10.11.2017

Taizé-Jugendtreffen

Erstes Jugendtreffen im Dreiländereck

Zum ersten Mal findet das Taizé-Jugendtreffen zum Jahreswechsel im Dreiländereck in Basel statt.


Foto: kna
Zum europäischen Jugendtreffen füllen sich die Messehallen in den Gastgeber-Städten mit betenden und singenden Jugendlichen. Foto: kna


Draußen wummernde Bässe und kreischende Teenies in den grell blinkenden Achterbahnen der Basler Herbstmess' - in der Matthäuskirche beim Mittagsgebet meditative Gesänge, Bibelworte in drei Sprachen und Kerzenschein. An diesem Werktag sind gut 20 Baslerinnen und Basler gekommen, um für eine halbe Stunde gemeinsam mit den drei Taize-Brüdern in ihren weißen Gewändern zu singen, zu beten oder auch minutenlang zu schweigen.

Das Europäische Jugendtreffen von Taize kommt zum Jahreswechsel 2017/18 erstmals ins französisch-deutsch-schweizerische Dreiländereck. Vom 28. Dezember bis zum 1. Januar werden mindestens 15.000 junge Christen aus 45 Ländern weltweit erwartet.

"Wir setzen ein Zeichen für ein friedliches Miteinander von Kulturen und Religionen. Und wir ermutigen junge Menschen, trotz Krisen und Konflikten mit Zuversicht ihre Zukunft zu gestalten", so Taize-Bruder Richard. Er, drei weitere Brüder der christlichen Gemeinschaft und zwölf junge Freiwillige aus Polen, Deutschland und der Schweiz sind seit einigen Wochen in Basel, um das wohl größte religiöse Jugendtreffen Europas vorzubereiten. Während des Events werden mehr als 1.200 Ehrenamtliche mit anpacken - und beispielsweise 80.000 Brötchen und 50.000 Wasserflaschen verteilen. Die Nahverkehrsbetriebe in Basel, Elsass und Südbaden setzen Sonderzüge und -Busse ein.

50 Tage vor Beginn sind die Macher noch auf der Suche nach Familien, WGs oder Einzelpersonen, die einen oder mehrere Teilnehmer aufnehmen. Die Koordination übernehmen dezentral die Kirchengemeinden. "Es sieht gut aus, erfahrungsgemäß gibt es immer noch viele Spätentschlossene, die ein Gästebett oder auch einfach nur ein paar Quadratmeter für Isomatte und Schlafsack bereitstellen", so Organisationschef Fabian Dinkel.


Spirituelles Zentrum mit Strahlkraft

Seit der Gründung der überkonfessionellen Gemeinschaft durch den charismatischen Mönch Frere Roger in den 1940er Jahren hat sich das burgundische Taize zu einem spirituellen Zentrum mit enormer Strahlkraft entwickelt. Eine Erfolgsgeschichte abseits gewöhnlicher Wege. Inzwischen ist die Taize-Gemeinschaft auf 100 Brüder aus 30 Ländern angewachsen. Jugendliche begleiten sie für einige Wochen oder Monate in ihrer einfachen und von Gebet, Schweigen und Meditation geprägten Lebensweise. Symbol der Gemeinschaft ist das Taize-Kreuz, das an eine stilisierte Friedenstaube erinnert.

Seit 2005 leitet der aus Deutschland stammende Frere Alois die Bewegung, die für ein einfaches und barmherziges Leben eintritt. Und schon früh beschlossen die Brüder, nicht nur darauf zu warten, dass die Welt zu ihnen kommt, sondern wandten sich mit ihrer Spiritualität auch nach außen. So entstanden die großen Jugendtreffen an jährlich wechselnden Orten. Die größten Messe- oder Konzerthallen füllen sich dann mit betenden oder gemeinsam schweigenden Menschen. Frere Alois beschreibt die Jugendtreffen als Etappen eines "Pilgerwegs des Vertrauens", der nun auch über die Grenzen Europas hinaus weiter gehen soll: Zuletzt war er in Ägypten und im Sudan unterwegs, 2018 wird es ein großes Gebetstreffen in Hongkong geben.

In Basel sind neben Morgen-, Mittags- und Abendgebeten auch einige politische Workshops geplant. Etwa im Blick auf den interreligiösen Dialog oder zu den Erfahrungen der grenzüberschreitenden Kooperation am Oberrhein. "Vielleicht könnte das aktuell beispielsweise für Katalanen oder Ukrainer interessant sein", sagt Bruder Richard.

Für Sara Fruga wird es das fünfte Taize-Jugendtreffen sein. "Die Begegnungen, die in diesen Tagen möglich sind, verändern jeden, der sich darauf einlässt", ist die junge Polin überzeugt. Sie wirbt schon seit Wochen in den Kirchengemeinden im Dreiländereck für das Treffen. Während des Mittagsgebets in der Matthäuskirche kniet sie neben den drei Taize-Brüdern in den schlichten weißen Kutten. Derzeit kommen täglich rund 20 Mitbeter zu den Meditationen. In 50 Tagen werden es tausend Mal so viele sein.

kna