27.11.2012

Caritas schreibt Gesundheitsminister

"Es droht der Burn-out"

Nach einem Brief an die niedersächsische Sozialministerin wenden sich Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter der Caritas in Niedersachsen in Sachen Krankenhäuser nun auch an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.

In einer am Dienstag, 27. November, an alle Einrichtungen versandten zweiseitigen Petition fordern sie unter anderem „eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen“, einen „höheren Stellenwert der Pflege in der Gesellschaft“ sowie die Überschüsse der gesetzlichen Krankenkassen den Kliniken zu Gute kommen zu lassen.

„Es muss sich etwas ändern. Sonst stirbt das System“, heißt es am Ende des Schreibens, das von den drei Caritasdirektoren Franz Loth (Osnabrück), Hans-Jürgen Marcus (Hildesheim) und Gerhard Tepe (Vechta) sowie den diözesanen Mitarbeitervertretern Laurentius Uhlenkamp (Osnabrück), Claudia Schmücker (Hildesheim) und Maria Lampe-Bernholt (Vechta) unterzeichnet ist. Am 17. Dezember soll die Petition Bundesminister Bahr überreicht werden.

Die bedrohliche wirtschaftliche Lage katholischer Krankenhäuser habe sich weiter verschärft, heißt es in dem Schreiben. Die Gründe hierfür seien „in der Gesamtheit im Wesentlichen immer dieselben“: unzureichende Rückvergütung von Personal- und Sachkosten, Mehraufwand durch den Einsatz von Honorarärzten auf Grund eines sich verstärkenden Ärztemangels. „Weitere Effizienzsteigerungen und Mehrleistungen konnten und können die Lücke zwischen der Erlös- und Kostenentwicklung nicht mehr schließen“, heißt es.

Samstag wird zum regulären Operationstag

Als Folge der Ökonomisierung des Gesundheitswesens seien Mitarbeiter ausgebrannt und unzufrieden. „Es droht der Burnout“, schreiben die Unterzeichnenden. Durch die Steigerung der Auslastung sei der Samstag oft zum regulären Operationstag geworden. Gleichzeitig stiegen die Überschüsse der gesetzlichen Krankenkassen, kritisieren die Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Interessierte sind ebenfalls eingeladen, die Petition zu unterzeichnen. Sie liegt an allen Zentralen der Katholischen Krankenhäuse aus. In der vergangenen Woche hatten die Caritasdirektoren bereits der niedersächsischen Sozialministerin geschrieben. In dem Brief an Aygül Özkan heißt es, die katholischen Krankenhäuser sähen keine Möglichkeit mehr, die Tarifsteigerungen, die wachsenden Energiepreise oder ansteigende Versicherungsprämien zu refinanzieren.

Insgesamt gibt es in Niedersachsen rund 200 Krankenhäuser. 52 von ihnen sind katholisch. Die Caritas in Niedersachsen beschäftigt in insgesamt 1357 Einrichtungen 38.492 Mitarbeiter in 25.474 Vollzeitstellen. (lcv)