10.05.2017

Das ist meine zweite Familie

„Die Arbeit ist nicht leicht, aber sie gefällt mir. Und die alten Menschen sind so dankbar“, sagt Swetlana Rosner. Die gebürtige Russin arbeitet als Pflegehelferin im Altenpflegeheim Teresienhof in Hildesheim – und ist mit dem Herzen dabei.

Anfangs habe ich mich gegen das Altenheim gewehrt.
Aber jetzt gefällt es mir hier – dank Swetlana“, sagt
Rosalinde Bormann (links) – hier mit Swetlana Rosner
und Wellensittich „Bobbyline“. | Fotos: Edmund Deppe

Hildesheim. Das Mittagessen im Teresienhof ist vorbei. Mit dem Rollator geht Rosalinde Bormann (82) langsam zurück auf ihr Zimmer. Pflegehelferin Swetlana Rosner begleitet sie dabei. „Ich habe mich anfangs gegen das Altenheim gewehrt“, sagt Rosalinde Bormann. „Doch inzwischen gefällt es mir hier – dank Swetlana.“ Die Pflegehelferin lächelt und wehrt ab: „Ich mache doch nur meine Arbeit.“

Doch die macht sie mit Herz und Seele. „Für mich sind die Bewohner hier wie eine zweite Familie“, sagt die 44-jährige  Frau, die im Jahr 2000 aus Sibirien nach Deutschland kam, Sprachkurse besuchte und seit 2008 im Teresienhof arbeitet. „Anfangs als Praktikantin, dann habe ich die Ausbildung zur Altenpflegehelferin gemacht und nun arbeite ich hier als Teilzeitkraft“, erzählt sie.

Der Arbeitstag ist dicht gefüllt. „Wir arbeiten hier im Schichtsystem. Manchmal muss ich um 6.30 Uhr anfangen und  manchmal habe ich um 6.15 Uhr Feier­abend“, sagt sie und lächelt.
 

äUnterwegs mit dem Rollator:
Liebevoll geleitet Swetlana Rosner (rechts) 
Rosalinde Bormann vom Mittagessen
zurück auf ihr Zimmer.

Leicht ist die Arbeit nicht im Altenheim. Von der Grundpflege wie waschen, anziehen und aus dem Bett helfen über Essen anreichen bis hin zu Toilettengängen und Sterbebegleitung reicht das Arbeitsspektrum. „Aber das mache ich gerne. Und wenn sich die alten Leute freuen, dann freue ich mich auch.“
Für Swetlana Rosner ist dabei immer wichtig, mit den Bewohnern zu reden. „Da bauen sich Beziehungen auf und sie vertrauen einem viel Privates an. Sie sind froh, wenn sie einmal reden können. Denn Kinder und Enkel sind nicht täglich da. Aber manchmal fehlt auch mir die Zeit“, weiß Rosner.  Meist dann, wenn irgendetwas außer der Reihe passiert, ein Notfall, wenn etwas umgekippt ist oder ein anderes Malheur beseitigt werden muss.

Die meiste Zeit für Persönliches ist morgens, bei der Grundpflege. „Das dauert am längsten. Da ergeben sich viele Gespräche.“ Nach kurzer Zeit kennen sich die Bewohner und die Pflegekräfte recht gut. „Ich merke sofort, wenn etwas nicht stimmt, wenn jemand traurig ist. Und umgekehrt wissen auch sie, wenn ich einmal einen schlechten Tag habe oder es privat mal stressig war. Man erfährt ganz viel von einander.“ Auch das muss verarbeitet werden. „Nicht nur die körperliche Arbeit ist schwer, auch geistig muss man einiges verdauen und manchmal auch Tränen aushalten, wo man am liebsten mitweinen möchte – oder es sogar tut.“, verrät sie.

Das größte Lob für Swetlana Rosner ist, wenn sie nach einem Urlaub oder manchmal auch nur nach einem freien Wochenende wieder in den Teresienhof kommt und eine Bewohnerin ihr sagt: „Ich habe Sie vermisst. Schön, dass Sie wieder da sind.“

Edmund Deppe

 

Einfach mal „Danke“ sagen

Zum 12. Mai, dem internationalen Tag der Pflege, hat der Caritasverband aufgerufen, den in der Pflege Tätigen „Danke“ zu sagen.

„Für mich ist dies eine gute Gelegenheit auch als Heimleiter mein eigenes Handeln zu überdenken. Viel zu oft wird in der Routine des Alltags vergessen, „Danke“ zu sagen für die gute Arbeit. Das wollen wir an diesem Tag mit einer kleinen Anerkennung machen. Für mich ist dies ein Zeichen der Wertschätzung, nicht nur für die Pflegekräfte, sondern für alle, die bei uns beschäftigt sind – auch Küchenpersonal, Verwaltung und Hausmeister. Es ist einfach mal dran, Dankeschön zu sagen.“

Michael Sackmann
Leiter der Caritas Altenpflegeeinrichtungen Magdalenenhof und Teresienhof in Hildesheim