09.12.2016

Vinzentinerinnen schließen das Krankenhaus St. Vinzenz in Braunschweig

Barmherzigkeit ist kein Freibrief

Aus dem angedachten „Haus der Lunge“ wird nun nichts mehr. Zum Ende des Jahres schließt die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz das Krankenhaus St. Vinzenz in Braunschweig endgültig.

Das Ende des Jahres ist gleichzeitig auch das Ende des Braunschweiger Krankenhauses St. Vinzenz. Die Vinzentinerinnen stellen den Betrieb aufgrund der wirtschaftlichen Verluste ein. Foto: Archiv

Die Entscheidung der Kongregation kommt trotz wirtschaftlicher Probleme der Einrichtung überraschend, denn das Krankenhaus St. Vinzenz war gerade dabei, sich auf Lungenerkrankungen zu spezialisieren. Zudem hatten die niedersächsische Landesregierung und der Krankenhausplanungsausschuss rund 14 Millionen Euro für bauliche Investitionen in Aussicht gestellt. „Das Konzept war ein Versuch, das Krankenhaus auf neue Beine zu stellen“, sagt  die Generaloberin der Kongregation, Schwester Teresa Slaby.  

Patientenversorgung ist nicht mehr gewährleistet

Fachlich habe sich die begonnene Umstrukturierung zu einem Fachkrankenhaus für Lungenerkrankungen zwar positiv entwickelt, doch sei dies auch in Zukunft mit hohen finanziellen Belastungen verbunden. Darüber hinaus hätten sich die finanziellen Verluste des Krankenhauses zuletzt rasant verstärkt. Die Kongregation als Eigentümer des Krankenhauses hatte darum  zunächst entschieden, den Betreib zum 30. Juni 2017 einzustellen. Die Mitarbeiter wurden informiert, dass ihre Arbeitsverträge zu diesem Datum gekündigt werden.
In Folge dieser Ankündigung ergab sich für das Krankenhaus aktuell das Problem, die qualitativ hochwertige und sichere Patientenversorgung bis Juni 2017 zu gewährleisten. „Wir haben daher kurzfristig entschieden, die Stilllegung auf den 31. Dezember vorzuziehen“, berichtet die Generaloberin.

„Für die aktuellen Patienten werden wir den Übergang in eine Anschlussversorgung so optimal wie möglich organisieren“ erklärt Klaus-Dieter Lübke-Naberhaus, der derzeitige Kaufmännische Direktor des Krankenhauses St. Vinzenz.  

Die vorgezogene Schließung ändert nichts am Kündigungstermin für die Mitarbeiter, betont Schwester Teresa. Nach dem 31. Dezember werden die Mitarbeiter bis zum Ende des jeweiligen Vertrages bei vollen Bezügen von der Arbeit freigestellt. „Die Enttäuschung bei den Mitarbeitern kann ich nachvollziehen“, sagt die Generaloberin. Angesichts des großen Einsatzes in der Versorgung und Betreuung der Patienten durch die Mitarbeiter sei das natürlich eine schwierige und traurige Nachricht. Eine Übernahme des Krankenhauses durch einen anderen Betreiber steht nicht in Aussicht. Unklar ist daher derzeit auch, wie das Gebäude künftig genutzt werden kann.

Krankenhaus in Salzgitter bleibt bestehen

Das ebenfalls von den Vinzentinerinnen betriebene Krankenhaus St. Elisabeth in Salzgitter wird dagegen fortgeführt. „Der Betrieb hier ist nicht defizitär“, betont Schwester Teresa. Doch auch hier seien bauliche Investitionen erforderlich. Zuvor müsse jedoch ein tragfähiges medizinisches Konzept vorliegen, erklärt die Generaloberin. Für die Mitarbeiter ändert sich aktuell nichts, einzig das Management wird durch das Hildesheimer St. Bernward Krankenhaus übernommen. „Hier ist eine engere Kooperation vorgesehen“ erklärt Schwester Teresa.

Die aktuellen Entwicklungen in Braunschweig und Salzgitter haben keine Auswirkungen auf den Vinzenz-Verbund, der die Krankenhäuser, Altenheime und medizinischen Versorgungszentren der Vinzentiner führt. „Wir verkleinern uns zwar, doch können wir uns über eine Konzentration stabilisieren und die Einrichtungen in eine gute Zukunft führen“, erläutert die Generaloberin.

Derzeit sind diese Einrichtungen gut aufgestellt. Zur Zukunftsfähigkeit gehört es jedoch, sich fachlich und baulich zu entwickeln. Die vinzentinischen Werte der Nächstenliebe und Barmherzigkeit sollen dabei weiterhin eine wichtige Rolle spielen –  auch wenn die Schwestern selbst kaum noch aktiv ihren Dienst dort versehen können.

Doch die Generaloberin weiß auch, dass „das vinzentinische Charisma und die gelebte Barmherzigkeit kein Freibrief sind, sich von wirtschaftlichem Handeln zu lösen“.

Thomas Pohlmann