21.09.2016

Ausländische Priester in Deutschland

Chance oder Irrweg?

2338 waren es laut kirchlicher Statistik im Jahr 2015: Priester aus anderen Ländern, die in deutschen Gemeinden als Seelsorger arbeiten. Das sind rund 20 Prozent aller Priester in der Pastoral. 

Immer häufiger: Priester aus allen Teilen der Welt als Seelsorger in Deutschland. 

Um das Jahr 2000 herum begann der Versuch, Priester aus anderen Ländern flächendeckend in die deutsche Gemeindepastoral zu integrieren. Inzwischen sind sie in fast allen Diözesen Alltag: die Priester, die schwerpunktmäßig aus Indien und Polen, aber auch aus Südosteuropa und Afrika kommen. 

Eines ist klar: Ohne die ausländischen Priester würden Gemeindeverbünde und Großpfarreien noch wesentlich größer ausfallen, würde an wesentlich weniger Orten sonntags die Eucharistie gefeiert. In manchen Bistümern machen sie ein Viertel aller Priester in der Pastoral aus. Man stelle sich vor, sie würden auf einen Schlag in ihr Land zurückgehen. 

Die Priester aus der Weltkirche halten zurzeit die sakramentale Struktur der Kirche in Deutschland aufrecht. Und so ist es eher Schönfärberei, wenn etwa das Bistum Rottenburg-Stuttgart auf seiner Homepage schreibt, es setze ausländische Priester keineswegs als „Antwort auf den Priestermangel“ ein; stattdessen sollten sie helfen, „Fremdheit als Bereicherung zu erfahren“. 

Richtig ist aber: Die katholische Kirche ist Weltkirche, kulturelle Vielfalt ihre Stärke. Und so wie einst europäische Priester auf anderen Kontinenten den Glauben entfachten, so möchten nun Priester der Weltkirche in Deutschland den Glauben neu entfachen. Begeisterung, Gottvertrauen, Hingabe – das alles bringen sie mit.

 

Das kulturelle Miteinander ist nicht immer einfach

Doch wenn in früheren Zeiten europäische Missionare Afrikanern oder Asiaten die europäische Kultur überstülpten, wird heute eine umgekehrte Anpassung erwartet – und das fällt verständlicherweise oft schwer. Konflikte zwischen Priestern und Gemeinden sind mitunter die Folge, das kulturelle Miteinander ist nicht immer einfach. „Manche meiner Mitbrüder können sich wirklich nicht anpassen und scheitern“, gibt der Inder Pater Jose Kuzhichalil zu. Aber er sagt auch: „Manche Gemeinde will einfach keinen Ausländer. Es gibt auch in Kirchengemeinden verdeckten Rassismus.“ 

Das Bistum Magdeburg geht deshalb einen anderen Weg. „Wir sagen nicht prinzipiell ‚Nein‘ zu ausländischen Priestern“, betont der Leiter des Bereichs Personal, Thomas Kriesel. „Aber wir nehmen sie nur in Einzelfällen, zum Beispiel polnische Abiturienten, die sich hier auf das Priesteramt vorbereiten, aber nicht flächendeckend.“ Die extreme Diaspora sei ein Grund für die Zurückhaltung. Es geht aber auch ums Grundsätzliche. „Wir müssen hier vor Ort selber schauen, wie wir als Gemeinden leben und den Glauben weitergeben können.“ Und auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller ist skeptisch und betont in einem gerade erschienenen Buch, das „Umschichten“ von Priestern in andere Kontinente sei „keine grundsätzliche Lösung“.

Von Susanne Haverkamp