26.10.2011

Pilgern im Bistum (4): Der Pilgerweg Loccum-Volkenroda verbindet ehemalige Zisterzienserklöster

Der Weg ist das Ziel

Er führt durch eine abwechslungsreiche Naturlandschaft. Doch darüber hinaus finden sich entlang des rund 300 Kilometer langen Pilgerweges von Loccum nach Volkenroda auch zahlreiche Klöster, Ruinen und Baudenkmäler. Für den Pilger wird dadurch auch eine jahrhundertealte Glaubensgeschichte lebendig.

(sbr) Die Strecke ist nicht willkürlich gewählt: Vom früheren Zisterzienserkloster Volkenroda aus wurde 1163 das Kloster Loccum gegründet. Als Abt Ekkehard, begleitet von 12 Mönchen, vor gut 850 Jahren auf dem Weg Richtung Steinhuder Meer war, hat er zumindest im Zisterzienserkloster Amelungsborn Station gemacht. Das ist überliefert, der Wegeverlauf selbst allerdings in keinem Archiv festgehalten. Wobei aber zu vermuten ist, dass die Wanderer zwischen den Klöstern damals die eher trockenen „Sommerwege“ über die Höhenzüge nutzten und im Winter den Flüssen folgten.

Das Kloster Loccum ist Ausgangspunkt für einen Pilgerweg, der zum Ursprungskloster nach Volkenroda führt. Im 12. Jahrhundert haben die dortigen Zisterziensermönche die Loccumer Abtei gegründet. Foto: Branahl
Das Kloster Loccum ist Ausgangspunkt für einen Pilgerweg, der zum Ursprungskloster nach Volkenroda führt. Im 12. Jahrhundert haben die dortigen Zisterziensermönche die Loccumer Abtei gegründet.     Foto: Branahl

Das Kloster Loccum ist im Bistum Hildesheim hinlänglich bekannt. Und Volkenroda ist spätestens im Zusammenhang mit dem Christuspavillon der EXPO ins Bewusstsein gerückt. Nach Ende der Weltausstellung nämlich wurde das Wahrzeichen der christlichen Kirchen abgebaut und 2001 an der Stelle in Thüringen neu errichtet. Hier baut eine ökumenische Gemeinschaft, die Jesus-Bruderschaft Gnadenthal, die alte Zisterziensergründung seit 1993 als Besinnungs- und Begegnungsstätte wieder auf.

Wer sich den Pilgerweg vornimmt, sollte andere Maßstäbe ansetzen als bei einer normalen Wanderung. Mehr noch als sonst ist der Weg das Ziel. Pilgern ist auch eine besondere Art von Entschleunigung. Möglichkeiten, mit Leib und Seele zur Ruhe zu kommen, gibt es unterwegs viele. Denn am Weg entlang von Weser, Leine und Unstrut, durch Vogler, Solling und das Eichsfeld gibt es eine Fülle von Kirchen und Klos­teranlagen, die den Sinn dieses Weges immer wieder in Erinnerung rufen.

Pilgerweg nimmt Ökumene in den Blick

Auf gut ausgeschilderten Strecken, fast immer abseits jeder Belästigung durch Straßenverkehr, führt der Pilgerweg Richtung Volkenroda zunächst durch weite Teile des Bistums Hildesheim. Natürlich sind die Orte alter christlicher Tradition nach der Reformation überwiegend protestantisch geprägt. Aber immer wird auch auf ihren Ursprung hingewiesen. Das bereits 200 Jahre vor Loccum gegründete Kanonissenstift Fischbeck ist eines der ersten großen Ziele, das sich mit seinen weithin sichtbaren Türmen am Weserufer ankündigt. Noch heute pflegen hier Stiftsdamen die klös­terliche Lebensweise der Augustinerinnen.

In Hameln lädt das Münster zum Verweilen ein. Vom Turm aus bietet sich dem Wanderer ein hervorragender Blick über die Stadt und das Weserbergland.

Sehenswerte Kirchen und Klöster am Wegrand

Hinter Bodenwerder verlässt der Weg für eine längere Strecke den Fluss, berührt ihn erst nach etlichen Kilometern durch die abwechslungsreiche Landschaft des Sollings noch einmal in Bursfelde, um hier das ehemalige Benediktinerkloster mit seiner eindrucksvoll schlichten romanischen Kirche zu streifen. Von hier aus nahm beinahe hundert Jahre vor der Reformation Luthers eine mönchische Reformbewegung ihren Ausgang.

Von Bursfelde aus geht es nun in südöstlicher Richtung weiter. Unterhalb von Göttingen liegen Dransfeld und Mariengarten am Weg. Entlang der Leine geht es weiter über Heiligenstadt und Dingelstädt. Von hier an begleitet die Unstrut den Pilger auf seinem Weg. Natürlich gibt es auch abseits des Hauptweges eine Fülle von Seitenwegen, die zu sakra­len Orten führen. Amelungsborn, das Zisterzienserkloster mit seiner mächtigen Kirche aus rotem Sandstein, ist nur ein Beispiel.

Lese-Tipp

Eine ausführliche Beschreibung des Pilgerweges gibt es in dem neuen Buch „Zwischen Loccum  und Volkenroda“. Autor Jens Gundlach ist den Weg selbst gegangen. Nicht als Wanderer,  sondern bewusst als Pilger, so der Journalist. Das Buch enthält umfangreiches Adressmaterial, Karten und praktische Tipps für Unterwegs. Es ist über den Buchhandel erhältlich zum Preis von 15,90 Euro (ISBN 3-7859-0914-4).

Informationen zum Pilgerweg gibt es beim Referat Kirche im Tourismus im Haus kirchlicher Dienste in Hannover, Telefon: 05 11 / 12 41  592, E-Mail: pilgerweg@loccum-volkenroda.de oder im Internet: www.pilgerprojekt.de