16.03.2016

Jesus bekämpfte die Angst - ein Vorbild für uns

Blut und Wasser schwitzen

Angst vor dem Fremden. Vor dem Alleinsein. Dem Kranksein. Angst gehört zum Leben. Auch Jesus hatte fürchterliche Angst in der Nacht in Getsemane. Doch wir können die Angst entmachten, sagt die Buchautorin Cornelia Mack. Und sie verwandeln.

Angst ist wie eine Spirale, die nach unten zieht. Foto: imago

Frau Mack, sind wir Menschen oft zu ängstlich?
Teilweise. Es gibt Leute, die gehen total angstfrei durchs Leben. Oft sind sie deswegen unvorsichtig, denn Ängste warnen uns vor Gefahren, aktivieren unsere Vernunft und schützen uns so. Gleichzeitig gibt es Leute, die viel zu viel Angst haben. Sie kultivieren ihre Ängste, indem sich ihre Gedanken permanent um sie drehen.

 

Was machen diese Ängste mit einem?
Sie bestimmen das Leben der Menschen. Machen sie grüblerisch, manchmal auch depressiv. Man fixiert sich auf das Negative, auf das nächste Schlimme, was passieren kann. Diese Ängste nehmen einen gefangen und machen unfrei.

 

Glauben Sie, dass viele Menschen von ihren Ängsten geleitet werden?
Ja, absolut. Wenn jemand gleich ablehnend reagiert, wenn man sie um etwas bittet, dann steckt dahinter häufig die Angst, Erwartungen nicht zu erfüllen. Oder wenn die Leute gleich auf die Barrikaden gehen, wenn Flüchtlinge in die Nachbarschaft ziehen, dann steckt die Angst vor dem Unbekannten dahinter.

 

Wenn die Angst so oft Grund für unsere Entscheidungen ist, müssen wir wohl akzeptieren, dass sie ein fundamentaler Bestandteil unseres Lebens ist.
Ja, und das sagt ja auch Jesus: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Also nicht die Angst hat er überwunden, sondern die Welt. Die Angst gehört dazu. Es wäre schlimm, wenn wir keine Angst hätten. Aber sie darf uns nicht unfrei machen. Deshalb müssen wir sie entmachten.

 

Und wie geht das?
Indem ich etwas habe, was mächtiger ist als diese Angst. Wenn wir unsere Ängste zu Ende denken, steckt fast immer die Angst vor dem Sterben, dem Tod dahinter. Ich erlebe das häufig in Beratungsgesprächen, wenn ich mit den Menschen über ihre Ängste spreche und weiterfrage: „Was passiert, wenn Sie Ihren Job verlieren?“ „Dann habe ich kein Geld mehr?“ „Und dann?“ „Dann lande ich auf der Straße?“ „Und dann?“  Am Ende landet man so fast immer beim finalen Punkt: „Dann sterbe ich.“

 

Cornelia Mack
Foto: Daniel Gerber

Aber wie will ich die Angst vor dem Tod entmachten?
Es gibt etwas, das stärker ist als der Tod. Jesus hat den Tod entmachtet. 

 

Aber Jesus hatte im Garten Getsemane furchtbare Angst vor dem, was da kommt. Er schwitzte Blut, heißt es im Lukasevangelium.
Ja, diese unglaublich menschliche Angst finde ich auch sehr tröstlich. Denn das heißt ja, dass Jesus uns in unseren Ängsten sehr nahe sein kann. Er weiß, wie sich das anfühlt. Er steht das mit mir durch. So wie es im Psalm 23 heißt: Er geht mit mir durchs finstere Tal. Ich bin nicht allein in der Angst. 

 

Die Angst ist nicht das letzte Wort.
Ja, das ist die Waffe, die wir Christen gegen die Angst haben. Christus ist gestorben und auferstanden und hat den Tod besiegt. Und damit auch die Mächte, die mit dem Tod verwoben sind. Die Sorgen, Verletzungen, die hat er entmachtet und verwandelt durch seinen Tod. Wenn ich das weiß, dann weiß ich, dass die Angst vor dem Tod, der Tod an sich nicht das letzte Wort hat.

 

Dazu braucht es einen starken Glauben.
Dazu braucht es Beziehung zu Christus. Er muss in mir wohnen, wie es an vielen Stellen in der Bibel heißt. Dann weiß ich, dass ich nicht gefangen sein muss in der Macht der Angst. 

 

In ihrem Buch schreiben Sie, dass, wenn die Angst entmachtet wird, ich sie auch in etwas Positives verwandeln kann. Wie mache ich das?
Ich mache mal ein persönliches Beispiel: Ich habe meinen Vater bei einem Verkehrsunfall verloren, da war ich 19 Jahre alt. Ich hatte viele Jahre Angst vor Autos, vor dem Verkehr überhaupt, vor dem Tod. Aber mir geht es so: Immer wenn die Erinnerung kommt, sage ich mir, das ist auch ein Schatz in meinem Leben. Denn durch den Tod meines Vaters bin ich auf das Wesentliche konzentriert worden. Auf was kommt es an im Leben? Was sind die Werte, die mir wichtig sind? Wo lohnt es sich zu kämpfen, wo nicht? Wenn ich mir meine Ängste anschaue, mich ihnen stelle, dann finde ich da oft einen Schatz, der mir auch Kraft geben kann. Und die Angst verwandelt sich dann in etwas Positives. 

 

Ein letzte Frage: Was raten Sie ängstlichen Menschen?
Lassen Sie sich nicht von der Angst unterwerfen und knechten. Wie will ich gelebt haben? Diese Frage muss man sich stellen. Will ich voller Ängste leben oder frei? Angst grenzt einen ein. Und man sollte das Leben doch in der Fülle leben.

Interview: Daniel Gerber