Eine junge Familie organisiert christliche Kindererziehung in einer sich rasant verändernden Umwelt

Familie mit viel Gottvertrauen

Wie erzieht man seine Kinder im Glauben an Gott, wenn die Gläubigen eine schwindende Minderheit sind? Was ist dann überhaupt noch an Glaubensleben möglich? Eine Familie in Hannover lässt sich von düsteren Vorausberechnungen nicht verunsichern.

Sonntagnachmittag. Die Sonne scheint. Aus einer Erdgeschosswohnung in der Engelhardtstraße in Hannover-Süd ertönt Kinderlachen. Die Rebeggianis, eine deutsch-italienische Familie, bereiten den Nachmittagskaffee vor. Beniamino Rebeggiani (35) und seine Frau Melanie (31, geborene Schempp) haben eine Tochter und vier Söhne. Das sechste Kind ist unterwegs und wird „so Gott will, im September kommen“. Die fünf Kinder sind zwischen sieben und zwei Jahren alt.

Gemeinsam beten die Mitglieder der Familie Rebeggiani jeden Sonntagmorgen die Laudes. Die Kinder begleiten ihre Vater dabei mit Rasseln und Trommeln.Foto: Nestmann

Beniamino Rebeggiani, der im Alter von sechseinhalb Jahren aus der italienischen Hauptstadt Rom nach Hannover kam, ist Studienrat an einer Integrierten Gesamtschule im hannoverschen Stadtteil Roderbruch. Dort unterrichtet er Französisch und Geschichte. Ehefrau Melanie kommt aus München und ist von Beruf Fremdsprachensekretärin für Englisch und Italienisch, aber wegen der Kinder jetzt nicht in ihrem Beruf tätig. Die Kinder lernen Deutsch und Italienisch. Deutsch und italienisch wird auch gekocht: „Letzten Sonntag gab’s bei uns bayerischen Krustenbraten mit Knödeln, heute Fettuccine, ein italienisches Nudelgericht“, erzählt der italienische Studienrat.

Eigene Erfahrungen sind für Glauben wichtig

Das Ehepaar gehört einer neokatechumenalen Gemeinschaft an, die es mittlerweile seit 50 Jahren gibt und vom Papst anerkannt ist. In der religiösen Kindererziehung komme es nicht auf Materialien, Strukturen und kirchliche Lehrsätze an, sagt Beniamino Rebeggiani: „Eine eigene lebendige Beziehung zu Gott, Gebets-erhörungen, praktische eigene Erfahrungen und Beobachtungen bei Eltern und Geschwistern – darauf kommt es an. Wenn die echt und wesentlich sind, dann tragen sie den Glauben auch später in feindseliger Umgebung.“ Deshalb beten die Rebeggianis mit ihren Kindern, erklären den Glauben mit Bilderbüchern.

Gemeinsam beten sie an jedem Sonntagmorgen die Laudes. Die Psalmen sind mit rhythmischen Melodien unterlegt und werden gesungen. Vater Beniamino spielt dazu auf seiner Gitarre; die Kinder begleiten ihn mit einer Rassel und kleinen Trommeln. Ebenfalls gemeinsam wird gefastet. Auf den Verzicht von Schokolade und Fernsehen haben sich Eltern und Kinder geeinigt. Die Kinder sind ein wachsames Korrektiv. „Als meine Frau und ich einmal schwach wurden und für eine interessante Sendung den Fernseher einschalteten, da bekamen wir aber was zu hören und haben sofort ausgeschaltet“, sagt Beniamino Rebeggiani.

Ein Gebet öffnet Türen

Fürbitten und praktische Glaubenserfahrungen nehmen die Rebeggiani-Kinder gleichsam mit der Muttermilch auf. Die Eltern haben vor acht Jahren geheiratet. Melanie Rebeggiani sagt: „Mein Mann war noch Student und ich gerade mit meiner Ausbildung fertig geworden. Als wir zwei Kinder hatten und ich mit dem dritten schwanger war, da war mein Mann noch Referendar.“ Das Ehepaar brachte so manches Anliegen im Gebet vor Gott und hatte das Gefühl, „dass sich dann immer wieder ein Türchen für uns öffnete.“

Ein Türchen ist allerdings immer noch verschlossen. Melanie Rebeggiani sagt: „Seit drei Jahren suchen wir vergeblich ein Haus zu mieten. Nicht das Geld, sondern unsere Kinderzahl ist immer das Problem. Wenn nach der Besichtigung die Vermieter unsere Kinderzahl erfahren haben, sagen sie immer: Ach, für Sie ist unser Haus doch viel zu klein.“ Für die Eheleute ist die Großfamilie kein Problem, da sie beide mit Geschwistern aufgewachsen sind: Melanie mit zweien, Beniamino mit acht Geschwistern.

Kein Zusammenleben ohne Hochzeit

Im Gegensatz zu vielen Paaren, die lange vor der Hochzeit in fester Beziehung zusammenlebten, wohnten sie bis zur Hochzeit jeweils bei ihren Familien. Nach einer Reihe gegenseitiger Besuche (Schlafplatz für den Besucher immer auf neutralem Boden bei einer befreundeten Familie) brachten sie ihren Heiratswunsch im Gebet vor Gott und fassten dann den Entschluss: „Wir heiraten!“

Beniamino Rebeggiani sagt: „Ich sehe leider, dass eine ganze Reihe von Freunden aus meinem Studium, die lange vor ihrer Hochzeit mit ihrer Freundin zusammenlebten, schon wieder geschieden sind. Wieder andere leben inzwischen mit der soundsovielten Partnerin zusammen, kommen aber immer noch zu keinem Ehe-Entschluss, obwohl sie eigentlich heiraten wollen.“

Gleichwohl sieht das Ehepaar in einer Familie mit vielen Kindern nicht nur Spaß und Freude. Beide meinen, dass christliche Eltern heute auch bei den Angeboten der Schule einschließlich Freizeiten und Auslandsaufenthalten aufpassen und prüfen müssen. Für die Rebeggiani-Kinder ist das jetzt noch kein Thema. Melanie Rebeggiani sieht eine Herausforderung in der modernen Sexualerziehung und dem Infiltrieren von Lerninhalten nach der Gender-Ideologie. Zu Letzterem zähle auch der Mathematikunterricht mit Einleitungen zu Textaufgaben in folgender Art: Kevin und Tobias haben geheiratet..., Jennifers Ehefrau Maren kauft zur Taufe der gemeinsamen Tochter...

Im Kindergarten wird nach Melanie Rebeggianis Angaben deutlich, wie sehr sich das Christentum aus den Köpfen der Erzieherinnen schon verflüchtigt habe. So etwa, wenn statt des St.-Martinsfestes am 11. November ein nichtssagendes Lichterfest gefeiert werde. Oder wenn die Osternester mit den Schoko- und Marzipan-Eiern schon in der Karwoche verteilt würden. „Das geht nicht. Da fasten meine Kinder doch noch!“, habe sie der Kindergartenleiterin gesagt. Melanie Rebeggianis Kinder bekommen ihre Nester erst nach Ostern.

Glaube gibt der Familie Halt im Leben

Für Beniamino Rebeggiani sind die Hänseleien, denen seine Kinder mitunter ausgesetzt sind, kleine Anfechtungen, denen sie aber standhalten könnten: „Sie erleben ja auch das Gute, das sie durch den Glauben und den Zusammenhalt der Familie haben. Auf der anderen Seite erfahren sie, wie andere Eltern von Freunden in Kindergarten und Schule sich scheiden lassen. Ja sogar körperliche Auseinandersetzungen von Vater und Mutter im Kindergarten selbst haben sie gesehen.“

Was den Einsatz in der eigenen Ortsgemeinde angeht, so sind den Eltern Rebeggiani durch ihren Einsatz in der neokatechumenalen Gemeinschaft (rund drei Abende in der Woche) Grenzen gesetzt. „In der Kindheit war ich aber Messdiener. Ein Jahr lang habe ich Firmlinge begleitet. Heute trage ich zusammen mit meiner Frau die Pfarrbriefe aus. Mehr geht leider nicht“, sagt Beniamino Rbeggiani.

Von Tillo Nestmann