11.04.2017

„Ich bin in meiner Kirche angekommen“

Im Osten Deutschlands aufgewachsen, nicht getauft. Glaube und Kirche spielten für Brit Bohot-Behnke keine Rolle. Bis sie dann nach Hildesheim kam und über den Domchor Weihbischof Hans-Georg Koitz kennenlernte. Sie hat sich auf den Weg gemacht und wurde vor einem Jahr am Ostersonntag getauft.

Am Ostersonntag 2016 empfing Brit Bohot-Behnke hier in der St.-Magdalenen-Kirche in Hildesheim das Sakrament der Taufe. | Foto: Edmund Deppe

„Als Kind bin ich mit meiner Oma oft in Kirchen gewesen, auch schon zu Zeiten der DDR, schließlich war mein Uropa Kantor in einer evangelischen Kirche. Aber eine richtige Beziehung gab es nicht“, erinnert sich Brit Bohot-Behnke. 2007 kam sie nach Hildesheim. Weil sie und ihr Mann musikalisch interessiert sind, nahmen sie ein Jahr später an einem Kurs „Singen nach Noten“ der Dommusik teil.

„Danach war Pause, bis unsere Tochter 2013 in den Vorchor der Mädchenkantorei aufgenommen wurde. Inzwischen singt sie schon im Hauptchor mit“, erzählt die gebürtige Dresdnerin. Da sie auch selbst Spaß am Singen hat, trat sie in den Domchor ein, ging zu den Übungsabenden und fühlte sich in der Gemeinschaft gut aufgenommen. „Das war 2015. Für mich ein einschneidendes Jahr. Musikalisch durfte ich schon bei den Aufführungen von ‚Lux in tenebris’ mitsingen – und natürlich in vielen Gottesdiensten. Das hat mich zutiefst berührt“, erinnert sich die 42-Jährige. Und: Sie war von der Freundlichkeit der Menschen am Domhof ihr gegenüber beeindruckt.

Über den Domchor lernte sie Weihbischof Hans-Georg Koitz kennen. Der schaute immer mal bei den Übungsstunden vorbei und manchmal verteilte er auch kleine Naschereien. „Mit ihm kam ich ins Gespräch und langsam entwickelte sich bei mir der Wunsch, mich taufen zu lassen. Da habe ich ihn einfach mal gefragt, ob er das machen würde.“

Alle hatten dasselbe Ziel

Der Weihbischof informierte sie über die Möglichkeit der Erwachsenentaufe und erzählte ihr, dass es dafür im Bistum Hildesheim eigene Vorbereitungskurse gebe.

„Ich habe mich angemeldet und bin in den im Herbst gestarteten Kurs noch mit hineingerutscht.“ In Erinnerung an die Zeit, die nun folgte, strahlt Brit  Bohot-Behnke. „Es waren tolle Kursteilnehmer – Taufbewerber, Konvertiten und Firmbewerber. Leute, die sich aus unterschiedlichen Gründen, aber mit demselben Ziel auf den Weg gemacht haben. Es war eine tolle Zeit, dicht, mit vielen guten Gesprächen“, beschreibt sie die Vorbereitungszeit. Für die junge Frau waren die Kurstreffen auch so etwas wie eine Auszeit im Alltag. Ihr Mann und ihre beiden Kinder gaben ihr die Zeit. „Haben hinter mir gestanden und mir den Rücken gestärkt.“

Bis zur Taufe am Ostersonntag 2016 hat die Taufbewerberin viel gehört über Gott, Glaube und Kirche. Sie hat sich ausgetauscht mit den anderen Kursteilnehmern, viele Fragen gestellt und sich mit dem Ablauf ihrer Taufe auseinandergesetzt. „Ganz viel haben wir über Texte aus der Bibel gesprochen und ich habe mir, wie es in der katholischen Kirche nicht so sehr verbreitet ist, einen Taufspruch gesucht – der kommt auch in ‚Lux in tenebris’ vor.“ Genauer gesagt, steht er im Psalm 119: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade.“

Im Frühjahr folgte die Aufnahme der Kursteilnehmer durch Bischof Norbert Trelle ins Katechumenat. Ostern war dann Taufe. „Für mich war das in St. Magdalenen. Und Weihbischof Koitz, der mir ein geistlicher Begleiter geworden ist, hat mich getauft. Es war ein tolles Gefühl. Und viele Besucher des Gottesdienstes haben mir gratuliert“, freut sich Brit Bohot-Behnke noch heute.

Ich möchte eine geistliche Heimat haben

Ein Jahr ist das nun her. Heute steht die junge Frau noch einmal am Taufbecken. Lässt die Taufe an ihrem inneren Auge vorüberziehen. „Alles richtig gemacht. Ich bin zwar noch immer eine Lernende, aber in meiner Kirche angekommen. Jetzt schaue ich mal, wo ich mich noch – außer im Domchor – engagieren kann. Vielleicht als Lektorin oder Kantorin. Mal sehen“, sagt sie lächelnd und fügt schnell an: „Aber ich bin keine Vorzeigekatholikin und will es auch gar nicht sein. Ich möchte nur eine geistliche Heimat haben hier in der Kirche.“

Edmund Deppe