08.04.2017

Kommentar

Die Ehe für alle

Kurz vor Ende der Wahlperiode des Bundestages fordert die SPD die „Ehe für alle“. Sie will, dass homosexuelle Paare auf dem Standesamt nicht mehr eingetragene Lebenspartnerschaften eingehen, sondern eine Ehe.


Die „Ehe für alle“ wird kommen. Sie ist aber eine Symboldebatte. Die rechtlichen Unterschiede zwischen Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft sind schon jetzt gering. Die Auswirkungen daher eher klein – auch angesichts von gut 40 000 Lebenspartnerschaften und 17 Millionen Ehen. 

Aber den Betroffenen ist das Wort „Ehe“ wichtig. Als Zeichen von Gleichberechtigung. Dabei ist es nicht diskriminierend, wenn man sagt, dass sich eine heterosexuelle Partnerschaft von einer homosexuellen unterscheidet. Die „Ehe für alle“ definiert den Ehebegriff neu. So wird die schleichende Entkopplung von Partnerschaft und Fortpflanzung auch im Rechtssystem umgesetzt. Um Kinder zu bekommen, muss man nicht verheiratet sein, auch das Vorhandensein oder das Geschlecht eines Partners sind nicht mehr entscheidend. Der Abschied von einem Ideal. Gut ist das nicht.

Von Ulrich Waschki