Kräutergarten

Die Gartenkunst der Kapuziner

Auf die Stangenbohnen ist er wirklich stolz: Frank Karl Tenbrink kümmert sich um den Küchen- und Kräutergarten der Gemeinde Zu den heiligen Engeln in Peine. Und sichert damit auch das Vermächtnis von Kapuzinermönchen.

Bohnen – für den Speiseplan von Mönchen des 18. und 19. Jahrhunderts unerlässlich: „Das Eiweiß in den Bohnen brachte sie über den Winter“, berichtet Frank Karl Tenbrink. Foto: Wala
Bohnen – für den Speiseplan von Mönchen des 18. und 19. Jahrhunderts unerlässlich: „Das Eiweiß in den Bohnen brachte sie über den Winter“, berichtet Frank Karl Tenbrink. Foto: Wala

Gut 160 Jahre wirkten Kapuzinermönche in Peine. Im Jahr 1669 wurden sie mit der Seelsorge im damaligen stifthildesheimischen Amtssitz Peine beauftragt. Trotz der Säkularisierung im Jahr 1803 konnten die Kapuziner noch bis 1829 in Peine bleiben. Zeugnis dieser Zeit ist das heutige Pfarrhaus von Hl. Engel. Es wurde 1790 als Klostergebäude für die Ordensbrüder errichtet. Ihre bisherige Unterkunft war schlicht baufällig geworden.

Vor gut drei Jahren kam zur steinernen Erinnerung an die Kapuziner noch ein blühendes „Denk-Mal“: ein Garten. „Während ihrer Zeit in Peine haben die Ordensbrüder hinter ihrem Klos­ter  einen barocken Garten angelegt“, berichtet Pfarrer Thomas Blumenberg. Die Anlage muss ziemlich beeindruckend gewesen sein. Ein Ordensbruder habe sich stets nur um die Pflege des Gartens gekümmert, betont der Seelsorger.

Ein Teil zum Flanieren, ein Teil zum Anbau

Ein Teil diente eher zum Flanieren, zum Erholen, zur – mönchisch gesprochen – „Rekreation“: Beete und Rabatten mit Blumen und Sträuchern. Alles war geometrisch angelegt. Wo früher Gebäude und Garagen mit dem diskreten Charme der 1960er-Jahre standen, grünt und blüht es jetzt. Möglich wurde dieser Garten mit Wegen und Figuren – unter anderem der Gottesmutter Maria – durch Zusammenarbeit mit dem Caritasverband und dem Landkreis Peine.

Ein anderer Teil ist der „Teresiengarten“. Dort wachsen Gemüse und Kräuter. Genutzt wird er von der Teresienküche des Caritasverbandes, betreut wird er seit April letzten Jahres von Frank Karl Tenbrink. Dreimal die Woche ist er zwischen den Beeten zu finden. Nicht nur der Garten selbst, sondern auch was und wie es angebaut wird, soll an die Kapuziner erinnern. Daher der Stolz auf die Stangen-, aber auch die Sau- und Buschbohnen: „Bohnen enthalten viel hochwertiges Eiweiß, damit sind die Mönche damals über die harten Winter gekommen“, erzählt der gelernte Gärtner und studierte Agraringenieur. Kartoffeln und Zwiebeln, diverse Kohlsorten, Salate – vieles im Küchengarten findet sich auch auf anderen Parzellen. Aber Tenbrink baut auch Pflanzen an, die die Kapuziner noch kannten, aber heute in Vergessenheit geraten sind: den Portulak zum Beispiel: „Ein Blattgemüse, das die Kapuziner wie Spinat gegessen haben.“ Und Tenbrinks Wiederentdeckungen bereichern auch den Speiseplan der Teresienküche.

Wie in jedem Klostergarten finden sich auch Heilkräuter. Wiederum gilt: nicht nur anbauen, sondern auch nutzen. Klassisches Beispiel: Ringelblumen. „Mit Olivenöl vermischen, eine Weile stehen lassen, abseihen – und schon gibt es ein gute Salbe zur Hautpflege und Wundheilung“, erläutert Tenbrink, der zurzeit eine Fortbildung zum Kräuterpädagogen absolviert.

Statt Kunstdünger kommt Pferdemist auf die Beete

Aber auch die Art des Anbaus orientiert sich an den Kapuzinern. Das heißt: kein Kunstdünger, keine künstlichen Pflanzenschutzmittel. „Der Garten wird nach biologisch-dynamischen Gesichtspunkten konzipiert und bewirtschaftet“, betont Tenbrink. Benutzt werden Pflanzenjauchen zum Düngen und als Insektizid: „Wir verwenden dazu zum Beispiel Brennnesseln.“ Rasenschnitt, Küchenabfälle und Laub landen als Mulch auf den Beeten. Und auch Pferdemist: „Ein guter Dünger“, sagt Tenbrink. Übrigens: Ein Kraut findet sich natürlich im Garten – Kapuzinerkresse.

Rüdiger Wala