19.04.2017

Bistum unterstützt Entwicklungsprojekte in aller Welt.

Bausteine für Bildung

Mit 835 158 Euro hat das Bistum Hildesheim kirchliche Entwicklungsprojekte in aller Welt unterstützt. Das geht aus dem Jahresbericht der Diözesanstelle Weltkirche zur Projektfinanzierung 2016 hervor.

Grafik Projektförderung der Weltkirche 2016
So verteilt sich die Projektförderung der Weltkirche im Jahr 2016  | Grafik: Wala

Die Fördermittel liegen knapp unter dem Niveau des vergangenen Jahres. 2015 hatte das Bistum noch etwas mehr als 900 000 Euro für die konkrete Entwicklungsarbeit aufgewendet. Welche Projekte unterstützt werden, darüber befinden die Kommission für kirchliche Entwicklungsarbeit (KEA) und die Bolivienkommission (siehe Stichwort).

Beraten wurden insgesamt 129 Projekte aus 30 Ländern, 67 davon konnten die Mitglieder der Kommissionen ganz oder zumindest teilweise positiv unterstützen. Neben Anträgen, die aus Pfarreien und Verbänden des Bistums oder direkt aus Unterstützung suchenden Diözesen gestellt wurden, waren auch Projekte darunter, die von den Hilfswerken Misereror, missio oder Renovabis vorgeschlagen wurden.

Bildeten in den Vorjahren vor allem Projekte in den Bereichen Erziehung und Bildung sowie allgemeine Aufgaben den Schwerpunkt, hat sich die Förderung im letzten Jahr verschoben. Es wurden deutlich mehr Mittel für Infrastruktur- und Baumaßnahmen sowie das Sichern von sozialen Grundbedürfnissen in den Partnerländern aufgewendet.


Über 40 Prozent der Mittel gehen nach Afrika

Ein Grund für den hohen Bau­etat: Mit doch zum Teil namhaften Summen wurden Schulbauten unter anderem in der Demokratischen Republik Kongo und in Tansania gefördert. Überhaupt flossen mit 412 893 Euro über 40 Prozent der weltkirchlichen Mittel nach Aufgabe – eine deutliche Steigerung im Vergleich zum letzten Jahr.

Neben dem Kongo und Tansania wurde auch Projekte in Ägypten, Angola, Burkina Faso, dem Südsudan und Uganda gefördert: Unterstützung für ein Frauenhaus, für Maßnahmen gegen den Schulabbruch von Mädchen, für Geräte zur Frühbehandlung von Behinderungen bei Kindern oder zur Verbesserung der Wasserversorgung – das Bistum setzte hier unterschiedliche Akzente. Enge Beziehungen pflegt das Bistum vor allem mit südafrikanischen Diözesen, insbesondere dem Bistum Aliwal. Seit 2007 ist mit Michael Wüstenberg dort ein ehemaliger Priester des Bistums Hildesheim Bischof.

Ein weiteres Schwerpunktland ist nach wie vor die politisch zerrissene Ukraine. Gleich 14 Projekte, zum Teil in Zusammenarbeit mit Renovabis, verzeichnet der Bericht: Ein Sommerlager für bedürftige Kinder, der Bau eines Jugendzentrums, die Fertigstellung eines Kinderzentrums und eines „Familienhauses“ –wiederum für bedürftige Kinder – oder auch der Umbau von Lagerräumen zu einer Sozialeinrichtung der Caritas sind hier Beispiele. Wie bei mehreren afrikanischen Projekten zeigt sich hier: Mit den Baumaßnahmen werden gezielt Projekte gefördert, die sich auf soziale Grundbedürfnisse oder die Bildung auswirken.


Unterstützung für die Stiftung Jubileo

Gut 25 Prozent der Fördermittel gingen nach Bolivien, dem Partnerland des Bistums Hildesheim. Darunter sind auch mehrere Zuschüsse zu Bauprojekten – alle unter 5000 Euro. Mit 30 000 Euro wurde zudem die Arbeit der Stiftung Jubileo unterstützt. Die „Stiftung Jubeljahr“, wie sie übersetzt heißt, ist ein echtes Kind der Partnerschaft wie ihre Hildesheimer Schwesterstiftung „Justitia et participatio“ (Gerechtigkeit und Teilhabe).

Kindergruppe
Der Bau von Schulen, aber auch von Kinder-
und Jugendzentren wurde besonders gefördert.
| Foto: Wala

Beide Stiftungen gehen  auf eine Initiative des Hildesheimer Bischofs Josef Homeyer aus dem Jahr 2003 zurück. Auftrag der Stiftung Jubileo: Politische Bildungsarbeit – um den Armen und Ausgegrenzten eine Stimme zu geben. So nimmt die Stiftung die Ursachen der Ungerechtigkeit im Land in den Blick.  Zum Beispiel wird der Landeshaushalt Boliviens kritisch durchleuchtet: Welches Steuergeld wird wofür ausgegeben? Das ist eine Aufgabe, für die in Deutschland der Bund oder die Landesrechnungshöfe zuständig wären.

Fast 13 000 Euro wurden als Zuschuss für die Diözesane Partnerschaftsreise im Juli/August des vergangenen Jahres von der Bolivienkommission bewilligt. Gerade Begegnungsreisen von und nach Bolivien, aber auch von und nach anderen Ländern haben sich als weiterer Schwerpunkt der Projektförderung im vergangenen Jahr herausgestellt. Gemeinden und Partnerschaftsgruppen können Zuschüsse zu eigenen Reisen oder Besuchen erhalten.

Von Rüdiger Wala

Infos: www.weltkirche.bistum-hildesheim.de

 

 

Weltkirchliche Verantwortung
Zwei Kommissionen beraten Bischof Norbert Trelle sowie die Diözesanstelle Weltkirche bei der Projektfinanzierung und den Schwerpunkten der Entwicklungsarbeit.

Kommission für kirchliche Entwicklungsarbeit (KEA): Die von Bischof Trelle berufenen elf Mitglieder sind verantwortlich für die Vergabe der weltkirchlichen Mittel, sofern sie nicht Bolivien betrifft. Zentrale Maßgabe dabei: Eigeninitiative und Perspektiven für Nachhaltigkeit und Selbstfinanzierung. Die Mittel gehen wahlweise in von Misereor, missio und Renovabis vorgeschlagene Projekte oder unterstützen Vorgaben von Gemeinden, Verbänden oder Missionaren aus dem Bistum. Die Schwerpunkte liegen in Afrika und in der Ukraine.

Bolivienkommission: Die 15 Mitglieder sind verantwortlich für die Gestaltung der Partnerschaft. Dabei orientieren sie sich an dem Partnerschaftsthema, das gemeinsam mit der Partnerschaftskommission der Bolivianischen Bischofskonferenz und dem Bistum Trier festgelegt wird. Der Finanzausschuss der Bolivienkommission entscheidet über die Vergabe der Projektmittel.