Multimediale Installation zum Aschermittwoch der Künstler

Alte Kreuze neu entdecken

„crossfades“  heißt eine Klang-, Text- und Bildinstallation im Dommuseum. Erstmalig wird sie zum Aschermittwoch der Künstler im Lettnersaal präsentiert. Die multimediale Installation korrespondiert dabei mit der Ausstellung „Triumph und Tod – Frühe Kruzifixe“.

Im Hintergrund ertönt Musik aus unterschiedlichen Genres – von Klassik bis hin zu sphärischen Klängen aus dem Syntheziser. Auf dem Fußboden steht eine Leuchtanzeige. Scheinbar wahllos konfrontiert sie den Besucher mit Schlagworten wie Klassenzimmer, Flucht, Schlaf, Kirche oder Gott. In regelmäßigen Abständen taucht ein kleiner Lichtfleck auf der Wand auf. Kleine Filmsequenzen wechseln sich mit Farbschattierungen, Schärfe mit Unschärfe ab.

In der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen: Auch das Bernwardkreuz ziert ein feingezeichneter Christuskorpus – allerdings auf der Rückseite. | Fotos: Edmund Deppe

„Der Computer kombiniert die einzelnen Elemente immer wieder neu. Jeder Augenblick der Installation ist ein Unikat“, sagt  Jan Hellwig, Komponist und Pianist. Er ist einer von drei Künstlern, die von verschiedenen Orten aus an dieser  Installation gearbeitet haben. Für den Lichtpunkt ist Tanja Olbrich verantwortlich. „Hier stehen wir unter dem Druck des vorhandenen Lichts. Wir konkurrieren mit dem Tageslicht. Es lohnt sich, die Installation zu verschiedenen Tageszeiten zu betrachten, besonders bei trübem Wetter oder wenn es dunkel wird“, erklärt die Videokünstlerin.

„Es ist eine Art kritischer Dialog zwischen den drei Elementen Bild, Text und Klang, den man auf sich wirken lassen muss“, betont Marius Goldhorn, der Dritte im Bunde.
 

Die drei Künstler von „crossfades“: (von links) Jan Hellwig, Tanja Olbricht und Marius Goldhorn.

„#crossfade(s)“ 2017 steht in direktem Zusammenhang mit der parallel stattfindenden Ausstellung „Triumph und Tod – Frühe Kruzifixe“. Die dort gezeigten Kreuze stehen für sich, sind aber auch Teil der Installation. „Wir setzen sie mit den Bildern, Worten und Geräuschen der Installation in Beziehung. Und wir laden die Besucher ein nach dem Rundgang durch die Ausstellung hier zu verweilen, zur Ruhe zu kommen und die Eindrücke der alten Kreuze mit der modernen Installation in Beziehung zu setzen, das alles einfach einmal auf sich wirken zu lassen und seinen Gedanken Raum zu geben, sie nicht einzuengen“, empfiehlt Jan Hellwig.

Die Installation ist für Tanja Olbricht wie ein Fenster. „Sie hat zwei  Erfahrungswerte. Zum einen die Durchsicht, das Nach-außen-Schauen, der Blick aus der eigenen, bekannten Position hinaus in eine fremde Außenwelt. Aber sie ist gleichzeitig auch ein Spiegel. Fällt das Licht richtig, sieht der Betrachter sich selbst“, beschreibt die Künstlerin.

Zu entdecken gibt es auch viel in der Kruzifixausstellung. Neben selten gezeigten Kreuzigungsdarstellungen in alten Evangeliaren, die die Dombibliothek zur Ausstellung beisteuert, wird der Blick auf bekannte Kunstwerke gelenkt. „Aber eben auch auf unbekannte Seiten“, sagt Dr. Gerhard Lutz, der die Ausstellung konzipiert hat. Dazu gehört auch das Bernwardkreuz. „Das dürfte wohl den meisten bekannt sein mit seinen kostbaren Edelsteinen und seiner markanten Form. Weniger bekannt ist dagegen, dass auch die Rückseite sehenswert ist. Dort ist ein Christuskorpus abgebildet“, zeigt Lutz. Beeindruckt habe ihn aber auch der Korpus des Werder-Kreuzes, einer Leihgabe, von dem nicht sicher ist, ob er ursprünglich einmal golden gewesen sei. „Da sind sich die Fachleute noch nicht ganz sicher, aber auch ohne Gold ist es sehenswert“, versichert Lutz.

Die Ausstellung endet am 28. Mai.

Edmund Deppe