Serie: Die Messe verstehen und gestalten

Geht mit meinem Segen

Vor der Liturgiereform ging die Kommunionausteilung schnell: Der Priester kommunizierte – sonst nur wenige. „Einmal im Jahr zur österlichen Zeit“ war die Regel. Ungebeichtet nie. Heute hat die Messe Mahl-Charakter.

Ein Priester beim Schlusssegen. Foto: kna-bild

Kommuniongang

„Mache die Linke zum Thron für die Rechte, die den König empfangen soll. Mache die Hand hohl, empfange so den Leib Christi und sage ‚Amen’ dazu“. So beschreibt Cyrill von Jerusalem im 4. Jahrhundert den Kommunionempfang. Die „Mundkommunion“ entstand erst, als man glaubte, nur „geweihte Hände“ seien würdig, den Leib des Herrn zu berühren; auch wollte man „Missbrauch durch abergläubische Praktiken“ vermeiden. Erst 1969 wurde die Handkommunion wieder erlaubt – und ist heute die Normalform.

Der Priester, ist „erster Spender“ der Kommunion. Ihn durch Laien zu „ersetzen“ ist unangemessen; ihn durch Kommunionhelfer zu ergänzen hingegen seit 1973 erlaubt, wenn sonst „die Messfeier allzu sehr in die Länge gezogen würde“. Anders als Diakone bleiben Laien aber „außerordentliche Spender“.

Der Kommuniongang wird meist von der Orgel begleitet, vor allem, weil Kommunikanten kein Liedbuch mitnehmen können. Allerdings wäre es eine Alternative, einen Wechselgesang mit Kehrvers (wie karfreitags bei der Kreuzverehrung) zu singen, denn ein gemeinsames Lied macht deutlicher, dass man gemeinsam zur Kommunion geht.

Was oft anders ist:

In vielen Gemeinden knien die Gläubigen in Stille, bis Priester und liturgische Dienste kommuniziert haben. Das hebt aber deren Kommunion auf eine falsche Weise heraus. Wir halten ein gemeinsames Mahl, daher soll der Gesang oder das Orgelspiel mit der Kommunion des Priesters beginnen; dann dürfen sich auch alle erheben.

Praktischer Tipp:

Die „Kommunionschlange“ ist praktisch und gut sortiert, lässt aber wenig „Gemeinschaftsgefühl“ aufkommen. Zumindest in Gottesdiensten mit wenigen Feiernden kann man deshalb versuchen, sich zur Kommunionausteilung um den Altar zu versammeln und mit dem Brot in der Hand aufeinander zu warten, um dann gemeinsam zu kommunizieren – eventuell sogar unter beiderlei Gestalten.

 

Dank und Schlussgebet

Nach der Kommunion werden übrig gebliebene Hostien (möglichst nur so viele, wie für Kranke gebraucht werden) in den Tabernakel gebracht. Spätestens zum Reinigen der liturgischen Geräte, sollen Gesang oder Orgelspiel enden und Stille einsetzen. Die Gebetsstille kann mit einem Danklied enden oder auch mit dem Schlussgebet, das inhaltlich eher Dankgebet ist.

Was oft anders ist:

In manchen Gemeinden wird ein Danklied schon angestimmt, wenn der Priester oder Diakon die Geräte reinigt. Das spart Zeit. Allerdings sollte die Gebetsstille so lange dauern, dass auch sie die Gelegenheit bekommen, nach dem Reinigen an ihrem Platz kurz in Ruhe zu beten.

Praktischer Tipp:

Falls der Auszug von Orgel oder Chor begleitet wird, kann anstatt eines Danklieds auch ein Segenslied gesungen werden oder eines, das die „Sendung in die Welt“ ausdrückt. Beispiele finden sich im Gotteslob Nr. 451-461.

 

Segen und Entlassung

Bevor der Segen gespendet wird, ist Zeit für das Gebet für die gerade Verstorbenen. Auch kurze Hinweise auf die kommende Woche können hier Platz finden. Allerdings sollten sie knapp gehalten sein und nicht das gesamte Wochenprogramm einer aktiven Gemeinde aufzählen.

Das Messbuch bietet eine Fülle von feierlichen Segensformeln an, die auch gesungen werden können. Hier nicht immer dieselbe Formel zu wählen, würde die Bedeutung des Segens hervorheben. 

Die Sendungsformel „Ite missa est“ – „Geht, ihr seid gesendet“ hat der „Messe“ ihren Namen gegeben. Bei der Übersetzung dieses lateinischen Grußes hat man sich bei der Liturgiereform für den biblischen Ausdruck „Gehet hin in Frieden“ entschieden (Lk 7,50; Mk 5,34), wie er in der Ostkirche üblich ist. Mit Altarkuss und Auszug der liturgischen Dienste endet die Messe. Ein begleitendes Lied ist möglich.

Was oft anders ist:

Ich weiß, es soll freundlich klingen, aber: „Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag!“ ist kein liturgischer Gruß. Und wenn der Pfarrer diese Nettigkeit schon bei den Verlautbarungen unterbringen will: Das im Chor gesprochene „Danke gleichfalls!“ klingt mehr nach Klassengruß in der Grundschule als nach Gottesdienst.

Praktischer Tipp:

Es muss jemand machen und es kostet Zeit: Aber ein kurzer „Kirchenkaffee“ nach jeder Sonntagsmesse nutzt mehr, als er Arbeit macht. Ein paar Stehtische – im Sommer gern vor der Kirche – , ein paar mitgebrachte Kannen Kaffee und ein paar Kaltgetränke: Mehr braucht es nicht, damit die Gemeinde nicht sofort auseinanderläuft. 

Von Susanne Haverkamp

 

Serie: Die Messe verstehen und gestalten

  1. Kommt herbei, singt dem Herrn
  2. Zusammen in Jesu Namen
  3. Gib uns Mut zum Hören
  4. Sei bei uns, in unserer Mitte
  5. Wir bringen gläubig Brot und Wein
  6. Brich dem Hungrigen das Brot
  7. Geht mit meinem Segen