15.03.2017

In geschwisterlicher Freundschaft

Ein Gottesdienst mit Nachhall

Eindrücke und Hintergründe vom ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst in St. Michaelis.

In geschwisterlicher Freundschaft

Foto: epd

(ed). Sympathisch und geschwis­terlich war der Umgang von Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx. Sie stehen an der Spitze ihrer jeweils höchsten Kirchengremien – und scheinen sich zu verstehen. Man nimmt ihnen ab, dass sie etwas bewegen wollen in der Einheit der Kirchen. Und das brachten sie glaubwürdig rüber im ökumenischen Versöhnungsgottesdienst in St. Michaelis.

 

Mitgefeiert in St. Andreas

Foto: Stefan Branahl

(sbr). Feiern, singen, beten – all das war möglich in der Hildesheimer Stadtkirche St. Andreas. Dort wurde der feierliche Gottesdienst aus der benachbarten Michaeliskirche auf einer großen Leinwand übertragen. Die Kirche war gut gefüllt. Aufmerksam und zum Teil mit sichtlicher Freude wurde die Predigt der Kirchenvertreter verfolgt, laut stimmten die Menschen in die Gesänge mit ein. Für den Kaugummi kauenden Fotografen, der mit einem Kaffeebecher in der Hand durch die Reihen lief, und für die Frau, die mit Dackel hereinspaziert kam, hatte niemand einen bösen Blick.

 

 

Bundespräsident in Höchstform

Foto: epd

(ed) Eindringlich, mahnend, zurückblickend und voller Hoffnung nach vorne schauend war die Ansprache von Bundespräsident Joachim Gauck nach dem Gottesdienst. „Von hier und heute geht ein hoffnungsvolles Zeugnis aus“, sagte er und bekam für seine Worte Standing Ovations und lang anhaltenden Applaus – ein scheidender Bundespräsident in Hochform.

 

„Das war ein großes Erlebnis“

Foto: Edmund Deppe

(ed). Mit dabei waren auch Oberstufenschüler des Bischöflichen Gymnasiums Josephinum aus Hildesheim. Für Sophie Grinat (hintere Reihe Mitte) war dies ein historischer Moment. „Es war ein herausragendes Zeichen von Versöhnung und Menschlichkeit. Die Präsenz des Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin trug ebenfalls dazu bei, diesen besonderen Gottesdienst unvergesslich zu machen. Den Gottesdienst in seiner Wichtigkeit miterleben zu dürfen war ein großartiges Gefühl. Insgesamt war dieser Samstag­abend ein bewegender Moment, den ich niemals vergessen werde.“ Auch für Mathis Wolpers (vorn, 2. von rechts) hatte der Gottesdienst etwas Besonderes an sich. Doch bei aller Euphorie hat er ihn auch nachdenklich gemacht: „Es hatte etwas von einer Hochzeit. Es wurden viele Komplimente ausgetauscht und Versprechungen gemacht. Aber inhaltlich gab es nicht viel Konkretes. Da gibt es noch viel zu tun.  Trotzdem: Der Gottesdienst hatte was!“

 

Schwierig und hoffnungsfroh

Foto: Edmund Deppe

(ed). Für Pater Abraham war es ein großes Erlebnis, „als wir drei aus Meschede mit den neun Helfern der evangelischen und katholischen Hochschulgemeinde Hildesheim das Kreuz errichteten“. Als es dann mit einem Ruck in die Halterung sackte und vorsichtig und behutsam in die richtige Richtung justiert wurde, „da lief mir ein Schauer über den Rücken“. Seitdem klingen die Texte, die Musik und das gesprochene Wort der beiden Kirchenleitungen in ihm nach. „Sie vermischen sich mit meinen Sehnsüchten und Hoffnungen und stärken von innen heraus die Zuversicht, dass wir auf der Suche nach einer besonderen Form von Einheit sind. Unvermischt und ungetrennt. Das macht es schwierig und hoffnungsfroh zugleich.

Klatschen, Fotos und ein Händedruck

Foto: Stefan Branahl

(sbr). Weiträumig abgesperrt war der Michaelishügel und die allermeisten Luxuskarossen von Politikern und Kirchenvertretern blieben weitestgehend unbeachtet. Dann irgendwann gab es Applaus, als ein schwarzer Audi heranfuhr und Angela Merkel ausstieg. Ein paar hundert Schaulustige begrüßten die Bundeskanzlerin, schossen Fotos mit dem Handy, ließen sich von ihr die Hand schütteln und riefen   „Angie, Angie!“. Lange schauten ihr die Menschen hinterher, als sie die Stufen zur Kirche hinaufging und bald, nach dem offiziellen Fototermin, verschwunden war. Nur noch ein paar Unentwegen warteten zum Ende des Gottesdienstes, als St. Michaelis im Licht der Abenddämmerung lag.

Stressfreier Großeinsatz

Foto: Edmund Deppe

(ed) Auch wenn es für die vielen Polizeibeamte ein langer Tag war, blieb es für sie dennoch ein stressfreier Großeinsatz. Bereits früh um 8 Uhr durchsuchten Sprengstoffspürhunde die St.-Michaelis-Kirche. Jede kleine Nische, die Türme, der Heizungskeller, die Orgel und sogar die Fernsehkameras des NDR wurden von den Vierbeinern gründlich abgeschnuppert.