24.11.2014

Dekanat Bremen-Nord

„Gemeinsam in die Segel pusten“

Mit rund 18 000 Gläubigen gehört das Dekanat Bremen-Nord zahlenmäßig zu den kleineren im Bistum Hildesheim. Flächenmäßig erstreckt es sich bis ins benachbarte Niedersachsen nach Osterholz-Scharmbeck.

„Die Unterschiedlichkeit – städtische Prägung auf der einen und ländliche Strukturen auf der anderen Seite - macht unser Dekanat aus“, sagt Dechant Dr. Holger Baumgard.

Wollen das Dekanat Bremen-Nord gemeinsam mit den Ehrenamtlichen nach vorne bringen: Diakon Martin Wolf, Dechant Dr. Holger Baum-gard und Pas-toralreferent Markus Leim (v. l.). Foto: Albert

Keine drei Steinwürfe ist die Weser von der Kirche Heilige Familie in Bremen-Grohn entfernt. Mit ihren 6300 Katholiken ist die zugehörige Gemeinde die größte der drei Gemeinden im Dekanat, das sich auf der nördlichen Seite des Flusses erstreckt. „Eine Gemeinde mit nur einem Kirchturm – eine echte Seltenheit“, sagt Dechant Baumgard. Denn anders als in den meisten Gemeinden sind keine weiteren Kirchorte angeschlossen. St. Willehad in Bremen-Aumund und St. Peter und Paul in Bremen-Lesum wurden 2011 und 2012 profaniert – für die Mitglieder vor Ort ein schmerzlicher Schnitt, der aber heute einen großen Vorteil für die Gemeindearbeit bietet, sind sich Baumgard und Pastoralreferent Markus Leim einig.

Konzentration auf einen Kirchstandort hat Vorteile

Denn das terminliche Zerreißen des Pfarrers zwischen mehreren Gottesdiensten entfällt und zudem ist die „Kirche bei Gottesdiensten nun wieder voll“. Und auch die Konzentration der Gruppenarbeit auf einen Standort kommt allen zugute. Es herrscht ein reges Gemeindeleben in Grohn, vielerlei Musik- und andere Gruppen haben sich zusammengefunden. „Eine Konzentration auf einen Standort ist von großem Vorteil – auch für die Seelsorge“, betont Baumgard.

Eine ganz andere Situation herrscht keine 25 Kilometer weiter in der Gemeinde Heilige Familie in Osterholz, die sich auf drei Standorte erstreckt. „Im Vergleich zu anderen flächenmäßig größeren Dekanaten sind zwar die Entfernungen zwischen den Kirchorten mit etwa 20 Kilometern noch relativ überschaubar, es bedeutet aber dennoch viel Fahrerei für alle Beteiligten“, erklärt der Pfarrer.
Nicht immer sei das einfach zu organisieren, gerade wenn es um die Gottesdienstzeiten gehe. Denn vor allem für Familien mit kleinen Kindern seien frühe Gottesdienstzeiten oft nur schwer zu schaffen. „Eine Möglichkeit ist es, mit den Zeiten zu rotieren“, so Baumgard. Letztlich liege die Organisationshoheit jedoch bei den einzelnen Gemeinden.

Grundsätzlich sei es aber schwierig, an mehreren Kirch­standorten das Gemeindeleben aktiv zu gestalten und am Leben zu erhalten. „Letztlich ist man dann überall zur Mängelverwaltung gezwungen. An allen Stellen kneift und zwickt es, aber man kann es nicht ändern“, sagt der Dechant. Dies sei aber letztlich ein Problem der Diaspora vor allem in ländlichen Gebieten.

Im Dekanat wird versucht, mit gemeinsamen Angeboten gegenzusteuern. Im Oktober war etwa Premiere für einen Firm-Workshop. „Für die rund 100 Firmlinge war es toll zu sehen, dass es doch noch so viele andere katholische Jugendliche in ihrem Alter gibt“, sagt Markus Leim.

Insgesamt ist die Personaldecke in dem kleinen Dekanat schlank gestrickt, derzeit sind sechs Hauptamtliche im Einsatz, in den nächsten Jahren geht der langjährige Blumenthaler Pfarrer Wladimir Debosz in Ruhestand. Wie es dann weitergeht, ist noch nicht geklärt, so Baumgard. Mit Blick auf spätestens im Jahr 2025 anstehende weitere Stelleneinsparungen müsse jetzt schon über eine verstärkte Einbindung Ehrenamtlicher beispielsweise in die Trauerarbeit nachgedacht werden. „Es wird für uns ein Thema der nächsten Monate sein, Ehrenamtliche zu gewinnen, die Beerdigungen abhalten“, sagt Pfarrer Baumgard. Er ist aber optimistisch, dass sich einige Menschen dafür gewinnen lassen.

Soziale Brennpunkte gehören zu Gemeinden

Auch Unterstützung für soziale Projekte ist immer gesucht. Denn die Stadtteile, in denen die Bremer Gemeinden des Dekanats liegen, gelten als soziale Brennpunkte. Nicht zuletzt deshalb engagiert sich auch der Caritasverband Bremen-Nord mit seinen Streetworkern vom TeamNord in der Jugendsozialarbeit und auch in der Migrationsberatung.

Mit dem Theresienhaus der Stiftung Katholische Kinder- und Jugendhilfe im Bistum Hildesheim befindet sich eine weitere große Einrichtung im Gebiet des Dekanats. Wohngruppen für Kinder und Jugendliche, eine Stelle zur Inobhutnahme bei Kindswohlgefährdung und andere ambulante und stationäre Angebote bietet das Haus an. „Dass das Theresienhaus rund 100 Beschäftigte hat, zeigt die soziale Problematik hier auf“, sagt Baumgard.

Eine weitere Besonderheit ist der außerschulische Religionsunterricht auf Bremer Gebiet. Denn die Schulen im Bundesland Bremen bieten nur einen überkonfessionellen Religionsunterricht an, der nicht von den Kirchen, sondern vom Senat für Bildung verantwortet und inhaltlich gestaltet wird.
Deshalb wird in den katholischen Gemeinden im Dekanat außerschulischer Religionsunterricht angeboten, der etwa in Grohn einmal im Monat samstags als Religionsaktionstag stattfindet und eine Vertiefung des katholischen Glaubens ermöglichen soll. „Unsere Kinder und Jugendlichen können so in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Entchristlichung die Möglichkeit erhalten, ihren Glauben gemeinschaftlich zu erfahren und etwas darüber zu lernen“, heißt es in dem Flyer, der für das Angebot wirbt.

Für die Zukunft des Dekanats wünscht sich Dechant Baumgard ein weiter wachsendes Bewusstsein für die  Bedeutung des Ehrenamts. „Die Ehrenamtlichen sind kein Ersatz für die Hauptamtlichen, sondern sie sind das Eigentliche.“ Einen ähnlichen Wunsch hat auch Diakon Martin Wolf, der hauptsächlich in der Krankenhausseelsorge arbeitet: „Ich wünsche mir, dass Ehrenamtliche und Hauptamtliche das Kirchenschiff gemeinsam nach vorne bringen und in die Segel pusten.“

 

Gemeinden

Insgesamt leben im Dekanat Bremen-Nord 18144 Katholiken. Diese verteilen sich auf drei Gemeinden mit fünf dazugehörigen Kirchorten:

Die Kirche Heilig Kreuz in Bremen-Bockhorn, derzeit noch zugehörig zur Gemeinde St. Marien, wird am
28. November profaniert.
(Stand November 2014)

Einrichtungen
Zwei Kindertagesstätten gibt es im Dekanat: Die Kita St. Marien in Bremen-Blumenthal wird von der Gemeinde getragen, die Kita St. Nicolai in Bremen-Rönnebeck ist in Trägerschaft des Caritasverbandes Bremen-Nord.

Das Altenheim St. Birgitta wird vom Caritasverband Bremen getragen. Das Haus bietet 67 Plätze.

Für die Caritas ist der Ortsverband Bremen-Nord zuständig. Zu den Angeboten gehören die Beratungsstelle für Schwangere und Familien, die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer, der Jugendmigrationsdienst, die Vorkurse für Grundschüler mit Migrationshintergrund, Jugendfreizeitheime, die Streetworker vom Team Nord sowie ein sozialpädagogischer Spielkreis.

Zu den caritativen Einrichtungen gehört die Kinder- und Jugendhilfe St. Theresienhaus. Das von der Stiftung Kath. Kinder- und Jugendhilfe im Bistum Hildesheim getragene Haus bietet stationäre, teilstationäre und ambulante Betreuungsangebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung unterhält eine Beratungsstelle in Bremen-Vegesack.

Die Katholische Erwachsenenbildung Region Nord hat ihre Geschäftsstelle in Lilienthal-Worphausen.

Spezielle Bereiche der Seelsorge sind die Krankenhausseelsorge am Klinikum Bremen-Nord sowie die Militärseelsorge des katholischen Militärpfarramtes in der Lucius D. Clay-Kaserne in Osterholz-Scharmbeck.

Verbände und Gemeinschaften
Eine Kolpingsfamilie sowie den katholischen Sportverein DJK gibt es in Bremen-Blumenthal, in Osterholz-Scharmbeck ist eine Gruppe der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) vertreten. In Lilienthal ist die Gemeinschaft Sant‘ Egidio tätig.