Fasten mit allen Sinnen

Das schmeckt mir gut

Der Mensch sieht, riecht, schmeckt, hört, tastet und kennt sogar einen „sechsten Sinn“. Ist es sinnvoll, die Sinne in der Fastenzeit einmal etwas zu zügeln? Im dritten Teil unserer Serie „Fasten mit allen Sinnen“ geht es um das Schmecken.

Einfach essen und auf Leckereien verzichten - das verbinden viele mit der Fastenzeit. Foto: istockphoto

An „Schmecken“ denken viele zuerst, wenn es um die Fastenzeit geht: an den Verzicht auf etwas, was lecker ist: die Nutella zum Frühstück, der Pudding am Mittag, die Praline zum Kaffee, das Bier am Abend. Der Verzicht darauf ist der Klassiker in der Fastenzeit.

Und das hat ja auch seinen Charme. Jeder, der sich mal sechs Wochen ein geschätztes Genussmittel verkniffen hat, weiß, dass man es anschließend ganz neu genießt. Verzicht führt zur Wertschätzung des sonst Selbstverständlichen. Es führt auch zum Hinterfragen von (schlechten) Gewohnheiten. Das ist gut. Aber führt es auch näher zu Gott?

Ja, sagen Menschen, die das körperliche Fasten mit geistlichen Exerzitien verbinden, etwa bei Fastenexerzitien im Kloster. Mit der Entschlackung des Körpers geht ein Öffnen des Geistes einher, spüren viele von ihnen. Das stimmt auch sicher, aber es hat wohl auch damit zu tun, dass ich mir dort eine bewusste Auszeit gönne, dass ich Beruf, Bügelwäsche und Kinder zu Hause lasse, um mich ganz auf meine Seele und auf meine Beziehung zu Gott zu konzentrieren.

 


Ja, sagen auch Menschen, die in der Fastenzeit versuchen eine Zeit lang zu so essen und zu trinken, wie es ein großer Teil der Weltbevölkerung macht: ausschließlich mit Grundnahrungsmitteln: Brot, Reis, Kartoffeln, Wasser, Haferflocken, Milch. „Das macht mich dankbar“, sagt eine Frau, die es ausprobiert hat. Dankbar, dass diese Phase nur vorübergehend ist, dankbar in Deutschland leben zu dürfen und nicht anderswo, dankbar, dass Gott es gut mit ihr meint, dass es an nichts fehlt. „Das macht mich solidarischer mit den Armen der Welt“, ergänzt ein Mann, der das Geld, das er beim Einkauf gespart hat, den Hungernden in Ostafrika zukommen lässt. Und damit ist man dann gar nicht mehr so weit weg von Jesus: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Matthäus 25,40).
Und doch ist das nicht für jeden etwas: der Verzicht auf kleine „Leckerschmecker“ als ein  religiöses Fastenopfer. Denn noch einmal: Führt mich dieser Verzicht näher zu Gott und zum Nächsten? Denn das ist doch das Ziel der Fastenzeit. Deshalb versuchen wir es noch einmal anders. Mit ein paar Anregungen für diejenigen, die in der Fastenzeit nicht weniger, sondern mehr schmecken wollen:

 

1. Gemeinsam schmeckt es besser: einfach mal einladen
Viele alleinstehende Menschen klagen darüber, dass sie immer allein essen müssen. Lohnt sich das überhaupt, nur für mich allein zu kochen? Schmeckt gar nicht richtig, so ohne Tischgespräche und ohne dass noch jemand das Essen zu würdigen weiß! Manche Gemeinde hat deshalb schon einen „Mittagessentreff“ erfunden, wo meist ältere alleinstehende Leute regelmäßig zusammen essen. Eine gute Idee, die man aber auch kleiner fahren kann. Indem Sie zum Beispiel einfach ihre einsame Nachbarin oder den älteren Herrn aus der Gemeinde zum Mittagessen zu sich nach Hause einladen. Es muss ja nichts Großes sein, kein Festessen. Ein selbstgekochter Eintopf in netter Runde gegessen kann köstlich sein. Denn merke: „Gott liebt einen fröhlichen Geber“
(2. Korintherbrief 9,6).

 

2. Ohne Geschmacksverstärker: einfach mal bewusst einkaufen
Wenn man mal auf das Kleingedruckte auf der Dosensuppe, der Tiefkühlpizza oder der Fertigsauce schaut liest man oft: „enthält Geschmacksverstärker“. Vielleicht könnte man in der Fastenzeit genau darauf verzichten und den „echten Geschmack“ schmecken. Selbstgekaufte Produkte, selbstgekochtes Essen. Mit Zeit und Mühe zubereitet. Respektvoll der Schöpfung und unseren Nahrungsmitteln gegenüber. Denn merke: „Gott sah, dass es gut war!“ (Genesis 1,25) – auch ohne Verstärker.

 

3. Schmecken statt stopfen: einfach mal bewusst essen
In der rechten Hand die Gabel, in der linken die Fernbedienung. Auf dem Weg zum Bus schnell ins Würstchen beißen. Mit dem Blick aufs Handy blind in die Chipstüte greifen und eine Handvoll in de Mund stopfen. Essen ist oft eine Nebenbei-Beschäftigung. Aber schmeckt man dann noch, womit man sich den Mund füllt? Versuchen Sie doch in der Fastenzeit, bewusst den Tisch zu decken und sich wirklich auf das Essen und seinen Geschmack zu konzentrieren. Langsam und mit Genuss zu essen. Ein Dankgebet zu sprechen. Denn merke: „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts ist verwerflich, wenn es mit Dank genossen wird.“
(1. Timotheusbrief 4,4)

 

4. Das schmeckt mir nicht! Einfach mal probieren
„Das schmeckt mir nicht“, hat meine Oma immer gesagt, wenn ihr etwas nicht passte. Verbunden mit einem Gesichtsausdruck, als ob verdorbenes Essen vor ihr steht. Das schmeckt mir nicht: diese Entscheidung, dieser Vorschlag, jene Idee. Kindern sagt man: „Probier‘ erst mal, bevor du sagst, dass es nicht schmeckt.“ Auch das könnte eine Idee für die Fastenzeit sein: Nicht gleich meckern, nicht gleich zweifeln, nicht gleich ablehnen, wenn jemand etwas vorschlägt, was Ihnen „nicht schmeckt“. Erstmal probieren, unvoreingenommen und offen. Denn merke: „Freut euch zu jeder Zeit. Dankt für alles. Löscht den Geist nicht aus“ (1. Thessalonicherbrief 5,16-19).

Von Susanne Haverkamp