26.09.2016

Auf der Via Scandinavica von Hittfeld bis zum Bodensee

Eine Auszeit für die Seele

Für ihren Ruhestand hatten sich die Bremer Brigitte Wippermann (66) und Jörg Lobert (58) was Besonderes vorgenommen: Nach dem Berufsleben eine Auszeit für die Seele.

Von Hittfeld bis an den Bodensee wollen Jörg Lobert und Brigitte Wippermann pilgern. „Wir haben uns dafür rund sechs Wochen Zeit genommen.“ Fotos: Deppe

„Das hat zeitlich nicht ganz geklappt. Erst mussten noch ein paar andere Projekte erledigt werden, aber nun sind wir unterwegs“, sagt Brigitte Wippermann, als die beiden erschöpft, aber fröhlich in Diekholzen ankommen. Heute übernachten sie in der Pilgerherberge der katholischen Pfarrgemeinde St. Jakobus.

Ganz bewusst haben sie sich für einen der deutschen Jakobswege entschieden, die Via Scandinavica. „In Hittfeld vor den Toren Hamburgs sind wir gestartet und haben im ersten Teil die blühende Heide genossen und Orte besucht, die für unser Leben eine Bedeutung haben. In Hermannsburg haben wir uns bei einem Seminar kennengelernt“, erzählt Jörg Lobert. „Und in Celle hast du viele Jahre gearbeitet“, ergänzt Wipperman. Auch bei ehemaligen Arbeitskollegen wurde Station gemacht.
 

„Herzlich willkommen!“ Pfarrsekretärin Silvia Höweling (mitte) begrüßt die Bremer Pilger in Diekholzen und gibt ihnen den Herbergsschlüssel.

Für einen Pilgerweg haben sich die beiden Bremer aus ganz pragmatischen Gründen entschieden. „Pilgerwege sind sehr gut ausgeschildert, haben eine gute Infrastruktur und es gibt Pilgerherbergen, auf die man zurückgreifen kann. Außerdem trifft man Menschen, die eine ähnliche Einstellung haben“, erzählt Wippermann, während sie den Rucksack absetzt, die Wanderstiefel auszieht und dankbar das Glas Wasser nimmt, das ihr Partner ihr reicht.

Religiöse Erinnerungen werden wieder wach

Aber da ist noch mehr. „Von Hildesheim kommend haben wir im Kloster Marienrode Rast gemacht. Das hat mich an meine Schulzeit, an Einkehrtage im Kloster erinnert. Zum Programm gehörten meist Besinnung und Betrachtung“, sagt Wippermann und ist fest davon überzeugt, dass  dies auch für ihr Leben hilfreich war.
 

Die Pilgerherberge: ein heller Raum, zwei Etagenbetten, Dusche und WC.

Brigitte Wippermann ist Psychologin und geschieden, Jörg Lobert ist Witwer und war Abteilungsleiter einer Berufsbildenden Schule – beide sind Familienmenschen und seit elf Jahren ein Paar. „Wir haben jeweils zwei Kinder und sind Großeltern – und immer für unsere Familien da. Nun wollen wir einmal eine Zeit nur für uns haben, einmal etwas für einen längeren Zeitraum gemeinsam unternehmen. Dafür haben wir uns sechs, sieben Wochen Zeit genommen“, erzählt Lobert. „Und wir wollen möglichst viel zu Fuß gehen, nur mit leichtem Gepäck, Pilgerausweis und ohne jeden Ballast. Ballungsräume und große Städte umfahren wir mit dem Zug oder Bus. Wir wollen die Stille der Natur genießen, uns an ihr erfreuen und die Seele zur Ruhe kommen lassen.“

Das geografische Ziel ihrer Pilgerreise ist der Bodensee. „Aber das sehen wir nicht so verbissen. Wir sind flexibel. Wichtiger ist, dass wir bei uns ankommen, dass wir auf uns achten und Kraft schöpfen für unseren weiteren gemeinsamen Weg.“ Das wünschen sich beide.

Edmund Deppe