31.07.2017

Anfrage

Gibt es keine glutenfreien Hostien mehr?

Stimmt es, dass der Vatikan neuerdings keine glutenfreien Hostien mehr zulässt? Dann dürfte mein Kind, das an Zöliakie erkrankt ist, nie mehr zur Kommunion gehen. S. K., 26899 Rhede


Der Vatikan hat an seiner geltenden Praxis nichts geändert: Schon bisher waren Hostien mit einem sehr geringen Glutenanteil zugelassen, gänzlich glutenfreie Hostien jedoch nicht. Grundsätzlich muss das Brot, das für die Eucharistiefeier verwendet wird, ungesäuert, aus reinem Weizenmehl bereitet und frisch sein. Schon 2003 hat die Glaubenskongregation den Gebrauch von Brot mit niedrigem Gluten-Anteil und von Most als Materie der Eucharistie geregelt.

Die meisten Hostienbäckereien stellen glutenarme Hostien her, die auch nach dem Kirchenrecht gültige Materie sind. Diese Hostien haben einen sehr geringen Glutenanteil (unter 20 ppm) und dürfen nach dem Lebensmittelkodex der Europäischen Union daher als „glutenfrei“ gekennzeichnet werden.

In einem Schreiben vom Juni 2017, über das Medien berichtet haben, erinnert die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung daran, und fordert die Bischöfe auf, für die Einhaltung der Qualitätskriterien zu sorgen. Hintergrund ist wohl auch, dass zunehmend über das Internet Messwein und Oblaten angeboten werden, die von geringer Qualität sind, sodass sie für die Eucharistiefeier nicht geeignet sind.

Wenn Zöliakie-Erkrankte nicht den geringsten Anteil Gluten in den Hostien vertragen, gibt es – in Absprache mit dem Pfarrer – die Möglichkeit, die Eucharistie in Gestalt des „Blutes Christi“ zu empfangen, das in Ausnahmefällen auch als konsekrierter Traubensaft gereicht werden kann, sodass es für Kommunionkinder verträglich ist. Auch an diesen Bestimmungen hat das Vatikanschreiben nichts verändert.

Insofern enthält die Erinnerung, die Qualitätskriterien für die Materie der eucharistischen Gaben zu beachten, keine Neuerungen. Adressaten des Schreibens sind die Bischöfe. Wo es in Ausnahmefällen Probleme geben sollte, lässt sich mit den bestehenden Regelungen – wie bisher – eine pastorale Lösung finden, die den Bedürfnissen der Gläubigen, den Anforderungen des Kirchenrechts und dem Sinn und der Würde der Eucharistie entspricht.

Von Michael Kinnen