03.05.2017

Eine Straße der Toleranz

Der Reiseveranstalter Stattreisen Hannover will anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums Vergessenes wieder in den Mittelpunkt rücken und vor allem den Spuren der Reformation in Hannover folgen.

Blick auf die Marktkirche Hannover. Sie war ein Ort
der Reformation und ist bis heute ein Wahrzeichen
der Stadt. | Foto: Stefan Branahl

Auch wenn Martin Luther nie in Hannover war, sind die Spuren der Reformation bis heute noch gut sichtbar. Manches erscheint im Alltag so selbstverständlich, dass die religionsgeschichtliche Entwicklung vergessen zu werden droht.

Da ist beispielsweise die Straße der Toleranz in der Calenberger Neustadt. Hier entstanden nach der Reformation verschiedene Gotteshäuser. Die unterschiedlichen Glaubensrichtungen waren für die Bewohner kein Problem, es gab eine friedliche Koexistenz zwischen Katholiken, Juden, Protestanten und Reformierte.

Unter dem Titel „Glaubensstätten in Alt- und Neustadt“ erläutert Stadtführerin Barbara Fleischer die religionsgeschichtliche Entwicklung sowie das Leben in Hannover vor und nach der Reformation.  Sie berichtet über den Landesherren Erich I., der die Liebfrauenkapelle abreißen ließ, weil sich dort die sogenannten Ketzer trafen, die die weltlichen und kirchlichen Privilegien nicht länger dulden wollten. Die Marktkirche war ein wichtiger Ort der Reformation und ist bis heute ein Wahrzeichen der Stadt.
 
Glaubensdemonstration auf dem Marktplatz

Auf dem zentralen Marktplatz bekannte sich 1533 eine Versammlung von Bürgern zum neuen lutherischen Glauben. Hier befindet sich Martin Luthers Denkmal, das ursprünglich an der Südseite der 750 Jahre alten Kirche stand. Die Kreuzkirche in der Altstadt, die 1943 zerstört und danach wieder aufgebaut wurde, besitzt einen kostbaren Altar von Lucas Cranach. Auf ihm ist, ganz klein, Martin Luther als Kind abgebildet.  Der katholische Herzog Johann Friedrich kaufte diesen Altar ursprünglich für die Schlosskapelle, von der heute keine baulichen Reste mehr erhalten sind. Wusste er um das Symbol?

Das Besondere der Führung „Glaubensstätten in Alt- und Neustadt“: Es werden nicht nur die Eigenheiten der Kirchen dargestellt, sondern auch Gegensätze von der Alt- und Neustadt herausgearbeitet. Während in der Altstadt ausschließlich protestantisch gepredigt wurde, gab es in der Neustadt eine Glaubensvielfalt. Dort entstand nach der Reformation beispielsweise mit St. Clemens die erste katholische Kirche nach der Reformation, die heute die Hauptkirche der Katholiken in der Region Hannover ist. Ganz in der Nähe wurde nach den Plänen Edwin Opplers zwischen 1864 bis 1870 die Neue Synagoge gebaut. Sie wurde in der Reichspogromnacht 1938 zerstört. Vier Glaubensgemeinschaften gab es hier, denn eine evangelische und eine evangelisch-reformierte Kirche liegen ebenfalls in der Nähe.

Stadtführung mit vielen Anekdoten

Die Führung umfasst 12 Stationen, dauert etwa zwei Stunden und ist mit vielen kleinen Geschichten und Anekdoten ge-spickt, die sich vor und nach der Reformation in Hannover ereignet haben. Los geht es am Freitag, 12. Mai, um 17 Uhr. Weitere Termine sind Montag, 5. Juni, 14 Uhr und Sonntag, 23. Juli. Treff: Aegidienkirche, Osterstraße/Ecke Aegiedienkirchhof, Endpunkt: Beginenturm.

Weitere Infos erhalten Sie unter www.stattreisen-hannover.de