23.11.2017

In Gemeinschaft schmeckt es besser

Jeden Dienstag lädt die örtliche Caritaskonferenz in Lehrte zum Klönfrühstück ins Pfarrheim von St. Bernward ein.  Auf die Teilnehmer wartet jedesmal ein liebevoll zurechtgemachtes Buffet mit Eiern, Wurst, Marmelade, Honig, Käse, Lachs und Matjes.

Liebevoll zurechtgemacht ist das Buffet. Benötigt werden dafür vom Bäcker: Schwarzbrot, Graubrot, Semmel und 60 Brötchen. Direkt vom Erzeuger kommen 60 Eier. Die Renner auf dem Buffet sind Lachs und Matjes. Wurst und Käse sowie Marmelade und Honig  runden die Auswahl ab. | Fotos: Deppe

Lehrte. Es ist Dienstagmorgen, kurz vor neun. Während in der Küche von St. Bernward Platten belegt und dekoriert werden, die beiden großen Kaffemaschinen duftenden Kaffee für die Thermoskannen produzieren, stehen die ersten Senioren bereits vor der Tür. „Wir sind immer so früh“, sagt eine ältere Dame. Eine andere ergänzt: „Wir können die Zeit gar nicht abwarten, uns hier mit unseren Bekannten zu treffen.“

Bald sind alle Plätze besetzt, alle warten auf die Begrüßungsworte und dann geht es los, dann wird das Frühstücksbuffet gestürmt. „Und das kann sich, glaube ich, sehen lassen. Wir bieten eine gute Auswahl an, die unsere Gäste zu Hause so nicht haben“, sagt Doris Mellentin. Seit sechs Jahren macht die 67-jährige im Frühstücksteam mit und hat vor einem Jahr von ihrer Schwägerin die Leitung übernommen. „Na ja, Leitung. So was haben wir eigentlich nicht. Wir sind ein Team, und jeder kann sich hier auf jeden verlassen.“ Warum sie mitmacht? „Ich wollte auch nach der Rente noch was Sinnvolles tun. Und dies passt“, sagt Mellentin.

 

Sie freuen sich auf das Klön-
frühstück am Dienstag mit
dem erstklassigen Buffet.

Der Dienstag ist der Höhepunkt der Woche

Angefangen hat das Klönfrühstück vor neun Jahren mit gerade einmal zehn Leuten. „Heute kommen immer so zwischen vierzig und fünfzig“, gibt Christa Marx (66) Auskunft, auch sie arbeitet im 12-köpfigen Team mit. „Jede Woche sind vier von uns für das Früstück verantwortlich, kaufen ein, bereiten alles vor, bauen das Buffet auf. Aber alle vom Team, die zum Frühstücken kommen, räumen hinterher mit auf. das ist ganz selbstverständlich.“ Die Teammitglieder sind zwischen 60 und 79 Jahre alt. „Einzige Voraussetzung für die Mitarbeit bei uns ist Zuverlässigkeit. Und man sollte körperlich fit sein, denn die Arbeit ist nicht ganz leicht“, erklärt Doris Mellentin. Die Einkäufe müssen besorgt werden und auch das lange Stehen in der Küche ist ganz schön anstrengend.

Für die Frauen und Männer, die zum Frühstück in das Pfarrheim der St.-Bernward-Gemeinde kommen, ist der Dienstag ein Höhepunkt der Woche. „Da freue ich mich immer drauf. Das ist für mich der wichtigste Tag in der Woche“, sagt Anna Teske. Hier trifft sich die 82-Jährige mit anderen. „Dann brauche ich nicht allein zu frühstücken. In Gemeinschaft schmeckt es besser.“ Auf das Klönfrühstück wurde Anna Teske von ihrer Tochter hingewiesen. „Sie sagte mir: Da kannst du doch auch mal hingehen. Das war vor fünf Jahren. Und seitdem bin ich – wenn es irgendwie geht –  immer dabei. Und wenn mal ein Feiertag dazwischen kommt und das Frühstück ausfällt, dann fehlt mir was.“
 

Nach dem Frühstück gibt es eine kurze Tischlesung und wenn jemand Geburtstag hat, bekommt er ein Ständchen.

So wie Anna Teske geht es vielen im Raum. Sie leben allein oder mit ihrem Ehepartner. „Da kommt nicht eine so große Auswahl an Leckereien auf den Tisch. Das würde bei uns ja schlecht werden. Aber hier genieße ich das“, verrät eine Frau am Nebentisch. Und wenn einer mal nicht da ist, dann fällt das auf. Es ist hier wie eine große Familie. Man kennt sich und wartet schon darauf, dass jeder erzählt, was alles so in der vergangenen Woche los war. „Es heißt ja schließlich Klönfrühstück“, ruft jemand in die Runde. Da sind sich alle einig. Es geht nicht nur ums Essen, sondern auch um das Gemeinschaftsgefühl.

Unsere Gruppe hat sich hier gefunden

Einen Tisch weiter wird viel gelacht. Hier sitzt wie jeden Dienstag eine Zehner-Gruppe. „Wir treffen uns beim Frühstück im Pfarrsaal. Und anschließend bleiben wir noch weiter zusammen, den ganzen Tag“, betont Margrit Strauß. Die 75-Jährige ist mit ihrem Ehemann Heinrich (71) seit sechs Jahren dabei. „ Diese Gruppe hat sich hier gefunden und wir sind inzwischen auch privat befreundet“, ergänzt Heinrich Strauß.
 

Doris Mellentin hat vor einem
Jahr die Leitung von ihrer
Schwägerin Rita Mellentin übernommen, die das Klön-
frühstück vor fast zehn Jahren gegründet hat.

Langsam leeren sich die Platten und Teller auf dem Buffet. Zeit für Diakon Werner Mellentin. „Mit einer Geschichte, meist humorvoll, aber immer auch zum Nachdenken, läutet mein Bruder gegen Mittag das Ende des Klönfrühstücks ein“, erklärt Doris Mellentin.  Um 10.30 Uhr ist dann Schluss.

„Bezahlen muss man hier nichts. Jeder gibt eine Spende, so wie er es kann – am Monatsende ist meist ein bisschen weniger im Spendenkörbchen. Aber wir haben bislang immer etwas überbehalten“, sagt Doris Mellentin. „Das ist dann nicht etwa für das Team. Wir machen das, weil es uns Spaß macht. Unser Lohn ist, wenn sich die anderen freuen. Der Überschuss fließt wieder zurück in das Klönfrühstück.“ Davon gibt es dann etwas Besonderes, zum Beispiel bei einem der Adventsfrühstück.

Während die letzten Gäste gehen, ist das Frühstücksteam wieder voll in Aktion: Abräumen, Eintuppern und Abwaschen. Nächsten Dienstag geht es dann wieder weiter mit dem Klönfrühstück.

Edmund Deppe