Ökumenischer Kreuzweg der Schöpfung zwischen Verden und Salzgitter / Auftakt in Hannover

Ein Anlass zum Nachdenken

Flüchtlinge, Gasförderung, Atommüll – der 6. Kreuzweg der Schöpfung setzt in der kommenden Fas­tenzeit ganz unterschiedliche Akzente. Wie rückt ein Thema in den Mittelpunkt des Kreuzweges? Ein Beispiel aus dem Dekanat Verden.

Im letzten Jahr wurde das Kreuz unter anderem durch Wolfsburg getragen.

Propsteigemeinde St. Josef in Verden, ein ganz normaler Montagnachmittag: Elf Köpfe werden zusammengesteckt. Katholiken, Protestanten, Mitglieder aus Bürgerinitiativen. Die Initiative dazu  ist von Gemeindemitglied Eberhard Walter und Claus-Dieter Paschek, dem Vorsitzenden des Diözesanrates der Katholiken im Bistum, ausgegangen.
„Das Bewahren der Schöpfung ist sei jeher ein Anliegen des Diözesanrates“, betont Paschek. Umweltprobleme ziehen sich quer durch das Bistum: „Das müssen wir deutlich benennen.“ Der Blick fiel auf das sogenannte „Fracking“. Dabei werden Wasser, Sand und Chemikalien  in den Boden gepresst, um in Gestein gebundene Gas- und Ölvorkommen zu fördern.

Für die einen ist es der Stoff, aus dem die Energiewende ist, für die anderen ist es ein unkalkulierbares Risiko, das Trinkwasser bedroht und die Erde zum Beben bringt. „Politisch wie wissenschaftlich ist Fracking höchst umstritten“, sagt Paschek.

Im Landkreis Verden wird seit vielen Jahren auf diese Weise Gas aus der Erde gepresst: „Damit verbunden ist ein Konflikt in unserer Nachbarschaft, den wir mit dem ökumenischen Kreuzweg der Schöpfung aufgreifen“, meint Eberhard Walther von der Propsteigemeinde St. Josef. Er hat zur Vorbereitung des Weges auch Mitglieder von Bürgerinitiativen an den Tisch gebracht.

Für Thomas Vogel von der Bürgerinitiative „No Fracking in Völkersen“ ist Fracking eine Technik, die einem Vabanquespiel gleicht: „Die Risiken vor unserer Haustür und unter unseren Häusern tragen wir alle.“ Fracking lasse die Erde beben. Mindestens vier Erdbeben wurden seit 2012 in Niedersachsen „wahrscheinlich“ oder „sehr wahrscheinlich“ durch Erdgasförderung ausgelöst. Das räumt mittlerweile die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken im Bundestag ein.

Aber die bebende Erde sei nicht allein das Problem: „Bei der Gasförderung entsteht Lagerstättenwasser, das mit giftigen Stoffen wie Quecksilber, Benzol oder Nitrat versetzt ist.“ Dieses Abfallprodukt der Gasförderung werde wieder im Boden verpresst: „Die Alternative ist, das Wasser zu reinigen“, sagt Vogel.

Neue Bohrungen sind im  Landkreis geplant. Eberhard Walter hat auch Kontakt zum gasfördernden Unternehmen, der Deutschen Erdöl AG (DEA), aufgenommen. „Wir sind überparteilich“, betont der Katholik: „Wir müssen gemeinsam darüber ins Gespräch kommen, wie wir mit der Ressource Gas umgehen.“ Gerade beim Gehen eine Kreuzweges kann und soll nachgedacht werden: „Muss Gas in diesen Mengen gefördert werden? Brauchen wir so viel Energie? Gibt es nicht Alternativen?“, nennt Walther drei Fragen als Beispiele. Damit seien immer Anfragen an die eigene Verantwortung, das eigene Handeln, verbunden.

Bewusst wird der Kreuzweg ökumenisch gegangen. „Die Verantwortung für die Schöpfung fragt nicht nach katholisch oder evangelisch“, sagt Dieter Sogorski, Pastor am Dom zu Verden. Das Zeichen des Kreuzes bringe die Situation in der Region auf den Punkt: „Es ist ein Kreuz, dem ausgesetzt zu sein, dass es unten rummst, es ist ein Kreuz diesen Konflikt um Umweltgefahren und Arbeitsplätze auszuhalten.“ Der Kreuzweg soll dazu ermutigen, über berechtigte Ängste in der Region zu reden. Eine große Chance.

Rüdiger Wala

 

Geändert:

Hannover , 21. Februar, 15 Uhr: „Flüchtlinge und Fluchtursachen“ –  Kirche St. Heinrich (Sallstraße 74) zum Maschsee Staatskanzlei. Ansprache: Ministerpräsident Stephan Weil.  
Langwedel, 28. Februar, 14 Uhr: „Erdgasförderung“. Von der Freilichtbühne Holtebüttel (Zur Freilichtbühne 19) zur evangelischen Kapelle in Völkersen. Ansprache: Professor Dr. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
Salzgitter, 6.  März, 15 Uhr: „Atommüllendlager Schacht Konrad“. Von der Infostelle Konrad (Chemnitzer Str. 27) zur Kirche St. Michael. Ansprache: Domkapitular Propst Reinhard Heine.