06.10.2017

Erinnerung wach halten

Mit dem Kolloquium „Priester unter Hitlers Terror“ spürte das Bistumsarchiv dem Leben und Wirken von Hildesheimer Priestern im Nationalsozialismus nach. Beteiligt waren dabei Schüler des Eichsfeld-Gymnasiums Duderstadt.

„Es ist unsere Pflicht, über solche Leute Bescheid zu wissen, damit wir nie wieder solche Zustände bekommen.“ Maike Otto

Duderstadt. Besonders mit dem früheren Tiftlingeröder Kaplan Joseph Müller hatten sich Schüler des Eichsfeld-Gymnasiums in den vergangenen Wochen beschäftigt. Sie präsentierten eindrücklich seine Lebensstationen. Dabei konnten sie sich auf Quellen stützen, die ihnen Bistumsarchivar Dr. Thomas Scharf-Wrede zur Verfügung gestellt hatte.
 

„Mich beeindruckt an Pfarrer Müller, dass er konsequent geblieben ist, obwohl im klar war, dass ihm die Todesstrafe droht.“ Paul Weber

Joseph Müller wurde 1943 von der Hildesheimer Gestapo verhaftet, weil er als Pfarrer von St. Cosmas und Damian in Groß Düngen bei einem Krankenbesuch eine Art Witz erzählt hatte. Die Nazis sahen darin eine Verunglimpfung Hitlers. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode. Am 11. September 1944 wurde der Priester in Brandenburg an der Havel hingerichtet.

Neben Müller wurden auch die Biographien von Christoph Hackethal, Robert Hartmann und Heinrich Kötter behandelt. Sie alle waren zweitweilig als Pries­ter in Südniedersachsen tätig. „Hacketahl hat seinen Einsatz für das Evangelium wie Müller mit dem Tode bezahlt“, berichtete Scharf-Wrede. Kötter wurde nach dem Krieg Pfarrer im Bistum Münster, Hartmann kam aus dem Konzentrationslager Dachau wieder nach Rhumspringe und wurde später zum Dechanten in Gieboldehausen gewählt.
 

„Pfarrer Müller zeigt, dass es, egal vor welchem Problem man steht, immer auch einen Weg gibt.“ Lena Eckermann
„Joseph Müller hat Unglaubliches geleistet und die Kraft aus seinem Glauben gezogen. Ich brauche so eine Kraftquelle.“ Leon Conrady

Von den 290 Priestern des Bistums Hildesheim während der NS-Zeit finden sich 88 Namen in Unterlagen wieder, die auf einen Konflikt mit dem Regime hindeuten. Eine geschichtliche Einordnung nahm Professor Hans-Georg Aschoff aus Hannover vor. Über die geistliche Haltung Joseph Müllers berichtete Prälat Heinrich Günther.

Zum Abschluss tauschten sich Schüler und Referenten darüber aus, inwiefern das Leben der Priester bis in die heutige Zeit wirkt. „Mir macht Mut, dass jemand durch seinen Glauben so stark gewesen ist, dem Ganzen zu widerstehen, Gott dafür dankt und nicht anklagt“, findet Lina Stebis aus dem Geschichtskurs.

Johannes Broermann