09.05.2017

Spenden der Erstkommunionkinder

Ein Hof als Rettungsboot

Erstkommunionkinder unterstützen mit ihrer Spende benachteiligte Kinder- und Jugendliche in der Diaspora. Zum Beispiel diejenigen, die auf dem Jugendbauernhof Biesenbrow in der Uckermark leben.


Foto: Markus Nowak
Verantwortung und Vertrauen lernen: Celina füttert die jungen Ziegen. Foto: Markus Nowak

 

Die Jungziegen bekommen warme Milch aus der Flasche, die Lamas wollen grobgeschnittene Karotten und die Hunde sind einfach noch verspielt. Nach der Schule und am Wochenende warten auf Celina zahlreiche Aufgaben. Aber sie macht diese gern. „Den Tieren kann man alles erzählen und sie hören einem zu“, sagt die 13-Jährige. Seit drei Jahren wohnt sie auf dem Jugendbauernhof Biesenbrow in der Uckermark, den sie als ihr Zuhause bezeichnet. Zu ihrer Mutter in Berlin hat sie kaum noch Kontakt. 

„Wir wollen den Kindern die Eltern nicht ersetzen und ihnen trotzdem ein Zuhause geben“, sagt Madlen Vietmeier. Die Sozialpädagogin leitet die fünf „Orte zum Leben“, an denen die Caritas Kindern und Jugendlichen Zufluchtsorte bietet, wenn diese von den Eltern vernachlässigt werden, aus zerrütteten Elternhäusern kommen oder aus anderen Gründen das Jugendamt einschreiten musste. Der Bauernhof Biesenbrow setzt bei diesen Kindern auf die Arbeit mit Tieren – und auf Thorsten Köpp. Der 46-jährige Erzieher lebt hier mit sechs Kindern und beobachtet, dass die Tiere den jungen Bewohnern guttun. „Sie lernen Verantwortung zu übernehmen und Vertrauen zu anderen zu fassen“, sagt er. Eigenschaften, die sie von zu Hause oft nicht kennen. 

Auch der zwölfjährige Justin lebt in Biesenbrow. Und wenn er in das Gehege mit den gerade erst geborenen Ziegen geht, wird aus einem unruhigen und verhaltensauffälligen Berliner Jungen, plötzlich ein ruhiges liebevolles Kind. „Hier bin ich viel mehr mit anderen Kindern in Kontakt als zu Hause in Berlin“, erzählt er. Später einmal will „Zwerg“, wie Justin von anderen oft genannt wird, Fußballer werden. Doch bis dahin müssen sich die Zensuren in der Schule verbessern. Die dritte Klasse einer Förderschule hat er bereits wiederholt. Nun droht gleiches in der sechsten.

 

Den Alltag strukturieren

Foto: Bonifatiuswerk
Mit Jesus in einem Boot: das diesjährige
Motto der Erstkommunion.
Foto: Bonifatiuswerk

Training steht auch in der Wohngruppe „Haus Ägidius“ in Sommerfelde bei Eberswalde mehrfach in der Woche auf dem Programm. Ob Fußball, Laufen oder Fahrradfahren – die sechs Jungs erleben in dem Haus einen klar geregelten und strukturierten Tagesablauf, der gesundheitsbewusste und sporttherapeutische Ansätze hat. „Sport, gerade in der Mannschaft, stärkt das Wir-Gefühl“, sagt Fabian Quirmbach, Erzieher in Ausbildung und Trainer. Für heranwachsende Jungs sei das wichtig. Nicht zu verachten sei auch, dass sich die Jugendlichen beim Sport auspowern und aufgestaute Aggressionen abbauen können, erklärt der 27-Jährige.

Ausgepowert sein, das kennt der 17-jährige Max inzwischen gut. Der Zehntklässler spielt Fußball, ist auf dem BMX-Rad unterwegs und macht auch mal bei Stadtläufen mit. Zu Hause in Brandenburg habe er dagegen früher oft nur Computer gespielt. Nach zwei Jahren im „Haus Ägidius“ ist sein Alltag strukturiert und „durch Sport bin ich abgelenkt und sitze nicht nur rum“, sagt er. „Leben ohne Sport ist für mich langweilig“, ein Satz, der ihm früher nicht über die Lippen gegangen wäre und Trainer Fabian Quirmbach freut. 

Passend zum diesjährigen Erstkommunionthema „Mit Jesus in einem Boot“ beschreibt die Sozialpädagogin Madlen Vietmeier die „Orte zum Leben“ als „Rettungsboot“. „Wenn die Eltern Schiffbruch erleiden, wollen wir den Kindern ein neues Boot sein.“ Jenem Bild zufolge sind dann die Tiere vom „Bauernhof Biesenbrow“ und das gemeinsame Training im „Haus Ägidius“ die Ruder. Denn „mit ihnen können die Kinder und Jugendlichen vorankommen im Leben“. 

Viele der Angebote werden vom Staat nicht finanziert. Damit die „Orte zum Leben“ weiterhin Kinder auf ihrem schweren Weg begleiten können, sind sie auf Spenden angewiesen. Auch auf die der Erstkommunionkinder.

Von Markus Nowak