26.05.2014

Dekanat Unterelbe

Glauben – darüber reden wir ...

Von Theologieprofessoren und Bischöfen wird diese Klage häufig erhoben: Es herrsche eine religiöse Sprachlosigkeit in Deutschland. Im Dekanat Unterelbe ist das anders.

Glaubenszeugnis, Workshops und ein Abschlussgottesdienst – der typische Ablauf eines Dekanatstages im Dekanat Unterelbe. Fotos: privat

Reden über den eigenen Glauben? Was persönlich wichtig ist in der Beziehung zu Jesus? Mit Mikrofon? Vor 140 Zuhörern?  Kein Problem.

Unterelbe-Dekanatstag in der Buchholzer Pfarrei St. Petrus: Es ist das achte Treffen dieser Art. Der Zustrom ist ungebrochen. Kontinuierlich haben sich seit der Premiere im Jahr 2006 die Teilnehmerzahlen gesteigert. 140 Katholiken aus dem ganzen Dekanat sind diesmal gekommen. Der Leitgedanke: „Ein Fest des Glaubens“.

„Über den Glauben muss geredet werden – sonst geht er verloren“, sagt Dekanatspastoralreferent Hans Thunert. Und so wird geredet, mit Mikro vor 140 Zuhörern in der Kirche – aber nicht die Hauptamtlichen ergreifen das Wort, sondern fünf Engagierte aus den Gemeinden. Sie sprechen darüber, was der Glaube für sie im Alltag ausmacht.

Offener Austausch und Hilfen vereinbaren

„Dieser offene Austausch über Fragen des Glaubens ist typisch für die Dekanatstage“, sagt auch Dechant Johannes Pawellek. Knapp eineinhalb Jahre nach der Ende 2004 erfolgten Fusion wurde mit den Dekanatstagen begonnen: „Es ging einfach darum, die Menschen in diesem größer gewordenen Gebilde ins Gespräch zu bringen“, betont Pawellek: „Die lebendigen Steine, von denen Jesus spricht, wollten wir mal wörtlich nehmen.“

Die Idee der Dekanatstage sei einfach, ergänzt Pastoralreferent Thunert: „Wir laden interessierte Christen ein. Wir haben das mal halb im Scherz die Koalition der Willigen genannt.“ Die Teilnehmer können ihren Glauben und ihre Erfahrungen austauschen. Und sie versprechen sich gegenseitige Hilfen.“ Dann, ist sich Thunert sicher, „gibt auch Gott seinen Heiligen Geist in unser Tun hinein.“
Die Folgen für die Pfarrgemeinden: „Ihr Leben wird bunter“, beschreibt es Hans-Dieter Tobschall, Mitglied im Dekanatspastoralrat und Vertreter im Diözesanrat der Katholiken. „Es werden ja nicht einfach Modelle kopiert, sondern der jeweiligen Situation in einer Pfarrei angepasst“, erläutert Tobschall weiter.  Und auch zwischen den Gemeinden wachse der Zusammenhalt und die Kooperation bei übergreifenden Themen.

Die „communio“, die Gemeinschaft als vierter Grunddienst der Kirche, sei im Dekanat wiederentdeckt worden, findet Thunert: „Glaube kann nur in Gemeinschaft glaubwürdig gelebt werden.“ Und er müsse übersetzt werden – ins Fühlen, Denken und Handeln. In den Alltag – und deshalb setzten Engagierte beim Glaubensgespräch ein besonderes Ausrufezeichen beim Dekanatstag.

Noch eines ist durch die Dekanatstage möglich geworden: „Wir schauen anders auf unsere Aufgaben“, erläutert Dechant Pawellek. Der normale Blick folge den Fragen: Was müssen wir tun, was wird von uns erwartet? „Wir lenken unsere Aufmerksamkeit eher auf unsere Möglichkeiten“, meint Pawellek – auf die Fragen: Was können wir mit den Menschen, die zu uns gehören verwirklichen? Und was müssen wir lassen? Meistens wird dadurch eher mehr möglich.

Gemeindekatechetischer Sonntag in Buxtehude

Doch nicht nur auf den Dekanatstagen wird über den Glauben geredet. „Wir haben ‚Kurse erwachsenen Glaubens‘, Kleine christliche Gemeinschaften in den Gemeinden oder auch den gemeindekatechetischen Sonntag in Buxtehude.“

 

In der Pfarrei Mariä Himmelfahrt kommen mehrmals im Jahr alle Generationen in der Gemeinde zum ‚GKS‘  zusammen: „Es gibt einen schwungvollen Gottesdienst, ein Mitbringbüfett und am Nachmittag Glaubensgespräche“, beschreibt Pawellek. Dabei treffen sich zum Beispiel die Eltern von Täuflingen oder Familien mit Erstkommunionkindern, oftmals sind auch die Großeltern dabei: „Das ist kein klassischer Unterricht, sondern Eltern und Kinder lernen zusammen, welche Schätze sich im Glauben verbergen.“

Es sei ein Versuch, das was durch die Taufe gestiftet ist, an Kinder weiterzugeben und auch selbst weiter darin zu wachsen“, betont der Dechant. Sich selbst nimmt er, was das Weiterwachsen im Glauben betrifft, keinesfalls aus: „In Sachen Glauben sind wir alle Lernende.“

Und in Sachen Lokale Kirchenentwicklung Vorreiter. Mariä Himmelfahrt war eine der ersten Pfarreien, die das Modell von lokalen Leitungsteams für Kirchorte umgesetzt haben. „Das hat sich bewährt: Es braucht Menschen, die vor Ort ansprechbar sind und das, was möglich ist, anstoßen“, sagt Hans-Dieter Tobschall. Eine Änderung werde es allerdings mit der Neuwahl der Gremien im November 2014 geben. Statt des bisherigen Pastoralrates für die Gesamtgemeinde werde es ein Pfarrei-Leitungsteam und wieder einen klassischen Kirchenvorstand geben: „Finanzfragen nehmen doch einen breiten Raum ein. Da erschien es uns sinnvoller, das wieder zu trennen.“ Für Tobschall ein Beleg dafür, dass Kirchenentwicklung eigentlich nie stehen bleibt.

Rüdiger Wala

 

Geschichte und Größe

Gegründet wurde das Dekanat Unterelbe im August 2004 durch die Neuordnung der ehemaligen Dekanate Stade und Buchholz. Es besteht im Wesentlichen aus den Landkreisen Stade und Harburg (Verwaltunsgsitz ist Winsen/Luhe) sowie aus kleineren Gebieten der Landkreise Cuxhaven und Rotenburg/Wümme.  Geprägt ist es durch die Nähe zur Hansestadt Hamburg. Die sogenannte Metropolregion ist eine von den fünf am stärksten wachsenden Regionen Europas. Die Wege sind lang im Dekanat: Es erstreckt sich nun über eine Länge von 138 km – von Freiburg an der Unterelbe bis nach Marschacht in der Harburger Elbmarsch.

Gemeinden

Insgesamt leben im Dekanat Unterelbe 32 424 Katholikinnen und Katholiken. Das entspricht etwa sieben Prozent der Gesamtbevölkerung. Neben den Dekanaten Lüneburg und Verden ist das der geringste Katholikenanteil.  Er verteilt sich auf noch sieben Pfarreien mit insgesamt 14 Kirchorten:

St. Petrus, St. Maria Assumpta und Hl. Herz Jesu bilden bereits jetzt eine Seelsorgeeinheit. Die Pfarreien werden im November 2014 zusammengeführt – wie auch St. Altfried und Guter Hirt.

 

Einrichtungen

Kindertagesstätten – insgesamt gibt es vier Kitas:
St. Nikolaus (Stade), St. Maria und St. Johannes (beide Buxtehude) und St. Petrus (Buchholz). St. Johannes wird vom Malteserverband getragen.

Ein Alten- und Pflegeheim gibt es mit St. Josef vor dem Schiffertor in Stade (Träger ist die Pfarrgemeinde). Das Haus bietet 90 Plätze. Ein zusätzliches Angebot sind 23 Wohnungen für Betreutes Wohnen und 11 Altenwohnungen des sozialen Wohnungsbaus.

Für die Caritas sind gleich zwei Ortsverbände zuständig:

Die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung unterhält Beratungsstellen in Buchholz und Stade.

 

Ordensniederlassung

Seit 1990 leben und wirken Steyler Missionsschwestern – „Dienerinnen des Heiligen Geistes“ – in Harsefeld und bilden dort ein geistliches Zentrum.

Verbände

Stark im Dekanat vertreten ist das Kolpingwerk: Kolpingsfamilien finden sich in  Buchholz, Buxtehude,  Egestorf, Neu Wulmstorf, Stade und Winsen/Luhe.

Angebote für Frauen gibt es ebenfalls flächendeckend im Dekanat, eine Gruppe der Katholischen Frauengemeinschaft ist in Hl. Geist in Stade beheimatet.

Kirchenchöre und/oder Choralscholen finden sich in: Buxtehude, Buchholz, Stade, Tostedt und Winsen.

Ebenfalls ausgeprägt ist das Engagement für die Weltkirche: Bolivienpartnerschaften beispielsweise werden in Winsen/Luhe, Stade, Buchholz gepflegt, in Tostedt trägt die Gemeinde einen ökumenischen Weltladen.

Mehr Infos zum Dekanat gibt es im Internet unter www.dekanat-unterelbe.de