26.06.2013

Konzilsdokumente (6): Über Bischöfe und Priester

Gesandte im besonderen Einsatz

Das II. Vaticanum wollte die Kirche erneuern, damit sie das Evangelium den Menschen noch besser vermitteln kann. Wesentliche Aufgaben dabei fallen den Bischöfen und den Priestern zu. Ihnen widmet das Konzil daher drei Beschlüsse.

 

Priesterweihe in Paderborn: Erzbischof Becker überreicht einem Neupriester Brot und Wein, damit er in seinem Auftrag die Eucharistie feiere und den Menschen Christus verkünde.Foto: kna
Priesterweihe in Paderborn: Erzbischof Becker überreicht
einem Neupriester Brot und Wein, damit er in seinem
Auftrag die Eucharistie feiere und den Menschen
Christus verkünde. Foto: kna

Mit dem Dekret „Christus Dominus“ (CD) „über die Hirtenaufgabe der Bischöfe“ wendet das Konzil die Lehre über die Kirche, wie sie in „Lumen Gentium“ dargelegt ist, auf die Bischöfe an.

Vorwort: Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt; dieser wiederum hat die Apostel gesandt, die Menschen zu lehren und sich um sie zu kümmern. Die Nachfolger der Apostel sind die Bischöfe, die durch den Heiligen Geist diesen Auftrag gemeinschaftlich unter Autorität des Nachfolgers des Petrus in ihren Teilkirchen (Bistümern) weiterführen. (1–3)

1. Kapitel: Durch die Weihe werden die Bischöfe Teil des gesamten Kollegiums und haben das Recht, an einem Konzil teilzunehmen (4). Der Papst soll als Ratgebergremium eine Bischofssynode einrichten (5). Die Bischöfe sollen stets die gesamte Kirche im Blick haben; dabei sollen sie die Hilfe aller Gläubigen suchen (6).

In ihren Bistümern haben die Bischöfe die volle, eigenständige Leitungsgewalt und Verantwortung – unbeschadet der Dinge, die dem Papst vorbehalten sind (8). Die Kurie, die den Papst berät, soll reformiert werden, indem sie internationaler wird und dort auch Diözesanbischöfe aus aller Welt mitarbeiten. Der Einfluss der päpstlichen Nuntien soll beschränkt werden (9–10).

2. Kapitel: Eine Diözese ist der Teil des ganzen Gottesvolkes, der einem Bischof anvertraut ist. In ihr ist „die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche wahrhaft … gegenwärtig“ (11). Wichtigste Aufgabe der Bischöfe ist es, „den Menschen die Frohbotschaft Christi zu verkünden“. Sie sollen zeigen, wie der Mensch in allen gesellschaftlichen Bereichen zu achten ist. Dazu gehören auch die Grundsätze zur gerechten Besitzverteilung, Krieg und Frieden sowie internationale Gerechtigkeit (12). Sie sollen auf Menschen zugehen, mit ihnen sprechen in Wahrheit und mit Liebe, mit Einsicht und Güte, demütig und sanft, klug und vertrauensvoll. Vor allem sollen sie sich um die Armen kümmern (13).

Die Bischöfe sollen für eine Katechese aller Gläubigen, auch der Erwachsenen, so sorgen, dass deren Glaube lebendiger und reifer wird und zu Taten führt (14). Die Bischöfe sollen sich bewusst bleiben, dass sie trotz ihres Amtes Menschen wie andere sind, und die Lebensumstände der Menschen wirklich kennen. Sie sollen sich um ihre Priester und Diakone kümmern, und Nichtkatholiken wie Nicht- oder Andersgläubigen in Liebe begegnen (15–16).

In ihrer Amtsausübung sind die Bischöfe von jeder weltlichen Macht unabhängig, unterstützen aber legitime staatliche Regierungen bei deren Aufgaben (19). Bischöfe ernennen soll allein der Papst (20). Diözesen sind so einzuteilen, dass sie der Bevölkerungszahl und Zusammensetzung entsprechen, politische Grenzen berücksichtigen und sinnvoll zu verwalten sind (22–24). Oberster Grundsatz für die Leitung eines Bistums ist das Wohl des Gottesvolkes. Dazu können Weihbischöfe oder Koadjutoren als Helfer des Bischofs bestimmt werden; auch Ordinariat oder Generalvikariat sollen dem Bischof helfen (25–27).

3. Kapitel: Bischöfe müssen heute enger kooperieren, etwa in einer Bischofskonferenz. Ihr gehören alle Orts- und Weihbischöfe an, nicht aber die Nuntien. Die Konferenz soll Tätigkeiten unterstützen und koordinieren; ihre Statuten muss Rom genehmigen, ebenso ihre Beschlüsse, sollen die denn Rechtskraft haben (37–38).

 

Das Dekret „Presbyterium Ordinis“ (PO) über Dienst und Leben der Priester erklärt, was die Kirchenlehre des Konzils für Priester bedeutet.

1. Kapitel: Zwar gehören alle Gläubigen zu einer „heiligen und königlichen Priesterschaft“, die Priester als Mitarbeiter des Bischofs sollen aber mitsorgen für den Zusammenhalt des Leibes Christi. Für dieses Amt gibt es ein eigenes Sakrament, das die Priester Christus gleichförmig macht, so dass sie an seiner Stelle handeln können. Ziel ihrer Arbeit ist es, „dass die Menschen die in Christus vollendete Tat Gottes bewusst, frei und dankbar annehmen und in ihrem … Leben kundtun“ können (2). Priester sollen anderen Menschen als Brüder begegnen: mit „Herzensgüte, Aufrichtigkeit, Charakterfestigkeit und Ausdauer, … Gerechtigkeitssinn und guten Umgangsformen“ (3).

2. Kapitel: Ihre erste Aufgabe ist es, „die frohe Botschaft Gottes zu verkünden“. Das ist oft schwer, soll aber nicht nur allgemein und abstrakt geschehen, sondern auf „die konkreten Lebensverhältnisse“ bezogen sein (4). Darüberhinaus sollen Priester die Eucharistie feiern, Sakramente spenden und so am weiteren Aufbau der Kirche mitwirken. Sie sollen andere Gläubige motivieren, aus dem Glauben heraus zu leben und einander zu dienen. Dabei sollen sie sich vor allem „der Armen und Geringen annehmen“, aber auch der Jugendlichen, der Kranken und Sterbenden (5–6).

Priester schulden ihrem Bischof, der für ihr leibliches wie geistliches Wohl sorgen und sie anhören soll, Liebe und Gehorsam (7). Das Konzil empfiehlt den Priestern, Freundschaften und mit anderen Priestern gemeinsame Lebensformen zu pflegen (8). Mit den Laien sollen sie zusammenarbeiten, deren Rat und Fähigkeiten annehmen und ihre Freiheit respektieren, immer aber für die Einheit der Gemeinde sorgen, ohne Nichtkatholiken aus dem Blick zu verlieren (9).

3. Kapitel: Alle Priester sind verpflichtet, besonders nach Vollkommenheit zu streben, weil dies die Botschaft Christi glaubwürdiger macht. Um in der modernen schnelllebigen Zeit ihren vielfältigen Aufgaben gerecht zu werden, müssen sie professionelles Arbeiten mit tiefer Spiritualität verbinden (12–14).

Der Zölibat gehört zwar nicht wesensgemäß zum Priesteramt, das Konzil empfiehlt und bekräftigt dieses Kirchengesetz aber, weil es sich als Zeugnis bewährt habe (16). Auch sonst sollen die Priester in der Welt leben, aber nicht ihr gleichförmig werden und kirchliche Güter nur so nutzen, wie es der Aufgabe der Kirche entspricht (17).

Priester sollen ein regelmäßiges geistliches Leben pflegen und sich fortbilden (18–19); sie haben Anspruch auf gerechten Lohn und auch auf Urlaub (20).

 

Kurz zuvor wurde das Dekret „Optatam Totius“ (OT) über die Ausbildung der Priester beschlossen. So soll etwa die örtliche Priesterausbildung immer wieder reformiert werden, weil Völker, Länder und Kulturen sehr unterschiedlich sind (1). Pfarrgemeinden, Lehrer, Verbände und Priester sollen sich dafür einsetzen, dass junge Männer sich für den Beruf des Priesters interessieren (2).

Zur Ausbildung sind Priesterseminare notwendig. Die Kandidaten sollen dort zu „Seelenhirten“ werden. Ihre Ausbilder benötigen menschliche Reife und eine fundierte Ausbildung. Die rechte Absicht und der freie Wille der Kandidaten sind zu prüfen ebenso ihre geistige Reife: lieber weniger, aber gute Priester (4–6).

Frömmigkeitsformen allein genügen nicht, auch darf die Ausbildung nicht nur das Gefühl ansprechen. Charakterstärke ist wichtig. Da die Priester Christus repäsentieren, muss ihnen klar sein, „dass sie nicht zum Herrschen oder für Ehrenstellen bestimmt sind“, sondern sich der Seelsorge widmen sollen (9). Auf den Zölibat sollen die Kandidaten sorgsam vorbereitet werden (10).

In die Ausbildung sollen neben christlichen Grundsätzen die Erkenntnisse der Psychologie und Pädagogik einfließen, damit die Studenten „zu geistiger Entschlossenheit erzogen werden“ und zur Selbstständigkeit. Auch sollen sie „jene Tugenden schätzen, auf die die Menschen Wert legen und die den Diener Christi gewinnend ma- chen“ (11). Über Dauer und Art der Ausbildung sowie das Weihealter entscheiden die Bischöfe (12).

Wer Priester werden will, sollte die Hochschulreife haben, im Studium sollen Theologie, Philosophie und andere Wissenschaften miteinander kombiniert werden, damit die Priester gewappnet sind für das Gespräch mit den Menschen (13–16).

Auch sollen angehende Priester lernen, mit Laien zusammenzuarbeiten und stets über den Kirchturm hinauszuschauen (20). Dazu brauchen Priester im Dienst später immer wieder Fortbildungen (22).

Von Roland Juchem

 

Wortlaut:

  • „Den Bischöfen (steht) in den ihnen anvertrauten Diözesen von selbst jede ordentliche, eigenständige und unmittelbare Gewalt zu, die zur Ausübung ihres Hirtenamtes notwendig ist.“ (CD 8)
  • „Die christliche Lehre sollen (die Bischöfe) auf eine Weise vortragen, die den Erfordernissen der Zeit angepasst ist.“ (CD 13)
  • „(Die Bischöfe) sollen die mütterliche Sorge der Kirche um alle Menschen, seien sie gläubig oder ungläubig, unter Beweis stellen und sich mit besonderer Sorge der Armen und Schwachen annehmen.“ (CD 13)
  • „Bei der Ausübung ihres apos-tolischen Amtes, das auf das Heil der Seelen ausgerichtet ist, erfreuen sich die Bischöfe der Unabhängigkeit von jeglicher weltlicher Macht.“ (CD 19)
  • „Aufgabe (der Priester) ist es, die verschiedenen Meinungen so in Einklang zu bringen, dass keiner in der Gemeinschaft der Gläubigen sich fremd fühlt.“ (PO 9)
  • „Im Priesteramt sind mit gro-ßen Lasten auch große Freuden verbunden, und in ihm kann vor allem … Christus das höchste Zeugnis der Liebe gegeben werden.“ (PO 11)
  • „Der Zölibat ist in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen. … Die Synode billigt und bekräftigt von neuem dieses Gesetz für jene, die zum Priestertum ausersehen sind.“ (PO 16)
  • „(Priester und Bischöfe sollen) alles vermeiden, was den Armen irgendwie Anstoß geben könnte, indem sie … jeden Schein von Eitelkeit in ihrer Lebensführung ausschließen.“ (PO 17)
  • „Die erstrebte Erneuerung der gesamten Kirche hängt zum großen Teil vom priesterlichen Dienst ab, der vom Geist Christi beseelt ist.“ (OT Vorwort)
  • „Berufe zu fördern, ist Aufgabe der gesamten christlichen Gemeinde.“ (OT 2)
  • „Bei der Auslese und Prüfung der Kandidaten soll man mit der nötigen geistigen Festigkeit vorgehen, auch dann, wenn Priestermangel zu beklagen ist.“ (OT 6)
  • „Überhaupt sollen die Eigenschaften der Alumnen ausgebildet werden, die am meisten dem Dialog mit den Menschen dienen: die Fähigkeit, anderen zuzuhören und im Geist der Liebe sich seelisch den verschiedenen menschlichen Situationen zu öffnen.“ (OT 19)

 

Chronik

  • Herbst 1962: Sieben Entwürfe zum Bischofsamt werden auf zwei reduziert: ein rechtlicher und ein pastoraler Text.
  • Herbst 1963: Die beiden Entwürfe zu den Bischöfen werden diskutiert und zusammengefasst.
  • September 1964: Der Entwurf über die Bischöfe wird weiter diskutiert, es gibt viele Änderungsvorschläge.
  • Oktober 1964: Diskussion zweier Entwürfe eines Textes über die Priester. Die beiden Entwürfe waren ihrerseits aus 17 Entwürfen vor Beginn des Konzils enstanden. Die beiden Entwürfe werden mit 1199 Nein- gegen 930 Ja-Stimmen abgelehnt.
  • November 1964: 22 Leitsätze zur Priesterausbildung werden diskutiert und angenommen.
  • Oktober 1965: Einzelabstimmun-gen zum Text über die Priester-ausbildung. Überarbeitete Entwürfe über die Priester werden heftig kritisiert und erneut überarbeitet, es gibt weitere mehr als 10 000 Änderungsvorschläge.
  • 28. Oktober 1965: Abstimmung zum Bischofstext „Christus Domi- nus“: 2322 Ja- und 2 Nein-Stimmen; Abstimmung zu „Optatam Totius“ (Priesterausbildung): 2318 Ja-, und 4 Nein-Stimmen.
  • 7. Dezember 1965: Abstimmung zu „Presbyterium Ordinis“: 2390 Ja- gegen 4 Nein-Stimmen

 

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