Ordensgemeinschaften

Die Menschen sind auf der Suche

Im Fernsehen sind Ordensleute als Serienhelden beliebt. Und Klöster dienen Menschen als Rückzugsort für Besinnung und Meditation. Den Schritt in einen Orden wagen nur wenige. Die Gemeinschaften stellen sich den Problemen und schrecken vor Veränderungen nicht zurück.   

Erst vor Kurzem haben sich die Franziskaner aus dem Bistum verabschiedet. Nach dem Antoniuskloster in Hannover-Kleefeld sind die letzten Mönche Ende Juli aus dem Kloster in Ottbergen ausgezogen. Aus Mangel an Nachwuchs mussten sich die Franziskaner auf weniger Orte und Aufgaben konzentrieren. Über 144 Jahren waren die Franziskaner in Ottbergen tätig.  

Doch ein Ende ist immer auch ein Anfang – und so werden die Franziskaner-Minoriten neben ihrem Standort in Uelzen künftig  auch in Ottbergen vertreten sein und sich um die Seelsorge in den umliegenden Gemeinden kümmern.

Germershäuser legt Ordensprofess ab

Auf eine ähnlich lange Zeit im Bistum wie die Franziskaner können derzeit die Augustiner zurückschauen. Die Ordensmänner in Germershausen nehmen bereits das 150-jährige Bestehen ihres Klosters in den Blick. Gefeiert wird im Jahr 2014.

Bruder Carsten Meister (rechts) legt feierlich seine Profess vor dem Provinzial, Pater Alfons Tony, ab. Foto: Augustiner
Bruder Carsten Meister (rechts) legt feierlich seine Profess vor dem Provinzial, Pater Alfons Tony, ab. Foto: Augustiner

Und derzeit haben die Brüder einen besonderen Grund zur Freude. Am vergangenen Samstag hat mit Carsten Meister ein gebürtiger Germershäuser seine feierliche Profess bei den Augus­tinern in Würzburg abgelegt. Es klingt klassisch: Meister wächst in der Gemeinde auf, ist Messdiener und kommt damit zwangsläufig mit den Ordensmännern in Kontakt. Nach einer Ausbildung zum Großhandelskaufmann studiert er Soziologie. „Über die Jahre ist der Kontakt aber immer erhalten geblieben“, erzählt Bruder Carsten. Gegen Ende des Studiums reift seine Entscheidung, bei den Augustinern einzutreten.
Eine Probephase benötigt Meis­ter nicht: „Ich kannte das Leben der Mönche ja“. Er beginnt sein Postulat und schon kurz darauf sein Noviziat. Nach vier Jahren nun hat er sich mit seiner feierlichen Profess fest an den Orden gebunden.

Der Werdegang von Bruder Carsten ist allerdings längst nicht mehr der Normalfall. „Interessierte am Ordensleben melden sich immer öfter über das Internet“, sagt Dominikanerpater Fritz Wieghaus. Als Prior des Konventes leitet er nicht nur das Kloster in Braunschweig, sondern auch das Seelsorgeteam der Pfarrgemeinde St. Albertus Magnus. Wer sich für das Ordensleben interessiert, sei heute meist schon älter, habe Lebens- und Berufserfahrung. „Es ist nicht mehr der junge Mensch, der direkt nach dem Abitur eintreten möchte“, so Wieghaus.

Die Berufung wächst mit der Zeit

Ähnliche Erfahrungen macht auch Schwester Maria Elisabeth Bücker. Doch die Leiterin des Benediktinerinnenklosters in Marienrode erlebt es auch immer wieder, dass sich Frauen aufgrund der Erfahrungen in Kursen oder Seminaren für den Orden interessieren. „Es gibt viele Menschen, die auf der Suche sind“, so die Priorin. Und im Februar wird es voraussichtlich eine weitere Benediktinerin geben. „Hier ist die Berufung über den Kontakt und mit der Zeit gewachsen“, sagt Schwes­ter Maria Elisabeth. Mit dem Gäs­tehaus hat das Kloster für solche Kontakte ideale Bedingungen. Im kommenden Jahr können die Schwestern bereits ihr 25-jähriges Jubiläum im Kloster Marienrode feiern.

Wesentlich länger sind die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul im Bistum tätig. Seit 1852 haben sie an vielen Orten und mit ganz unterschiedlichen Aufgabenbereichen die Menschen im Bistum mitgeprägt. Im Laufe der Geschichte haben die Vinzentinerinnen immer wieder Niederlassungen geschlossen – mit dem Blick, was sie tun können und wo Menschen sie brauchen. Für die Vinzentinerinnen ist es ebenso wie für jeden anderen Orden – egal ob Jesuiten, Ursulinen oder Benediktiner – schmerzlich, eine Einrichtung aufzugeben. Doch: „Wir stellen uns dem und schauen, wie wir unsere Qualität aufrecht erhalten können“, sagt General­oberin Schwester Teresa Slaby.  

Veränderungen sind schmerzhaft, doch die Orden haben hier Erfahrung – und scheuen daher wohl weniger davor zurück. Und auch wenn es nicht mehr die Zahlen der Vergangenheit sind, Nachwuchs für die Orden gibt es auch heute noch.

Von Thomas Pohlmann