31.03.2017

Gemeinsames Abendmahl

Gemeinsam zur heiligen Kommunion

Die deutschen Bischöfe arbeiten an einem Weg, wie die evangelischen Ehepartner von Katholiken zum gemeinsamen Abendmahl eingeladen werden können. Ein verbindliches Papier wird derzeit von den Bischöfen diskutiert.


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Ein katholischer Priester erhebt in der Eucharistiefeier Leib und Blut Christi. Wer zur Kommunionbank tritt, sollte diesen Glauben bekennen können. Foto: kna

Im Jahr des Reformationsgedenkens erhält die bisher ungelöste Frage nach einem gemeinsamen Abendmahl für katholische und evangelische Christen neue Aufmerksamkeit. Dass sie „dringend“ ist – zumindest für konfessionsverschiedene Ehepaare und Familien –, das betont der katholische Ökumene-Bischof Gerhard Feige (Magdeburg) auf Anfrage dieser Zeitung.

Vergangene Woche nun sagte Bambergs Erzbischof Ludwig Schick, die Deutsche Bischofskonferenz habe bei ihrer Vollversammlung Anfang März dazu eine Vorlage diskutiert. Demnach könnte eine verantwortliche Entscheidung über den Kommunionempfang des nichtkatholischen Partners in konfessionsverbindenden Ehen im seelsorglichen Gespräch mit dem Pfarrer der Gemeinde fallen. Aus dieser Vorlage erarbeiteten die Bischöfe nun ein verbindliches Schreiben. Wann es veröffentlicht wird, dazu wollte Schick nichts sagen, und auch Bischof Feige sagte auf Anfrage lediglich, die Bischöfe wollten „an diesem Thema weiterarbeiten“.

In der Frage, wer in der Kirche wie welche Sakramente verwaltet, unterscheiden sich katholische und evangelische Kirche. Zwar ist die reale Gegenwart Christi bei Abendmahl und Eucharistiefeier in Brot und Wein grundsätzlich unstrittig. Nicht aber die Frage nach der Gültigkeit der Ordination evangelischer Geistlicher. Daher lädt die evangelische Kirche katholische Christen zum Abendmahl ein. Umgekehrt aber können evangelische Christen nicht ohne Weiteres in einer katholischen Eucharistiefeier Leib und Blut Christi emfpangen.

Die Aussagen vom Papst sind die Richtschnur

Besonders schmerzlich ist dies für konfessionsverbindende Ehepaare und Familien. Einen möglichen Lösungsweg sehen die deutschen Bischöfe in ihren Empfehlungen im Anschluss an das Schreiben „Amoris laetitia“. Dort raten sie wiederverheiratet Geschiedenen zur Gewissensprüfung und zu seelsorglichen Gesprächen, um in Ausnahmefällen die Sakramente der Buße und Eucharistie empfangen zu können. „Zweifellos“ sei dies auch ein Weg für konfessionsverschiedene Paare, meinte unlängst Gerhard Feige, Magdeburg, in einem Interview mit dieser Zeitung und betont, dass „bei einem echten geistlichen Bedürfnis die Gemeinsamkeit im Glauben, die sakramentale Verbundenheit durch Taufe und Ehe sowie die Sorge um das Heil beider Partner und ihrer Kinder“ dafür spreche, eine „verantwortbare und hilfreiche Lösung zu suchen.“

Ob das geplante Schreiben tatsächlich den erwähnten Weg empfiehlt, ist nicht sicher. Eine offene Frage etwa wäre: Reicht die Gewissensentscheidung des Paares oder fordern die Bischöfe auch ein seelsorgliches Gespräch mit dem Pfarrer? Feige verweist jedenfalls auf Papst Franziskus, der beim Besuch einer evangelischen Gemeinde in Rom sagte: „Ich werde nie wagen, eine Erlaubnis zu geben, das zu tun, weil das nicht meine Kompetenz ist. (…) Sprecht mit dem Herrn und geht weiter. Mehr wage ich nicht zu sagen.“ Es müsse für die Bischöfe daher darum gehen, so Feige, „Hilfestellung für eine Stärkung des persönlichen Urteilsvermögens zu geben“.

Von Roland Juchem