31.03.2017

Junge Unternehmer in Afrika

Eine neue Generation ist am Ruder

Milliardeninvestitionen für Afrika werden immer wieder gefordert – doch einige junge Unternehmerinnen haben es aus eigener Kraft geschafft und zeigen, wie eine Zukunft für Afrika aussehen kann.


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Junge afrikanische Unternehmer bei einem Treffen in Meckenheim. Foto: kna

"Ohne Sicherheit gibt es keine Entwicklung und ohne Entwicklung keine Sicherheit und keinen Frieden." So lautete einer der Schlüsselsätze, die auf der Afrika-Konferenz in Berlin fielen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Entwicklungsminister Gerd Müller hatten dazu eingeladen. Am gleichen Tag veröffentlichte die "Welt" ein Interview mit Antonio Tajani. Der EU-Parlamentspräsident forderte Milliardeninvestitionen in Afrika und den Aufbau von sogenannten Flüchtlingsstädten. Ansonsten könnten aus dem Kontinent in den nächsten zehn Jahren "10, 20 oder sogar 30 Millionen Einwanderer in die Europäische Union kommen".

Die Angst vor neuen "Flüchtlingsströmen", immer neue Hiobsbotschaften über Hunger, Korruption und Krieg: Wenn europäische Politiker über den "Chancenkontinent" Afrika reden, fallen ihnen schnell die vermeintlichen und tatsächlichen Risiken ein. Dabei gibt es sie wirklich, die Chancen. Einige von ihnen hat der US-Journalist Alex Perry unlängst in seinem Buch "In Afrika: Reise in die Zukunft" vorgestellt. Mehr solcher Geschichten gab es in Meckenheim bei Bonn zu erfahren. Dort trafen sich auf Einladung des Entwicklungsministeriums unterstützt von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) rund 30 junge Afrikaner, die meisten von ihnen Unternehmer - beziehungsweise Unternehmerinnen.

So wie Noi Paulina Selepe aus Lesotho. Die 29-jährige Landwirtin ist Mitbegründerin und Vorsitzende der Young Lesotho Farmer's Association - und darüber hinaus in weiteren Verbänden tätig. Sie repräsentiert eine Generation, die im Agrarbusiness auf neueste Technik setzt. Und dabei trotzdem die eigenen Wurzeln nicht verleugnet. "Die großen Agrarunternehmen werden es ohne die Kleinbauern nicht schaffen", gibt sie sich überzeugt. Deswegen sei es auch sinnvoll, in traditionelle Strukturen zu investieren und diese zu fördern.

Berufliches und soziales Engagement verbindet sich

Tradition spielt auch bei Ayoko Loke Gabiam aus Togo eine Rolle. Vor einem Jahr gründete die heute 26-Jährige das Modelabel Naheni, die erste "ready-to-wear"-Marke in Toge. Ihre Kollektionen verkauft sie ausschließlich über die Sozialen Netzwerke. Da trifft es sich, dass die Unternehmerin von Haus aus IT-Ingenieurin ist. Zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen entwickelt Gabiam den klassischen Batik-Stil ihrer Heimat weiter. Und spendet einen Teil der Erlöse für die Förderung von benachteiligten Kindern. Sie selber stamme aus einer armen Familie, sagt sie. "Jetzt möchte ich etwas von dem zurückgeben, was ich selber bekommen habe."

Christine Namare versucht ebenfalls, berufliches und soziales Engagement miteinander zu verbinden. In ihrer "Beauty Garage" können junge Mädchen aus der Region um die Kleinstadt Fort Portal die Arbeit in einem Schönheitssalon kennenlernen, um sich eines Tages vielleicht sogar selbstständig zu machen. Diese Option ist für viele Menschen in Uganda attraktiv, erläutert die 29-Jährige. "Die Arbeitslosenquote ist hoch" - Jobs als Angestellte sind entsprechend rar gesät. Die Ärmel hochkrempeln, etwas tun, die Gesellschaft verändern: Es scheint, als eine diese Haltung jene Unternehmer, die jetzt in vielen Ländern Afrikas das Ruder übernimmt.

Halatou Dem aus Mali geht noch einen Schritt weiter. Mit ihrem Unternehmen Danaya Cereales will sie Getreide bis nach Europa, Amerika oder Asien liefern. Die einheimisches Getreideart Fonio könnte zu einem Exportschlager werden: gesund, glutenfrei und für Diabetiker geeignet. Sorge macht der 31-jährigen Geschäftsfrau eigentlich nur eins: die Konflikte in ihrem Heimatland. "Wir brauchen endlich Frieden", sagt Dem und klingt für einen Moment so wie mancher Politiker aus Europa, für den die Chancen auf dem "Nachbarkontinent" auch eine "Bleibeperspektive" für die Afrikaner in ihren jeweiligen Heimatländern sind. "Ich habe große Summen investiert, ich schaffe Jobs. Das ist es doch, was alle wollen."

kna