewonnen werden wird und mit welchen Rohstoffen Bolvien dabei am Weltmarkt beteiligt sein kann, brachte sich eine Teilnehmerin sehr emotional ein mit dem Hinweis auf die Geschichte der Ausbeutung Südamerikas und der nicht unberechtigten Befürchtung, dass diese mit dem Lithium- oder Magnesiumabbau weitergehen wird.

Juan Carlos Zuleta Calderón, Wirtschaftwissenschaftler
aus La Paz. Foto: privat

Juan Carlos Zuleta Calderón, bolivianischer Wirtschaftswissenschaftler (als „Analista Energético“ Hauptreferent der Veranstaltung), legte dar, dass die Zeit der billigen Energie aus Erdöl zu Ende geht. Da ein großer Teil es Erdöls im Verkehrssektor eingesetzt werden, wird die Umstellung auf Elektroantrieb in der Automobilindustrie ein wesentlicher Faktor der zukünftigen Entwicklung sein. Elektroautomobile brauchen, wie Laptops, Handys und andere tragbare Geräte mit hohem Energiebedarf Lithium-Ionen-Akkumulatoren. Das ist für Bolvien eine wirtschaftliche Chance, weil sich im Salar de Uyuni sich das weltweit größte Vorkommen von Lithium befindet.

Probleme beim Gewinnen von Lithium

Mit der Nutzung des begehrten Rohstoffes gibt es allerdings gleich mehrere Probleme. Die Pilotanlage der Regierung zur Gewinnung von Lithium besteht aus Verdunstungsbecken, einer Technik, wie sie auch weiter südlich in der chilenischen Atacama-Wüste angewandt wird. In Bolivien jedoch dauert die Regenzeit länger an. Das Risiko, dass es regnet, bevor das Lithium gewonnen werden konnte, ist hoch. Außerdem ist der Magnesium-Anteil in der Lauge höher als in Chile, zu hoch für die problemlose Nutzung des gewonnenen Lithiums. Vor allem hat die Regierung aber erklärt, nicht wie in kolonialer Zeit nur den Rohstoff liefern zu wollen, von dem dann vor allem die anderen, die weiterverarbeitenden Länder profitieren. Bolvien selbst will Batterien und Elektroautos bauen, will die eigene Wirtschaft entwickeln. Das ist natürlich sinnvoll und richtig. Doch leichter gesagt als getan, denn es fehlt dem Land noch an Knowhow. Und die Firmen, die das Wissen und die Technik haben, sind nicht bereit, zu den Bedingungen der bolivianischen Regierung im Lande zu investieren.

Fabrikanlagen des "Proyeto Litio", der Pilotanlage des Staates Bolivien zum
Herstellen von Lithiumkarbona. Foto:kna-bild

In der Nähe von Potosi, in La Palca, werden inzwischen Batterien „made in Bolivia“ hergestellt. Chinesische Spezialisten haben die Fabrik gebaut, die seit letztem Jahr mit importierten Rohmaterialien Akkus herstellt. Wie in der Pilotanlage zur Lithiumgewinnung am Salar de Uyuni sammeln die Bolivianer mit der noch bescheidenen Produktion erst einmal Erfahrungen, die sie zu ihrem Ziel bringen sollen. Juan Carlos Zuleta Calderón sieht aber weiteren Handlungsbedarf: es gibt neue Technologien, die mit andern Lithiumverbindungen als dem bisher genutzten Lithium-Karbonat arbeiten. Und möglicherweise ist das Magnesium im Salar gar kein Hindernis auf dem Weg zur Entwicklung zukunftsträchtiger Industrien in Bolvien. Langfristig könnte die Gewinnung von Magnesium viel interessanter sein als das Lithium. Zuleta kritisiert, dass die Ingenieure der staatlichen Bergbaugesellschaft COMIBOL keine Experten für Lithium und Energiefragen sind und fordert deshalb eine intersektorale und interdisziplinäre Überprüfung der Chancen und Investitionen, die sich immerhin auf fast 900 Mio US-Dollar belaufen sollen.

Nicht Atomkraft, sondern alternative Energien fördern

Ähnlich kritisch sieht Zuleta die mögliche Summe von zwei Milliarden, die die bolivianische Regierung in Atomkraft investieren will und weitere Investitionen in alternative Energiegewinnung, was nicht sein Hauptthema, aber das eigentliche Thema der Tagung war. Er weist darauf hin, dass Deutschland trotz schlechterer Bedinungen für regenerative Energien inzwischen auf diese regenerativen Formen der Energiegewinnung setzt. Er berichtet, Bolvien habe inzwischen zwei Windparks in Cochabamba, bessere Windverhältnisse gäbe es jedoch in Santa Cruz. Auch hier fordert er deshalb Strategien für eine bessere Planung von Investitionen.

Barbara Schartz
 

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