01.12.2017

Papstreise nach Myanmar und Bangladesch

Drahtseildiplomatie und offene Arme

Drahtseildiplomatie in Myanmar, offene Arme in Bangladesch: Wie fällt die Bilanz zur Halbzeit der Papstreise aus? 


 

Foto: kna
Begrüßung mit Blumen: Papst Franziskus bei seiner Ankunft in Bangladesch mit Staatspräsident Abdul Hamid (rechts). Foto: kna


Die dreitägige Visite von Papst Franziskus in Rangun und der Hauptstadt Naypyidaw war von einem Thema geprägt, das offiziell nicht auf dem Besuchsprogramm stand und auch nicht angesprochen werden durfte: der gewaltsamen Vertreibung von mehr als 630.000 muslimischen Rohingya durch die Armee Myanmars aus dem Norden von Rakhine nach Bangladesch.

Die Bischöfe hatten dem Papst eindringlich nahegelegt, das Wort "Rohingya" nicht zu benutzen und auch nicht in direkter Weise die Vertreibung der Rohingya aus dem Norden von Rakhine durch das Militär von Myanmar anzusprechen. Der für seine Spontaneität bekannte Papst befolgte den Rat seiner Bischöfe - und thematisierte die Rohingya-Krise nur verklausuliert.

"Ich finde das schon etwas enttäuschend, aber aus diplomatischen Gründen verständlich", sagt Achim Munz, Vertreter der Hanns-Seidel-Stiftung in Rangun, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), fügt aber hinzu: "Dafür hat der Papst in seinen öffentlichen Ansprachen und Predigten doch die richtigen Worte gefunden. Generell war der Besuch erfolgreich."

Vieles während des Papstbesuches blieb der Öffentlichkeit vorenthalten. So wurde so gut wie nichts über den Inhalt der als privat deklarierten Begegnungen des Papstes mit Staatsrätin Aung San Suu Kyi und Armeechef General Min Aung Hlaing bekannt. Der General sorgte allerdings für einen PR-Coup: Auf seine Bitte hin wurde in letzter Minute das private Treffen mit dem Papst von Donnerstag auf den Ankunftstag, Montag, vorverlegt.

Die Begegnung mit dem Papst dauerte nur eine Viertelstunde. Kurz darauf postete der General auf Englisch seine Sicht der Begegnung auf Facebook und sicherte sich so die Schlagzeilen. General Min Aung Hlaing habe dem Papst gesagt, es gebe in Myanmar "keine ethnische und religiöse Diskriminierung", hieß es. Und: Der Papst sei «überrascht und erfreut" gewesen, das zu hören.

 

Militär nutzte Papstbesuch zur Machtdemonstration

Die Chuzpe des Generals bewundernd, sagt ein westlicher Diplomat der KNA: "Der Armeechef trifft als erster den Papst, noch vor dem Präsidenten und der Staatsrätin. Die Botschaft ist klar: Die Armee hat hier das Sagen. Das Militär hat es geschafft, den Papst für sich zu instrumentalisieren."

Myanmar befindet sich in einem schwierigen und komplexen Übergang von Jahrzehnten der Militärdiktatur zu einer demokratischen Gesellschaft. Die Armee spielt dank der ihr in der Verfassung garantierten Privilegien weiter eine dominierende politische Rolle. Im Kampf um die Macht instrumentalisiert die Armee mit Hilfe willfähriger buddhistischer Mönche zunehmend die Religion.

Das war ein Thema bei der Begegnung des Papstes mit Vertretern der Religionen Myanmars. Dabei war auch Sammy Samuels als Repräsentant der winzigen jüdischen Gemeinde. "Jeder von uns hatte zwei Minuten für eine Erklärung", berichtet der 36 Jahre alte Samuels bei einem Gespräch in der Synagoge inmitten des muslimischen Viertels von Rangun. "Ich habe dem Papst gesagt, dass in meiner Kindheit die Religionen in Myanmar friedlich zusammenlebten. Heute ist Religion zu einem sehr heiklen Thema geworden."

Anders als Myanmar wird der Papst in Bangladesch von der Regierung und vielen Repräsentanten der Zivilgesellschaft mit offenen Armen empfangen. Bei der dreitägigen Visite in Dhaka darf er offen über die Rohingya sprechen - und wird 15 Rohingya-Flüchtlinge empfangen.

In einer mutigen Entscheidung öffnete Premierministerin Sheikh Hasina Wajed nach Beginn der Gewalt gegen die Rohingya die Grenze und ließ die Flüchtlinge ins Land. Dafür lässt sie sich von ihrer Partei Awami Liga in einer landesweiten Plakataktion als "Mutter der Menschlichkeit" feiern. Den Besuch des Papstes empfindet Sheik Hasina, wie so manche ihrer Kritiker finden, als "Heiligsprechung" für ihre Aufnahme der Rohinya-Flüchtlinge.

kna