29.06.2015

Von Insekten, Turmfalken, grünen Hähnen und Bäumen: Umweltprojekte im Bistum Hildesheim

Gutes in der Welt verbreiten

Schöpfung bewahren – das ist im Bistum Hildesheim kein leeres Bekenntnis. Im Gegenteil: Gemeinden, Verbände und Einrichtungen bemühen sich darum, die Schöpfung zu loben. Die KiZ zeigt vier Beispiele.

Auch die Kinder der Kita St. Elisabeth fassen mit an, wenn es gilt für sie aus einer alten Wiese ein Natur-erlebnis zu machen – mit Eidechsen, Wespen, Ohrwürmern und jeder Menge Platz zum Beobachten und Toben. Foto: Wala

Es ist ein etwas anderes Hotel. Mit viel Holz und Stein. Aber ohne Bad. Keine Fenster. Keine Möbel. Das alles brauchen die Bewohner nicht. Eingezogen sind sie schon in das Insektenhotel, dass vor fünf Jahren Kinder und Eltern der Kindertagesstätte St. Elisabeth in Peine gebaut haben – im gut 2000 Quadratmeter großen Garten der Einrichtung

Und nicht nur das: Totholzstelen als Heimstatt für Käfer, Ameisen und Schmetterlinge, aber auch für Pilze und Flechten. Gestrüpphaufen bieten Verstecke für Igel oder Mäuse. Und dann gibt es noch die Eidechsenburg. Durch Wurzelstuken und Holzstämme, aber auch durch Felsblöcke und Mauersteine ist ein Lebensraum für Eidechsen entstanden.

Zugegeben: Eidechsen haben die Kinder noch nicht gesichtet. Trotz forschermäßiger Ausstattung mit Vergrößerungsgläsern. Aber der Abenteuer-Lebensraum im Garten wird weiter emsig genutzt. Und die Stadtkinder haben ein neues Verständnis für das gewonnen, was überall so kreucht. Wie der heilige Franziskus, der auch die kleinsten Geschöpfe lobte. Darauf macht der Papst in Ziffer 11 seiner Enzyklika aufmerksam.
Ein anderes Beispiel: Kirchtürme als Lebensraum. Wo Glocken klingen, ist auch Platz für Turmfalken, Schleiereulen, Dohlen oder Fledermäuse. Es ist ein Beitrag zu mehr Artenvielfalt vor der Kirchentür. So wie in St. Joseph in Gronau. Auch dort wurden, wie in vielen anderen Gemeinden, Nistplätze für Vögel geschaffen.
Im letzten Jahr brüteten zweimal Turmfalken, in diesem Jahr bisher einmal. Wenn sie ihre Kreise um den Kirchturm ziehen, ist das wie ein Hohelied auf die Schöpfung. Zudem durchbrechen solche Nistkästen den Teufelskreis in der Natur, der durch das Eingreifen von Menschen entsteht, von dem Papst Franziskus in Ziffer 34 schreibt.

Die Enzyklika ist ein wortmächtiger Aufruf zur Änderung des eigenen Lebenstils, ein Appell für mehr Schöpfungsspiritualität (Ziffer 111). Wie kann eine Pfarrei das umsetzen? Die Gemeinde St. Michael in Wolfsburg-Vorsfelde hat sich für die Teilnahme am Umweltschutzprogrammm „Grüner Hahn“ entschieden.
Die Macher in St. Michael haben sich zu vielem verpflichtet: unter anderem Strom, Wasser und die Heizung energietechnisch unter die Lupe zu nehmen, für Küche und Büro mehr regional, ökologisch und fair einzukaufen sowie Gebäude und Grundstücke zu gesunden Lebensräumen für Menschen, Tiere und Pflanzen werden zu lassen. Kurz: Schöpfungsverantwortung in der Pfarrgemeinde konkret umzusetzen.

Ein letztes Beispiel: In St. Maria Königin in Bleckede stehen besondere Bäume. Nicht wegen ihrer Größe oder ihres Alters, sondern wegen ihrer Geschichte. Es sind deutsch-bolivianische Bäume, gepflanzt als Zeichen der Verbundenheit mit der im bolivianischen Hochland gelegenen Gemeinde Kreuzerhöhung in Titicachi. Auch in der Partnergemeinde werden immer wieder Bäume gepflanzt, zuletzt ein Apfelbaum. Das ist eine Möglichkeit, die von Franziskus eingeforderte  großherzige und würdige Kreativität in gemeinsamen Verantwortung für die Schöpfung (Ziffer 211) umzusetzen.

Es mögen vermeintlich kleine Beispiele sein. Aber wie schreibt Papst Franziskus: „Man soll nicht meinen, dass diese Bemühungen die Welt nicht verändern. Diese Handlungen verbreiten Gutes in der Gesellschaft, das über das Feststellbare hinaus immer Früchte trägt.“ (Ziffer 212)

Rüdiger Wala