26.10.2011

Pilgern im Bistum (2): Der Sigwardsweg von Minden nach Idensen

„Ich bin dann mal pilgern“

Der Weg ist das Ziel – auf dem Sigwardsrundweg gilt dieses Motto in besonderer Weise. Weit weg vom Alltagsstress können Pilger hier auf zehn Etappen neue Eindrücke gewinnen, die das Leben verändern.

Bistum (if). Dieser Weg hat es in sich – nicht wegen der körperlichen Anstrengung, sondern wegen der abwechslungsreichen Natur: Auf dem Sigwardsweg, gelegen zwischen Minden und dem Steinhuder Meer, pilgere ich durch Fichten- und Buchenwälder, satt-grüne Ebenen und Auen der Weser und des Mittellandkanals; ich komme durch lebendige Städte und verschlafene Dörfer. Die Natur ist nah, der Alltagsstress dagegen weit weg. Pilgern befreit meinen Geist und macht mich glücklich!

 Funk
Sehenswertes Ziel eines abwechslungsreichen Weges:
die Sigwardskirche in Idensen. Foto: Funk

Am schönsten finde ich auf diesem Pilgerweg die Ruhe an und in den heiligen Orten, zum Beispiel der Sigwardskirche in Idensen. Die romanische Kirche mit ihren beeindruckenden Fresken ist das eigentliche Ziel dieser Pilgertour – wie schon im 12. Jahrhundert, als sich Bischof Sigward von Minden zu dieser Kirche aufmachte. Sein Wahlspruch von damals ist auch der des heutigen Sigwardsweges: „Sum quod eram, nec eram quod sum.“ „Ich bin, der ich war, war aber nicht, der ich bin.“ Dieser Satz ist auf dem Pilgerweg allgegenwärtig, ist auf dem Logo ver­ewigt sowie im Pilgerpass.

Die Originalroute des Bischofs Sigward ist nicht mehr bekannt. Heute verläuft die 2009 eröffnete Wanderstrecke daher entlang zweier Wegtrassen, die als vermutliche Route des Geistlichen gelten.

Wer war überhaupt dieser Bischof Sigward, der als hochgebildet und weit gereist geschildert wird? Er lebte von 1120 bis 1140 am Dom zu Minden. Darüber hinaus war er ein einflussreicher Berater von Lothar von Süpplingenburg, der 1125 zum König und sieben Jahre später zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde.

In dieser Zeit ließ sich Sigward eine eigene Grabkirche mit wertvollen Fresken in Idensen bauen. Die Fresken gelten bei Experten übrigens als einmaliges Kulturgut in Norddeutschland. An den Wänden und in den Gewölben des Gotteshauses sind große Teile der vor 900 Jahren gemalten biblischen Bildmotive noch gut erhalten. Es heißt, dass Sigward diese Kirche sehr oft besucht habe.

Insgesamt führt der Pilgerrundweg von Minden über 24 Pilgerstationen bis zur Sigwardskirche in Idensen. Auf zwei Trassen, einer Süd- und einer Nordroute mit je 5 Etappen, sind die Stationen miteinander verbunden. Zusammen bilden sie einen Rundweg von etwa 170 km Länge. Dabei kreuzt der Weg die Bistümer Hildesheim und Osnabrück.

Ich genieße die Ruhe der Natur auf dem Weg. Wer möchte, kann aber auch an geführten Touren teilnehmen.

Sehenswertes am Wegrand:

  • Schloss und Schlosskapelle in Bückeburg
  • St. Laurentiuskapelle: älteste Fachwerkkapelle Deutschlands in Nammen
  • Zweischiffige Hallenkirche in Apelern
  • Benediktinerkloster in Schinna
  • Mühle in Großenheerse

Die zehn Etappen des Sigwards-Rundweg

  • Minden – Hausberge, Länge: 10,9 km, Wanderzeit: 3 Stunden
  • Hausberge – Bückeburg, Länge: 16,5 km, Wanderzeit: 5 Stunden
  • Bückeburg - Obernkirchen, Länge: 10,5 km, Wanderzeit: 3,5 Stunden
  • Obernkirchen – Bad Nenndorf, Länge: 26,7 km, Wanderzeit: 6,5 Stunden
  • Bad Nenndorf – Idensen, Länge: 13,6 km, Wanderzeit: 3,5 Stunden
  • Idensen - Loccum , Länge: 21,8 km, Wanderzeit: 5,5 Stunden
  • Loccum - Stolzenau, Länge: 17,1 km, Wanderzeit: 4 Stunden
  • Stolzenau - Großenherse, Länge: 22,9 km, Wanderzeit: 5,5 Stunden
  • Großenherse - Petershagen, Länge: 13,3 km, Wanderzeit: 3 Stunden
  • Petershagen - Minden, Länge: 14,7 km, Wanderzeit: 4 Stunden

Infos gibt es bei Irene Esser, Haus der Kirche in Minden, Telefon: 05 71/8 37 44 94 oder E-Mail: pilgerbuero@sigwardsweg.de, Internet: www.sigwardsweg.de