22.10.2013

Dekanat Nörten-Osterode

Eine „Niere“ wächst zusammen

Dechant Franz Kurth hat für sein Dekanat einen besonderen „Spitznamen“: Niere. Denn so sieht das Dekanat Nörten-Hardenberg auf der Karte betrachtet aus.

Auch das prägt die Jugendarbeit im  Dekanat Nörten-Osterode: Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten – wie hier in der Grube Samson, einem historischen Bergwerk in St. Andreasberg. Die Jugendarbeit ist zu einer Klammer für das 2004 geschaffene Dekanat geworden. Foto: privat

Ein Flecken links, ein Flecken rechts, verbunden durch einen schmalen Streifen. Diese Kons­truktion lässt die Ähnlichkeit zu einem unterschätzten, aber lebenswichtigen Organ erkennen – und natürlich, dass es sich um eine Fusion handelt: 2004 wurden die Altdekanate Nörten und Osterode verschmolzen.

„Es gab auch Stimmen, die Nörten eher mit Göttingen zusammenlegen wollten“, erinnert sich Dechant Kurth. Ausschlaggebend war schließlich die gleiche Augenhöhe: „Nörten und Osterode sind ähnlich strukturiert und waren in einer vergleichbaren Situation.“

Das bedeutet vor allem: weite Wege, „versprengte“ Katholiken und  wirtschaftlich bedingte Abwanderung aus der Region. Das bleibt nicht ohne schmerzhafte Folgen: Bereits 2003 wurde die Kirche in Angerstein aufgegeben (heute Jugendkulturzentrum) und  2009 das Gotteshaus in Kat­lenburg (heute ein Tanzstudio). 2014 soll die St.-Martin-Kirche in Osterode profaniert werden.

Vorrangige Aufgabe: Vertrauen schaffen

Insofern lautet Kurths vorrangige Mission: „Vertrauen schaffen“. Nicht nur darin, dass es irgendwie weitergeht. Sondern dass durch die Zusammenführung Bewährtes auf eine breitere Grundlage gestellt wird und sich Neues entwickeln kann.

Beispiel Jugendarbeit: „Das war und ist eine große Herausforderung“, sagt Johannes Honert, Pastoralreferent für das Dekanat. Auch hier machen die weiten Wege die Arbeit schwer.
In der Fläche gelte es besondere Akzente zu setzen: durch eine gemeinsame Firmvorbereitung, durch die Teilnahme an Ereignissen wie der 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) oder Gottesdiensten an besonderen Orten. Da werden auch schon mal ungewollte Opfer gebracht: zum Beispiel eine Kerze, die bei einer Jugendmesse im historischen Bergwerk Grube Samson in einen tiefen Schacht fiel. Tatsächlich gehörte die Grube Samson zu ihrer Betriebszeit (um 1520 bis 1910) zu den tiefsten Bergwerken der Welt. Es ging bis auf 840 Meter Tiefe. Zum Schluss des Gottesdienstes erklang Blasmusik – das „Steiger-Lied“.

Wie sehr die Jugendarbeit zu einer Klammer für das Dekanat geworden ist, zeigte der Weltjugendtag in Sydney 2008: „Wir haben eine eigenständige Reise mit 33 Jugendlichen gemacht“, berichtet Honert. 108 000 Euro hat die Reise insgesamt gekostet, 42 000 Euro davon konnten durch Spenden aufgebracht werden: „Jugendarbeit ist einer der Schwerpunkte im Dekanat, auch durch unsere Taizé-Andachten“, ist sich Honert sicher.

Das strahle auch in andere Bereiche aus: Das Altdekanat Osterode brachte die Tradition von Seniorentagen in die Fusion mit ein. Jetzt werden sie gemeinsam begangen. Dechant Kurth hofft, dass sich dieses Zusammenwachsen auch auf die Verbände überträgt. Doch da macht die Struktur einen Strich durch die Rechnung: Die Kolpingsfamilien im Dekanat gehören unterschiedlichen Bezirksverbänden an.

Ein Dekanat, drei Landkreise, drei Caritasverbände

Dass es gleich zwei Landkreisgrenzen im Dekanat gibt, spiegelt sich auch in der Caritasarbeit wider: Gleich drei Ortsverbände sind zwischen Uslar und Hahnenklee beteiligt. So werden dann auch andere Akzente gesetzt: In Herzberg ist beispielsweise die Schuldnerberatung ausgeprägt, während in Northeim vor allem Selbsthilfegruppen unterstützt werden. In Einbeck werde eng mit der „Tafel“ zusammengearbeitet, in Uslar kommen Interessierte beim „Tischlein-deck-dich“ zusammen: „Da geht es darum, einfach gemeinsam miteinander zu essen“, erläutert Kurth.

Bei der 72-Stunden-Aktion bewirteten die „Einbecker Urböcke“ 200 Gäste – mit einem Mahl und einem Theaterstück.             Foto: Archiv

Einen vermeintlichen Verlust führt der Dechant als „Bereicherung“ an. Immer wieder stand die Kardinal-Bertram-Schule (kbs) in Northeim als katholische Konfessionsschule in staatlicher Trägerschaft auf der Kippe. 70 Prozent der Schüler müssen katholisch sein – und es wurden immer weniger.

Doch einfach aufgegeben werden sollte die Schule nicht. Sie wurde nun in eine christliche Bekenntnisschule umgewandelt und mit einer anderen Grundschule in einem etwas außerhalb liegenden Stadtteil Northeims zusammengeführt. Die Stadt als Träger trägt die Buskosten, damit die katholischen Kinder die Schule besuchen können: „Das ist ein Gewinn für alle“, meint Kurth.

Christliche Werte sind Pfeiler der Schule

Christliche Werte sind weiterhin ein Pfeiler des Programms der kbs – und die neue Zusammenarbeit sowohl mit Mariä Himmelfahrt wie der evangelischen Gemeinde St. Nikolai. „Das zeigt übrigens auch, wie gut die Ökumene funktioniert“, betont Kurth.

Aber keine Zukunft ohne graue Wolken am Horizont – hier in Form des Stellenplans 2025. Der sieht in zehn Jahren vier Priester vor – statt acht. Nur werden mindestens drei Pfarrer bereits in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen: „2025 fängt bei uns deutlich früher an“, sagt Kurth.

Die rasanten Veränderungen beschäftigen auch den Dekanatspastoralrat (DPR). „Das ist eine große Herausforderung sowohl für uns wie für das ganze Bistum“, sagt Gudrun Machens, Mitglied im DPR und für das Dekanat im Diözesanrat der Katholiken. Eine Hoffnung setzt die Religionslehrerin in den Dialogprozess im Bistum: „Wir haben diesen Prozess in den Pfarreien sehr ernst genommen.“ Für Gud­run Machens sei das ein Weg, um zu einem neuen Miteinander zu kommen: „Laien und Priester arbeiten so zusammen, dass der Glaube vor Ort weitergelebt werden kann.“ Das wünsche sie sich für die Zukunft.

Rüdiger Wala

 

Das Dekanat in Stichworten

Seit 2004 besteht das Dekanat Nörten-Osterode. Es ist weitgehend deckungsgleich mit den politischen Landkreisen Northeim und Osterode. Das Dekanat ist über gut 1900 Quadratkilometer groß. Die Bundeshauptstadt Berlin würde locker zweimal darin Platz finden. Das Dekanat erstreckt sich über 80 Kilometer Länge von West nach Ost, von Nord nach Süd misst es nicht einmal die Hälfte. Wegen der charakteristischen Form hat das Dekanat einen „Spitznamen“ bekommen: Niere. Im Westen stößt es an Hessen (beziehungsweise an das Erzbistum Paderborn), im Osten an Thüringen (Bistum Erfurt).
 
Gemeinden
Insgesamt leben im Dekanat Nörten-Osterode 22607 Katholikinnen und Katholiken. Sie verteilen sich auf acht Pfarren mit insgesamt 23 Kirchorten:

  • Bad Lauterberg, St. Benno (mit Braunlage, Hl. Familie; Walkenried, Hl. Kreuz; St. Andreasberg, St. Andreas und Bad Sachsa, St. Josef): 2838 Katholiken.
  • Clausthal-Zellerfeld, St. Nikolaus (mit Hahnenklee, Maria Schnee und Altenau, St. Oliver): 1807 Katholiken.
  • Einbeck, St. Josef (mit Dassel-Markoldendorf. Heilig Geist und Dassel, St. Michael): 3004 Katholiken.
  • Herzberg, St. Josef (mit Hattorf, St. Hildegard): 2371 Katholiken.
  • Nörten-Hardenberg, St. Martin (mit Hardegsen, St. Marien): 2887 Katholiken.
  • Northeim, Mariä Heimsuchung (mit St. Jakobus d. Ältere, Kalefeld und St. Ulrich, Moringen: 4980 Katholiken.
  • Osterode, St. Johannes Baptist (mit Badenhausen, St. Bonifatius und Osterode, St. Martin): 2851 Katholiken
  • Uslar, St. Konrad von Parzham (mit Uslar-Volpriehausen, St. Joseph): 1869 Katholiken.

(Stand September 2013)

 

Einrichtungen

Kindertagesstätten gibt es in Herzberg, Nörten-Hardenberg und in Northeim. Alle werden von der jeweiligen Pfarrgemeinde getragen.

Das Katholische Jugendbüro ist nicht nur für das Dekanat Nörten-Osterode, sondern auch für das Dekanat Göttingen zuständig und hat auch in der Universitätsstadt seinen Sitz.

Für die Caritas sind gleich drei Ortsverbände zuständig:

  • der Caritasverband für Stadt und Landkreis Northeim,
  • der  Caritasverband für den Landkreis Osterode (mit Sitz in Herzberg)
  • und das Caritasbüro für Stadt und Landkreis Goslar (zuständig für Braunlage).

In Braunlage unterhält der Diözesancaritasverband mit dem Haus Waldmühle ein Mutter-Kind-Kurheim.

Auch die Katholische Erwachsenenbildung hat noch zwei Bildungswerke: eines für das Alt-Dekanat Nörten und eines für das Alt-Dekanat Osterode.

In Clausthal besteht mit dem Maximilian-Kolbe-Haus noch ein Katholisches Studierendenwohnheim. Das Haus wird allerdings wegen des hohen Sanierungsbedarfes zum Ende des Wintersemesters 2013/14 aufgegeben. Fortgeführt wird jedoch die Arbeit der Katholischen Hochschulgemeinde an der Technischen Universität der Stadt.

Verbände und Gruppen

Ministranten-, Frauen- und Seniorengruppen gibt es in allen Pfarrgemeinden. Pfadfinder haben ihre Stämme in Northeim, Herzberg und Osterode. Kolpingsfamilien gibt es in Northeim (und Moringen), Uslar, Bad Lauterberg, Einbeck und Nörten-Hardenberg. Männergemeinschaften sind in Uslar und Nörten-Hardenberg vertreten. Bibelkreise sind in Uslar, Bad Lauterberg und Osterode aktiv. Kirchenchöre und Musikgruppen bestehen in Northeim, Herzberg und in Nörten-Hardenberg (mit Hardegsen). In Northeim gibt es noch einen DJK-Sportverein mit über 200 Mitgliedern. Der DJK Kolping Northeim bietet neben Kindersport und Tischtennis vor allem Volleyball an.

Mehr Infos zum Dekanat gibt es auf der privaten Webseite www.kath-kirche.net