05.06.2017

Anfrage

Geraten Sterbesakramente in Vergessenheit?

In Todesanzeigen ist nur noch ab und zu von der vor dem Tode gespendeten Krankensalbung die Rede. Das gilt auch für die Formulierung „versehen mit den Sterbesakramenten der katholischen Kirche“. Gerät das immer mehr in Vergessenheit? H. J. L., Viersen 

Zunächst muss man unterscheiden zwischen der Krankensalbung im engen und den „Sterbesakramenten“ im weiteren Sinne. 

Die Krankensalbung gerät keineswegs in Vergessenheit, eher im Gegenteil. Immer häufiger gibt es Gemeinden, die die Krankensalbung regelmäßig im Gottesdienst spenden – allerdings nicht als „Letzte Ölung“ kurz vor dem Sterben, sondern als Stärkung für (ernsthaft) Kranke, die auch mehrmals empfangen werden kann. So ist auch das biblische Vorbild Jesu und der ersten Christen, wenn es im Jakobusbrief heißt: „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich: Sie sollen für ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben ...“ (5,14f.). Dass diese Krankensalbung zur „letzten Ölung“ wurde, ist eine Fehlentwicklung, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil richtiggestellt wurde. Die Salbung soll in Krankheit helfen, nicht im Tod.

Anders verhält es sich mit dem sogenannten „Versehgang“ in unmittelbarer Todesgefahr. Hierbei handelt es sich in der vollen Form – je nach körperlicher und geistiger Verfassung des Sterbenden – um eine „Kombination“ aus den Sakramenten der Buße (Beichte), der Krankensalbung und der Krankenkommunion. 

Ja, es mag sein, dass der „Versehgang“ nicht mehr so üblich ist wie vor Jahrzehnten. Das hat sicher verschiedene Gründe. Etwa, dass in vielen Krankenhäusern mehr auf medizinische als auf geistliche Versorgung geachtet wird. Aber auch, dass „früher“ die Angst vor Gott größer war und die Überzeugung ohne Beichte und eucharistische Wegzehrung schlechtere Aussichten im göttlichen Gericht zu haben. Ohne Sterbesakramente sterben zu müssen, galt als „geistliches Unglück“, während sie heute eher als „geistliche Hilfe“ gewertet werden – die aber nicht zwingend ist.

Schließlich haben sich wohl auch die „Moden“ beim Verfassen von Todesanzeigen geändert. Dass nichts von Sterbesakramenten in der Anzeige steht, heißt nicht unbedingt, dass es keine gab.

Von Susanne Haverkamp