Serie: Die Messe verstehen und gestalten

Brich dem Hungrigen das Brot

Das Hochgebet ist zu Ende, alle erheben sich. Der nächste Höhepunkt ist die Kommunion, früher eine Ausnahme für die „Laien“, heute ein wichtiger Teil für fast alle. Doch noch es nicht so weit.

Nur noch kleiner Ritus: Das Brotbrechen. Foto: kna-bild

Die „Feier des Brotbrechens“, so nannten die ersten Christen ihre sonntäglichen Treffen. Am Tag der Auferstehung, dem Sonntag, das Brot zu brechen, wie Jesus es mit und für seine Jünger getan hat und davon zu essen, das ist der Ursprung und Kern unsres Sonntagsgottesdienstes. Schon früh haben sich dabei zwischen (Hoch-)Gebet und Kommunionspendung einige Riten geschoben. Sie sollen helfen, die Eucharistie bewusster zu empfangen.

 

Vaterunser und Friedensgruß

Das Vaterunser ist schon bei Tertullian (2. Jh.) das „Tischgebet“ in der Messe. Denn zum einen wurde die Bitte „Unser tägliches Brot gib und heute“ bald auch auf die Eucharistie gedeutet; zum anderen gilt „Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ als Grundvoraussetzung für die Kommunion: Gemeinschaft (lat. communio) mit Gott und untereinander gibt es nur, wenn es Vergebung gibt. 

Ähnlich ist der Friedensgruß zu verstehen, der ursprünglich direkt nach den Fürbitten ausgetauscht wurde. Eine sachlich durchaus richtige Stelle: Vor der Eucharistiefeier, die mit der Gabenbereitung beginnt, steht die Versöhnung (vgl. Jesu Worte in der Bergpredigt Mt 5,23-24). Die Form des Friedensgrußes ist nicht vorgeschrieben und kulturell sehr unterschiedlich zwischen Umarmung, Verneigung, Wangenkuss und Händedruck. Neuerdings wird auch darauf hingewiesen, dass der Friedensgruß nicht „ausufern“ soll – ein kurzer Gruß nach rechts und links möge genügen.

Was oft anders ist:

In manchen Gemeinden geht der Friedensgruß vom Altar aus: der Priester tauscht ihn mit den Messdienern aus, die dann den Altarraum verlassen und ihn in der Gemeinde weitergeben. Das ist missverständlich, denn der Priester ist keineswegs die Quelle des Friedens.

Praktischer Tipp:

Das Vaterunser als „Standardgebet“ wird manchmal eher geleiert als gebetet. Deshalb kann man verschiedene Formen einüben, etwa, es gelegentlich zu singen oder eine bewusste Gebetshaltung (zum Beispiel mit geöffneten statt mit geschlossenen Händen) einzunehmen. Kleine Veränderungen helfen manchmal, etwas bewusster wahrzunehmen.

 

Brotbrechung und „Agnus Dei“

Die Brotbrechung ist ein sehr alter Brauch und geht auf die Einsetzung im Abendmahlssaal zurück: „Er nahm das Brot, brach es und reichte es den Jüngern...“ In den Zeiten von vorgestanzten Hostien (diese Praxis entstand im 9. Jahrhundert) ist sie zur Symbolhandlung reduziert: Die etwas größere „Priesterhostie“ wird mittig durchgeteilt, das ist das Minimum; oft kommuniziert der Priester zudem beide Teile selbst. Die Allgemeine Einführung ins Messbuch empfiehlt allerdings, sie zumindest in „mehrere“ Stücke zu brechen und an die Gemeinde zu verteilen.

Ein kleines Stück der Hostie gibt der Priester in den Kelch. Dieser Brauch geht auf die frühe römische Liturgie zurück. Der Bischof von Rom sendete in alle römischen Gemeinden ein Stück („fermentum“) einer Hostie, die er selbst konsekriert hatte, um die Verbundenheit von Bischof und Gemeinde deutlich zu machen. Das ist lange vorbei. Heute gilt der Ritus der Vermischung eher als Symbol dafür, dass Brot und Wein, Leib und Blut Christi zusammengehören, auch wenn wir beides getrennt wahrnehmen und in der Regel nur Brot kommunizieren.

Das „Agnus Dei“ („Seht, das Lamm Gottes“) ist ein klassischer Begleitgesang. Er wurde früher so lange wiederholt, bis das gesamte Brot gebrochen war. Der Gesang geht textlich zurück auf den Ruf Johannes des Täufers bei der Taufe Jesu (Joh 1,29) und spielt auf den Opfertod Jesu an, der sich „wie ein Lamm“ zur Schlachtbank führen ließ und „wie ein Sündenbock“ die Schuld auf sich nahm. Da das Brotbrechen heute meist nur wenige Sekunden dauert, wurde das „Agnus Dei“ vom Gesang zum Gebet, das die Gemeinde in der Regel kniend betet.

Was oft anders ist:

In vielen Gemeinden wird nur eine sehr kleine Anzahl von Hos-tien in der Messe konsekriert, das meiste wird „aus dem Tabernakel“ ausgeteilt. Das mag praktisch sein, ist aber so nicht gedacht. Die Hostien im Tabernakel sollten nur eine „Notreserve“ sein, falls man sich in der Anzahl verschätzt hat und für eventuelle Krankenkommunionen unter der Woche.

Praktischer Tipp:

Es gibt im Handel etwa tellergroße Hostien, die man wirklich und nicht nur symbolisch in kleine Teile brechen und in der Gemeinde austeilen kann. Sie zu brechen, dauert vielleicht eine Minute, die von einem dann wieder sinngerechten „Agnus-Dei-Gesang“ begleitet werden kann. Der ursprüngliche Name der Eucharistiefeier war „Brotbrechen“; es wäre schön, wenn man das auch heute noch merken könnte.

 

Von Susanne Haverkamp

 

 

Serie: Die Messe verstehen und gestalten

  1. Kommt herbei, singt dem Herrn
  2. Zusammen in Jesu Namen
  3. Gib uns Mut zum Hören
  4. Sei bei uns, in unserer Mitte
  5. Wir bringen gläubig Brot und Wein
  6. Brich dem Hungrigen das Brot
  7. Geht mit meinem Segen