29.01.2015

Schüler aus Hannover setzen sich für eine gerechtere Gesellschaft ein

„Jeder kann etwas tun, wenn er will“

Mut zu Taten – den braucht es, wenn es um soziales Handeln und den Einsatz für eine gerechte und friedliche Welt geht. Schüler und Lehrer der Ludwig-Windthorst-Schule in Hannover beweisen diesen Mut immer wieder aufs Neue.

Mit dem Verkauf von Kuchen, Spießen oder Brötchen unterstützen die Schüler Hilfsprojekte in aller Welt. Doch ebenso wichtig ist an der Schule die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Problemen der Menschen.  Fotos: Privat

Der Freitag ist immer etwas Besonderes. Dann nämlich kümmern sich die Schüler um den Verkauf von Brötchen in der Pausenhalle. „Es gibt einfache Brötchen, Rosinenbrötchen oder auch mal Laugenstangen“, erklärt Konrektor Siegfried Heinemann. Der Erlös kommt sozialen Projekten zugute. Und auch wenn die Aktion vom religionspädagogischen Arbeitskreis organisiert und begleitet wird, kommt doch kein Schüler daran vorbei: Jede Klasse ist ein bis zwei Mal im Schuljahr an der Reihe und für den Verkauf verantwortlich. Die Aktion ist unspektakulär. Auch kommt dabei nicht jeden Freitag eine große Summe an Geld zusammen. Aber es ist ein Baustein, der in der katholischen Haupt- und Realschule den Blick für die Nöte und Sorgen anderer Menschen weitet.

„Das Schulmaterial für ein Jahr kostet nur 20 Euro“

Doch auch im Unterricht ist die Verantwortung für die Gesellschaft eingebunden.  „In unserem Wahlpflichtkurs Soziales Handeln haben wir uns mit den unterschiedlichen Hilfswerken beschäftigt“, erzählt Schülerin Sabrina Ricottone. Thema sind dabei in den Kursen der unterschiedlichen Jahrgänge auch die Hintergründe der Projekte. „Wir haben dann abgestimmt, welches Projekt wir unterstützen wollen“, berichtet Anna Winands. Das Schulmaterial für indische Kinder haben die hannoverschen Schüler dann durch einen Kuchenverkauf finanziert. „Mit 20 Euro konnten wir das Material für ein Jahr bezahlen“, sagt Winands. Das Schicksal von Altersgenossen in anderen Teilen der Welt kennenzulernen und Vergleiche zu ziehen, das kommt an bei den Schülern: „Die sind in unserem Alter. Da können wir uns gut mit ihnen identifizieren“, erläutert Anna Winands.

Der Vergleich mit anderen macht den Schülern sehr deutlich, wie gut es ihnen geht – trotz aller eigenen Sorgen und Nöte. „Viele wissen bei uns gar nicht zu schätzen, was sie haben. Für sie ist alles selbstverständlich“, kritisiert Sabrina Ricottone. Die Schüler der LuWi haben mittlerweile ein ganz anderes Verständnis vom verschwenderischen Lebensstil der westlichen Welt. „Wenn alle so viel verbrauchen würden wie wir, benötigten wir unsere Erde gleich siebenfach“, rechnet Ricottone.

„Es geht nicht um große Geldspenden, sondern darum ein Bewusstsein zu schaffen für Sorgen und Nöte anderer“, sagt Lehrerin Katja Nolte. So hat die Ludwig-Windthorst-Schule im vergangenen Jahr während der Fußballweltmeisterschaft die Pausen-Aktion von Misereor aufgegriffen und mit den Schülern die Situation in Brasilien beleuchtet. „Eine Woche lang gab es dabei Aktionen wie Torwandschießen oder Sport-Spiele“, berichtet Nolte, die die Wahlpflichtkurse Soziales Lernen verantwortet. An Infoständen konnten die Schüler mehr über die Lebensbedingungen von brasilianischen Kindern kennenlernen.

Direkte Kontakte beleben Partnerschaft

Doch die Schule beschränkt sich nicht nur auf schriftliche Informationen. Regelmäßig kommen Gäste der Hilfswerke wie Misereor oder missio in die katholische Schule nach Hannover, um über ihre Arbeit und Lage in ihren Heimatländern zu berichten. Kontakt gibt es seit vielen Jahren auch nach Bolivien: In Loma Alta wird eine Schule unterstützt. Die Spenden helfen bei notwendigen Baumaßnahmen und finanzieren Anschaffungen für den Unterricht.

 

Dieser direkte Draht zu Projekten ist den Verantwortlichen der Ludwig-Windthorst-Schule wichtig. Darum hat sich auch eine gute Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk Misereor entwickelt, die jetzt in eine Schulpartnerschaft mündet: „Misereor arbeitet mit Initiativen vor Ort und unterstützt deren Arbeit“, berichtet Lehrerin Katja Nolte.  So seien gute direkte Kontakte gewährleistet – und Kontrollen besser möglich.

Misereor setzt sich zudem auch für die politischen Belange ein. „Und das liegt ganz in der Tradition unseres Namensgebers Ludwig Windthorst“, sagt der stellvertretenden Schulleiter Siegfried Heinemann.
Derzeit bereiten sich ältere Schüler im Wahlpflichtkurs „Soziales Handeln“ darauf vor, den  Jüngeren die Kinderfastenaktion von Miserior vorzustellen.Die beschäftigt sich mit der Lage von Kindern auf den Philippinen – und dabei wird auch der Klimawandel angesprochen. „Das macht deutlich, dass es dann nicht nur eine Sache der Religionslehrer ist“, erklärt Nolte. Denn nur, wer sich in Erdkunde, Geschichte und Politik auskennt, weiß, worauf es ankommt beim sozialen Handeln.

Sabrina Ricottone und Anne Winands finden das Engagement ihrer Schule für eine gerechtere und friedlichere Welt wichtig und richtig: „Ich finde es gut, denn sonst würden wir uns nicht mit den Problemen in der Welt auseinandersetzen“, erklärt Winands. Die Zusammenhänge werden deutlich – und falsche Eindrücke vermieden. Soziales Handeln ist für die Schüler der Ludwig-Windthorst-Schule kein Fremdwort. Und es kommt nicht auf die Zahl der Engagierten an, ist Sabrina Ricottone überzeugt: „Jeder kann etwas tun, wenn er will. Man muss es nur wollen.“

Thomas Pohlmann