Ökumenischer Kreuzweg der Schöpung II

Der Schöpfung eine Stimme geben

Das weitere Vorgehen beim Atommüllager „Asse“ muss sich am Gemeinwohl orientieren, fordert der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle. Damit ist nicht nur das Wohl der jetzigen, sondern aller zukünftigen Generationen gemeint, sagte Trelle bei der zweiten Station des 3. Ökumenischen Kreuzwegs. 

Bischof Norbert Trelle mit dem Kreuz auf dem Weg zur Schachtanlage Asse. Foto: bph
Bischof Norbert Trelle mit dem Kreuz auf dem Weg zur Schachtanlage Asse. Foto: bph

Hildesheim/Remlingen (bph). Asse – dieser Name macht Angst, er wirft Fragen auf bei den Arbeitern und Anwohnern. Ist ihre Gesundheit gefährdet? Was sind die Häuser in der Umgebung noch wert? Diese Sorgen müsse die Kirche ernst nehmen, sagte Trelle in der übervollen Kirche von Remlingen, sie müsse eine „mitfühlende Perspektive“ einnehmen und dafür sorgen, dass das Problem des Atommülls in das Bewusstsein aller Menschen komme. Dabei gelte es aber, den Blick zu weiten und auch kommende Generationen in die Überlegungen mit einzuschließen.

Der Zukunftsoptimismus des Menschen sei längst geschwunden, stellte Trelle fest und bedauerte ein Auseinanderklaffen von technischen und emotionalen Möglichkeiten. „Wir können mittels unserer Technik auf einen Schlag hunderttausend Menschen umbringen, aber beweinen und betrauern können wir nur einen“, sagte der Bischof. Trelle bemängelte das Streben nach immer mehr materiellem Wohlstand. Vergessen werde viel zu oft der immaterielle Wohlstand, das Wohlergehen. „Mehr und mehr machen wir jedoch die Erfahrung, dass die Anhäufung materiellen Wohlstands mit der Abnahme unseres Wohlergehens einhergeht“, beklagte das Bistumsoberhaupt. „Längst ist uns der Zusammenhang von Wachstum und Wohlstand brüchig geworden.“

Auch Elisabeth Eicke, die Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Hildesheim, mahnte angesichts der Selbstüberschätzung des Menschen, Christen müssten „Gottes geknechteter Schöpfung eine Stimme geben.“ Das tun sie in ökumenischer Eintracht, wie Kirstin Müller, die evangelische Pastorin vor Ort, bemerkte. Regelmäßig laden Katholiken und Protestanten zu Asse-Andachten ein.

Nach der ökumenischen Feier trugen die rund 250 Teilnehmer gemeinsam mit Bischof Norbert Trelle ein großes Holzkreuz zur Schachtanlage, das aus einer Lärche des Asse-Höhenzuges geschlagen worden ist. Auf halbem Wege warteten Schüler der katholischen Grundschule Harztorwall aus Wolfenbüttel und brachten in Gesang und Gebet ihre Sorgen um eine gesunde Zukunft zum Ausdruck.

 

Der Kreuzweg der Schöpfung wird fortgesetzt:

  • Am Sonntag, 11. März, beginnt der Kreuzweg in Salzgitter-Tiede (17 Uhr, St.-Bernward-Kirche) und führt dann zum Schacht Konrad. Erwartet wird dann die Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon. Anschließend ist eine Lichterkette von Braunschweig über Asse/Wolfenbüttel bis zum Schacht Konrad/Salzgitter geplant – auch als Erinnerung an die Reaktorkatastrophe von Fukushima vor einem Jahr.
  • Letzte Station ist am Sonntag, 18. März, um 12 Uhr der Verladekran für Castorbehälter in Dannenberg. Von hier aus geht es zu einer Andacht in der Kirche St. Peter und Paul und danach weiter zu einem Gebet vor dem Erkundungsbergwerk Gorleben. Hier soll das Lärchenkreuz dauerhaft aufgestellt werden.

 

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