07.10.2016

Einsatz für die Kirchenmusik: Diakon Samuel Elsner koordiniert die Organisten in Bremerhaven

Eine Orgel mit richtig Potenzial

Wenn Diakon Samuel Elsner über Orgeln spricht, ist ihm die Leidenschaft für das Instrument deutlich anzuhören. „Sie wird zu Recht die Königin der Instrumente genannt!“

Diakon Samuel Elsner in der Bremerhavener Herz-Jesu-Kirche. Im Hintergrund auf der Empore die Orgel mit ihren 42 Registern. Foto: Martina Albert

„Die Orgel kann leise und laut, traurig und fröhlich klingen – es gibt so viele Ausdrucksmöglichkeiten“, schwärmt Diakon Samuel Elsner, der vor drei Jahren nach Bremerhaven kam und sich seither sehr für die Kirchenmusik engagiert. So koordiniert er unter anderem den Einsatz der Organisten.

Und das ist nicht immer ganz einfach. Denn in Bremerhaven mit seinen 17 000 Katholiken gibt es nicht mehr als fünf bis sechs Organisten, die die Gottesdienste in insgesamt vier Kirchen begleiten. Bei so einer dünnen Personaldecke kommt es gelegentlich auch vor, dass Sonntagsgottesdienste ohne Orgelbegleitung stattfinden müssen. „Natürlich fehlt dann was, aber ebenso natürlich ist, dass die Organisten, die sich ja schließlich freiwillig engagieren, nicht jedes Wochenende Zeit haben.“

Zum Glück sei der Ausfall des Orgelspiels aber noch relativ selten. Ein kleiner Lichtblick ist, dass sich zwei junge Männer gemeldet haben, die das Orgelspielen lernen wollen.

Orgel aus dem Winterschlaf geholt

Auch Elsner selbst teilt sich in den Orgelplan mit ein. Besonders viel Spaß macht ihm das Spielen auf der frisch renovierten Orgel in St. Marien in der Stadtmitte, die im vergangenen Jahr aufwendig restauriert und gereinigt wurde. Allerhöchste Zeit, wie Samuel Elsner betont: „Die erste Reinigung seit 60 Jahren, eigentlich sollte das alle 15 bis 20 Jahre gemacht werden.“

Doch Orgelrestaurierungen gehen ins Geld. Geld, das den Gemeinden häufig fehlt. Mehr als 50 000 Euro haben etwa die Arbeiten in St. Marien gekostet. Eine Stange Geld, doch das Ergebnis kann sich mehr als hören lassen, ist der 44-Jährige stolz: „Uns ist es gelungen die Orgel aus dem Winterschlaf zu holen – sie ist wieder sehr grundtönig geworden, das Schrille ist jetzt weg.“ Regelmäßig finden  seitdem gut besuchte Orgelkonzerte statt.

Eigentlich müsste auch die große Orgel in Herz Jesu im Bremerhavener Stadtteil Lehe – ein Prachtstück aus dem Jahr 1981 mit 42 Registern – dringend saniert werden. Denn die feuchte Nordseeluft setzt dem Instrument zu.

Im Innenleben hat sich Schimmel breit gemacht. Das Problem: Die Kosten würden sich auf 90  000 bis 100 000 Euro belaufen, schätzt Elsner. Und bevor die Orgel saniert wird, müsste auch die Kirche auf Vordermann gebracht werden, denn auch an ihr nagt der Zahn der Zeit: Putz bröckelt, Risse ziehen sich durch das Mauerwerk.

Auch, wenn es noch Zukunftsmusik ist: Eine Restaurierung der Leher Orgel sei ebenso notwendig wie lohnenswert. „Dieses Instrument ist absolut konzerttauglich. Von 1982 bis 2001 haben hier 157 Orgelkonzerte und 13 Chor- und Orchesterkonzerte stattgefunden“, weiß Samuel Elsner. „Diese Orgel hat richtig Potenzial.“ Auch sie spielt Elsner gerne und regelmäßig, holt gerne auch beim Proben alles aus dem Instrument heraus.

Zum Orgelspielen kam er selbst im Alter von zwölf Jahren. „Der Pfarrer meiner Heimatgemeinde in Hemmingen bei Hannover hat kurzerhand zu mir gesagt: Du spielst jetzt Orgel – und dann habe ich das gemacht, auch wenn ich zuerst kaum ans Pedal kam“, erinnert sich der Diakon. Da er Klavier spielte, war er fürs Orgelspielen prädestiniert.

Das haben wohl auch Samuel Elsners Eltern schon früh gemerkt, wie er mit einer Anekdote belegt: „Meine Eltern gingen mit mir gerne in die Clemenskirche in Hannover. Denn da stand die Orgel im Altarrraum – ich habe also nicht die ganze Zeit nur nach hinten geschaut“, erzählt er und lacht. Orgelunterricht bekam er damals bei Lothar Rückert, der bis heute als Orgelsachverständiger tätig ist. Schnell hat sich Samuel Elsner damals ins Orgelspielen verliebt. Und bis heute hält diese Liebe an.

Besonders schätzt der Diakon im Vorfeld eines Gottesdienstes, den er musikalisch begleitet, die Vorbereitungszeit, die Auswahl der Lieder. „Das ist für mich auch ein geistiger Prozess, ich schaue mir an, welches Evangelium gelesen wird und suche passend dazu die Lieder aus.“ Dabei bleibt immer auch Raum für neue Entscheidungen, wie er verrät. „Manchmal ändere ich die Lieder spontan ab, etwa wenn mir zum Thema der Predigt dann doch ein anderes Lied passender erscheint.“

Dienende Funktion im Gottesdienst

Dahinter steckt der Gedanke, dass die Orgel eine dienende Funktion im Gottesdienst hat, sie soll Gesang stützen, Stimmungen aufnehmen und verstärken, ist der 44-Jährige überzeugt. Gefragt dafür sei ein aufmerksamer Organist. Eine Aufgabe, die Elsner als sehr befriedigend empfindet. „Wenn ich durch mein Orgelspiel Menschen zum Singen begeistern kann und ihr Herz aufgeht, dann habe ich auch als Diakon einen guten Dienst getan.“

Für die Zukunft wünscht sich Samuel Elsner, dass die Gemeinden wieder mehr Mut zum Singen haben – mit und ohne Orgel. „Singen ist ein Ausdrucksmittel von Herz und Seele.“

Martina Albert