Medizin aus dem Pfarrgarten

Die Heilkraft der Kräuter

Der Garten der Pfarrei Liebfrauen in Langenhagen bei Hannover ist ein Eldorado für Freunde der ganzheitlichen Hildegard-Medizin. Lektorin Beate Pucher ist Apothekerin und pflanzt neben Blumen für den Kirchenschmuck auch Heilkräuter an.

Schön anzusehen und dazu noch eine Staude mit vielfältiger Heilkraft bei Beschwerden: Beate Pucher hat im Pfarrgarten von Liebfrauen auch das Frauenkraut angepflanzt. Foto: Tillo Nestmann
Schön anzusehen und dazu noch eine Staude mit vielfältiger Heilkraft bei Beschwerden: Beate Pucher hat im Pfarrgarten von Liebfrauen auch das Frauenkraut angepflanzt. Foto: Tillo Nestmann

Ein munteres Gewuchere zeigt sich dem Betrachter, der über die Wegplatten des Liebfrauener Pfarrgartens geht. Manches blüht schon gar nicht mehr, ist über eineinhalb Meter hochgeschossen, sieht völlig unscheinbar aus. Ist das nicht Unkraut, das dringend rausgerupft gehört? „Nein“, sagt Beate Pucher, „das da ist Wermut, eine wichtige Heilpflanze.“

Jede Pflanze hat eine besondere Wirkung

Die Apothekerin pflanzt im Garten des Pfarrheims neben Blumen und Ziersträuchern auch Heil­kräuter an, wie sie die mittelalterliche Mystikerin und Heilkundige Hildegard von Bingen empfohlen hat. Alle Teile einer Pflanze haben irgendeine Wirkung. Aber diese ist je nach dem Teil der Pflanze und ihrem Reifegrad sehr verschieden. Vorsicht ist geboten. Denn für manche Patienten kann dieses oder jenes nicht heilsam, sondern auch schädlich sein.

In der Pfarrei Liebfrauen gibt es einen Hildegard-Kreis von zwölf Mitgliedern, den Beate Pucher leitet. Dass die Apothekerin seit 29 Jahren zu den Freunden der Hildegard-Medizin gehört, hat mit eigenen Erfahrungen zu tun. Beate Pucher erinnert sich: „Angefangen hatte alles im Jahr 1982 mit einer Familienfreizeit auf der Burg Krahheim bei Schweinfurt. Dort las ich abends in dem Buch „So heilt Gott“ von Dr. Gottfried Hertzka.“

Beate Pucher las nur einen Teil. Hängen blieb in ihrem Kopf, dass man bei einem Insektenstich auf der Wunde ein Blatt Spitz- oder Breitwegerich zerreiben solle. Bei einem Ausflug am nächsten Tag wurde sie gestochen. Sie suchte im Wald nach einem Blatt Spitz- oder Breitwegerich, zerrieb es — und der Schmerz und die Rötung verschwanden sehr schnell.

Als im gleichen Jahr einer ihrer vier Söhne auf eine Laserbehandlung von 30 Muttermalen am Oberschenkel mit einer schlimmen Narbenwucherung reagierte und keine Behandlung der Schulmedizin half, versuchte sie es mit homöopathischen Mistelinjektionen und Hildegard-Medizin (Auftragen von Veilchen-Salbe und Essen von Dinkel-Getreide). Der Erfolg war durchschlagend. Nach wenigen Monaten war das gesamte Narbengeflecht auf dem Oberschenkel des Sohnes verschwunden und die Haut glatt.

Gibt es andere Wege der Heilung?

Diese beiden Erfahrungen waren der Einstieg, und Beate Pucher ließ die Frage nicht mehr los: Kann man nicht auch anders heilen, und hat vielleicht vor achthundert Jahren die Mystikerin Hildegard von Bingen darauf schon Antworten gehabt? Hildegard von Bingen selbst behauptete, ihr Heilwissen in Visionen von Gott erhalten zu haben. Kritiker sagen, sie habe Heilwissen der Antike mit heilkundlichem Erfahrungswissen des Volkes verbunden. Wie dem auch sei, Beate Pucher beschäftigte sich neben der Pharmazie, wie sie sie studiert hatte, zunehmend mit der Heilkraft von Wermut, Galgant oder der Bertramwurzel.

Das Interesse an der Hildegard-Medizin zieht Kreise. Im Kirchort St. Franziskus in Hannovers Stadtteil Vahrenheide/Sahlkamp hält Beate Pucher etwa vierteljährlich vor einem Publikum von jeweils rund 30 Interessierten Vorträge. Und selbst bis nach Afrika ist die Kunde gedrungen. Dort wird seit fünf Jahren an verschiedenen Orten Pulver der Bertram-Wurzel erfolgreich zur Abwehr und Vorbeugung von Malaria-Anfällen angewandt. Das bestätigt Dr. Gabi Köthe, Gynäkologin, Chirurgin und Leiterin des St.-Martin-de-Porres-Hospitals in Eikwe (Ghana). Die aus Bremerhaven stammende 69-jährige Angehörige der „Gemeinschaft der Missionshelferinnen“ ist seit 1972 als Missionsärztin in Afrika tätig. Vor über 30 Jahren begannen bei ihr die Malaria-Anfälle. Pro Jahr hatte sie durchschnittlich zwei mittlere Anfälle, die mit Chloroquin-Injektionen behandelt wurden.

Ein Pulver hilft gegen Malaria-Anfälle

Bei ihrem Heimaturlaub im vergangenen Jahr berichtete Gabi Köthe, dass Beate Puchers vor drei Jahren gegebener Rat, es doch mal mit Bertram-Pulver zu versuchen, ein voller Erfolg beschieden sei. Sie sei zunächst zwar skeptisch gewesen, habe sich dann aber gesagt: Schaden kann‘s nicht, und jeden Morgen eine Messerspitze Bertram-Pulver eingenommen. In den vergangenen zwei Jahren habe sie keinen Malaria-Anfall gehabt.

Malaria-Anfälle drohen in Langenhagen nicht, aber für viele der Angehörigen des Hildegard-Kreises in der Gemeinde Liebfrauen ist es faszinierend zu erleben, dass dieses oder jenes chronische Leiden auch durch Einnahme eines Pflänzchens aus dem Pfarrgarten beseitigt werden kann, ohne die bisherigen Nebenwirkungen.

Tillo Nestmann