09.05.2017

Marienverehrung im Monat Mai

Die Frau mit den vielen Namen

Fürbitterin, Mutter der Kirche, Madonna, Meeresstern, Himmelskönigin, reine Magd, Mater dolorosa, Trösterin der Betrübten – die Liste der Namen für Maria ließe sich lange fortsetzen. Keine Heilige wird so verehrt wie die Gottesmutter – gerade im Monat Mai.


Foto: Santuario de Fátima
Die Pilgerstatue Unserer Lieben Frau von Fátima wurde
gemäß den Anweisungen von Schwester Lucia erstellt.
Als Andachtsstatue ist sie weltweit bekannt.
Foto: Santuario de Fátima

Marienwunder, Legenden um Gnadenbilder und Erscheinungen sind weltweit Anlass für Pilgerfahrten, die über das Jahr Millionen Menschen zusammenbringen: etwa im mexikanischen Guadalupe, im brasilianischen Aparecida, in Lourdes oder Tschenstochau. Im Marienmonat Mai startet auch in Deutschland die Wallfahrtssaison. Es werden Andachten unter freiem Himmel an Bildstöcken gefeiert, Prozessionen abgehalten. Der Frühling ist da, das frische Grün symbolisiert den Neuanfang. Maria ist die neue Schöpfung, die neue Eva.

In der christlichen Heilsgeschichte nimmt Maria eine zentrale Rolle ein, doch letztlich wird nur in wenigen Zeilen, vor allem des Lukas- und Matthäusevangeliums, von ihr berichtet. Jesus wird in den frühen Jahrhunderten des Christentums für die Gläubigen immer mehr zum ehrfurchtgebietenden Weltenrichter, Maria aber bleibt die Menschliche. Sie kennt Armut, sie musste aus ihrer Heimat fliehen, wurde vom eigenen Sohn zurückgewiesen, verlor ihren Mann und schließlich den Sohn. Sie steht in einer von Männern dominierten Kirche mit männlichen Gottesvorstellungen für den mütterlichen Trost, Beistand, Hilfe und Fürsorge.

Am kommenden Sonntag jähren sich die Marienerscheinungen im portugiesischen Dorf Fátima zum 100. Mal. Drei Hirtenkindern ist die Muttergottes dort im Jahr 1917 mehrere Male erschienen. Papst Franziskus wird nun zwei der Seherkinder heiligsprechen.

Jährlich besuchen mehr als vier Millionen Gläubige Fátima, rufen Maria um Beistand und Hilfe an. Die Gottesmutter darf verehrt werden – so wie alle Heiligen –, Anbetung aber steht nur Gott zu. Kritiker bemängeln, dass in einigen Regionen Spaniens, Italiens, Polens und in Ländern Lateinamerikas Maria als die eigentliche Bannerträgerin des Christentums erscheint. Ihre theologische Gewichtung zu Jesus Christus kann sich in der Volksfrömmigkeit leicht
verschieben.


Erst seit 1981 ist Maria auch auf dem Petersplatz

Nur die wenigsten Marienerscheinungen erhalten aber die kirchliche Approbation. Denn diese Privatoffenbarungen werfen theologische Probleme auf: Eigentlich ist die Zeit der Offenbarungen mit dem Neuen Testament beendet. Erscheinungen müssen immer an die ursprüngliche Offenbarung erinnern, sie erklären oder aktualisieren. So ist auch Papst Franziskus, selbst ein Verehrer der Gottesmutter, vorsichtig: „Maria ist doch eine Mutter, die uns alle liebt, und keine Oberpostbeamtin, die uns täglich Botschaften schickt!“, sagte er 2013.

Auf dem berühmtesten Platz der katholischen Kirche war Maria bis vor wenigen Jahrzehnten nicht einmal zu finden: Erst 1981 ließ Papst Johannes Paul II. ein Mosaik der Muttergottes auf dem Petersplatz anbringen. Nur wenige Monate zuvor war er dort, am 13. Mai, dem Jahrestag der ersten Marienerscheinung von Fátima, angeschossen worden. Als Dank für sein Überleben segnete er das Bild und wünschte, „dass alle, die zum Petersplatz kommen, ihre Augen zu ihr erheben mögen, um ihr mit kindlichem Vertrauen ihre Grüße und ihr Gebet entgegenzubringen.“

Von Kerstin Ostendorf