08.09.2017

Der Himmel in Wolfsburg

Seifenblasen und Segen, kleine Kirchen, große Kreuze und die Himmelsleiter im Planetarium. Die Kirchen haben auf dem Tag der Niedersachsen durchaus für Akzente inmitten des Trubels gesorgt.

„Mehr Himmel auf Erden“ – Das Leitmotiv der
Kirchen war nicht zu übersehen.

Das Weltall – unendliche Weiten: Nein, im Planetarium Wolfsburg fliegt nicht gleich das Raumschiff Enterprise über die Leinwand. Doch Planeten und Sternensys­teme sind durchaus zu sehen, doch weisen sie hier auf eine andere Geschichte hin: auf Jakob und seinen Traum von einer Himmelsleiter, wie sie im Buch Genesis (28,11) beschrieben wird. Sie stand auf der Erde und ihre Spitze reichte in den Himmel – in die unendlichen Weiten.  Und dabei wird auch noch ein Familiengottesdienst gefeiert – mittendrin und doch etwas abseits vom Trubel beim Tag der Niedersachsen in Wolfsburg.

325 000 Besucher zählten Stadt und Land als Veranstaler des dreitätigen Festes – fast dreimal soviel wie Wolfsburg Einwohner hat. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften wollten mit ihrem Beitrag zum Landesfest zwei Akzente setzen: die „Welt des Glaubens“ und „Orte der Ruhe“. Kann das funktionieren? „Durchaus“, sagt Thomas Harling, Kulturbeauftragter des Bistums Hildesheim: „Und ich bin überrascht, wie gut das zum Teil gelungen ist.“ Zwar war die Kirchenmeile recht weit weg von der Hauptbühne – am anderen Ende der Festmeile – aber es haben doch viele Besucher den Weg zum Gelände vor dem Planetarium gefunden. Auch das, was sie dort gefunden haben, hebt sich nach Einschätzung von Harling wohltuend vom Rummel an anderer Stelle ab. „An einem Stand konnten Kreuze aus dem Metall eines alten Panzers gefertigt werden“, berichtet Harling. Leitgedanke: Schwerter zu Pflugscharen, wie zu Zeiten der Friedensbewegung in der damaligen DDR. Oder auch eine Kunstaktion, bei der die Zehn Gebote ins Heute übersetzt wurden: So wird beispielsweise aus dem Gebot, „Du sollst den Namen deines Herrn nicht missbrauchen“, die Version „Schütze, was dir wichtig ist und lass das Heilige heilig sein.“
 

Eine Frage – „Was trägt mich“ – und viele
Antworten. | Fotos: Jens Schulze

Drittes Beispiel: das Kirchenmobil der evangelischen Kirchengemeinde Obernkirchen – ein Bauwagen mit ausklappbarem Kirchturm. „Das alles sind sehr kreative Ideen“, meint Harling.

Beim zentralen ökumenischen Gottesdienst rief der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns dazu auf, die Hoffnung auf Frieden als Ansporn für die Hilfe von Menschen aus Kriegsgebieten zu nehmen. Das betreffe die vergleichsweise wenigen Flüchtlinge in Deutschland aber besonders diejenigen, die in den großen Lagern in Kenia, der Türkei, Jordanien und im Libanon lebten. 

Rüdiger Wala