17.09.2015

Themenwoche Familie "Liebe leben"

Familie nicht auf Privates reduzieren

Nicht nur die deutsche Sicht: Der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, der Erzbischof von Marseille, Georges Pontier, spricht sich im Interview zur Familiensynode für eine geistliche Begleitung von Personen aus, die nach kirchlicher Auffassung in irregulären Situation leben.

Georges Pontier, Erzbischof von Marseilles
Foto: kna-bild

Bischof Pontier, welches sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Themen der Bischofssynode?

Das erste Thema ist sicherlich, die Familie – so wie sie im Evangelium vorkommt – als ein Geschenk Gottes wiederzuentdecken. Das ist eine gute Nachricht, die es möglich macht, dass Mann und Frau gut zueinander finden. Das zweite Thema ist für mich, dass wir all das vertiefen, was im Leben unserer christlichen Gemeinden Ausbildung, Begleitung, Ehevorbereitung, Unterstützung für die Paare betrifft. Das wichtigste Zeugnis für die Liebe und die Familie geben die Paare selbst. Alles, was in unseren Gemeinden dieser Berufung zu Ehe und Familie dient, ist wichtig. Als drittes Thema hoffe ich darauf, dass die Synode der Familie den Geist der Initiative für ein geistliches Ehe- und Familienleben verleiht. Vielleicht werden in unserer Kirche zu viele Dinge in der Gemeinde gemacht und zu wenige in der Familie.

 

In Deutschland schauen viele Menschen vor allem auf die Fragen des Sakramentenempfangs von wiederverheiratet Geschiedenen und des Umgangs mit Homosexuellen. Rechnen Sie in diesen Feldern mit neuen Bewertungen oder einer neuen Praxis?

Seine ganze Hoffnung auf die Veränderung der kirchlichen Disziplin zu legen, scheint mir ü irregulären Sitiegleitung von P geistliche Begleitung von personen, die in irregulären Sitiuationen leben.en die Ehevorbereitunbertrieben zu sein. Worum es wirklich geht, ist die geistliche Begleitung von Personen, die in irregulären Situationen leben. Man kann sich von der Synode eine stärkere Berücksichtigung der Verschiedenartigkeit der Situationen erhoffen – mit der Verantwortung, die den Bischöfen in ihre Diözesen gegeben ist, solchen Personen gegenüber pastorale Initiativen zu ergreifen, die gerecht, angemessen und wirksam erscheinen.

 

Müssen höhere Anforderungen an das Wissen um das Ehe- und Sakramentsverständnis der katholischen  Kirche bei den Paaren gestellt werden?

Wir müssen anspruchsvoller werden in Bezug auf die Art und Weise, mit der wir die Paare auf die Ehe vorbereiten. Weniger in Bezug auf sie, als vielmehr in Bezug auf uns. Ermöglicht das, was wir ihnen vorschlagen,  ihnen die Botschaft zu spüren und in sie hineinzufinden, und sei es auch nur nach und nach? Wichtig ist einerseits, was das Eheverständnis betrifft, andererseits aber auch die Begegnung mit Christus. Es geht hier nicht so sehr um ein Modell, das man kennen sollte, um es dann nachzuahmen, sondern um eine Person, der man begegnet und die einen auf einen Weg führt, um die Ehe zu leben.

 

Welche Haltung soll die Kirche gegenüber jenen Paaren einnehmen, die (noch) keine kirchliche Ehe eingehen möchten?

Unsere Haltung müsste eine dreifache sein: Als erstes müssen wir lernen, die Keime des Evangeliums wahrzunehmen, die es in dieser Lebensform geben kann, vorhandene Werte, die da sind: Respekt, Treue, Annahme des Lebens, gegenseitige Unterstützung, die Schönheit dessen, was die Partner leben. Das Zweite ist die Begleitung dieser Paare, um ihnen zu zeigen, welche Wohltat die zivile, aber vor allem auch die religiöse Heirat für diese gleichen Werte bedeuten kann. Das Dritte ist, dass man die Zelle der Familie nicht auf etwas ganz und gar Privates reduzieren kann. Wir leben in einer Gesellschaft, die auf alle Menschen angewiesen ist, wie auch alle Menschen auf die Gesellschaft angewiesen sind. Die Treue der Paare, die Stabilität der Familien sind auch für die Gesellschaft wertvolle Güter.