21.10.2013

Bericht der KirchenZeitung von 1963

Aussprache über Kernfragen

In der Ausgabe 42 vom 20. Oktober 1963 berichtet die KirchenZeitung, dass es Diskussionen über das Verständnis des Papstamtes gibt, sich aber auch schon Details der Liturgiereform abzeichnen.

Zum Weltmissionssonntag schreibt Bischof Heinrich Maria Janssen in der KirchenZeitung einen  Brief an die Kinder über Begegnungen mit Bischöfen aus Missionsländern. Foto: Archiv

Mit großem Ernst und großer Ausführlichkeit haben die Konzilsväter ein Thema angepackt, das wohl als ein Kernstück des ganzen Konzilsprogramms angesehen werden kann: das Verhältnis von Papst und Bischöfen, die rechte Zusammenordnung von päpstlichem Primat und bischöflicher Kollegialität in der Leitung der Gesamtkirche.

Bei den Diskussionen um das Bischofsamt geht es darum, den echten, von Christus selbst gewollten Aufbau der Kirche deutlicher zu machen, ihn von mancherlei Zutaten der Jahrhunderte zu befreien. So ist in die Kirche im Laufe der Zeit mancher populistische Begriff eingedrungen: Man betrachtete die Regierungsgewalt des Papstes wie eine weltliche „Monarchie“, heute erwarten manche eine „Demokratisierung“ der Kirche. Den Bischöfen geht es darum, solche weltlichen Verzeichnungen zu beseitigen und das klar herauszustellen, was Christus gewollt hat.

Der zweite große Themenkreis war die Liturgie. Hier konnte man, da das Gesamtschema bereits gebilligt war, sofort auf Einzelheiten eingehen. Nach dem Verlauf der Debatten und Abstimmungen zeichnet sich Folgendes ab:

  • In der heiligen Messe wird die  jeweilige Volkssprache einen größeren Raum einnehmen.
  • Lesung und Evangelium sollen so ausgewählt werden, dass sie sich nur etwa alle vier Jahre am betreffenden Sonntag wiederholen (bisher jährlich), sodass viel mehr wichtige Schriftstellen regelmäßig verkündet werden.
  • Die Predigt soll für alle Sonntagsmessen vorgeschrieben werden.
  • Bei bestimmten Anlässen kann die heilige Kommunion unter beiden Gestalten (Brot und Wein) empfangen werden.
  • Unter bestimmten Voraussetzungen können mehrere Priester zusammen die hl. Messe feiern, anstatt an verschiedenen Altären gleichzeitig zu zelebrieren. Das Nebeneinander-Feiern von hl. Messen in einer Kirche soll aufhören.
  • Unverständliche Riten sollen abgeschafft werden.

Diese Entschlüsse können als endgültig bezeichnet werden, obgleich die Abstimmung über den betreffenden Abschnitt der Liturgievorlage am Montag nicht die hinreichende Zweidrittelmehrheit brachte (1417 Ja-Stimmen, 36 Nein, 781 Bedingt-Ja).